Artikel-Schlagworte: „Werte“
Schuld-en
Das Thema Schuld ist größer, als ich dachte. Quintessenz der Predigt gestern war natürlich, dass Jesus für unsere Schuld gekreuzigt wurde.
Und wie bitteschön gebe ich ihm meine Schuld? Er zahlt keine Rechnungen für mich und beantwortet auch keine liegengebliebene, beinahe kompostierte Geburttagskarte.
Ich kann schon auf einen Zettel schreiben, dass ich heute mein Kind verhaut habe. Keine “Undo”-Funktion, leider. Dann kann ich den Zettel verbrennen und ich kann sogar beten. Und das Gefühl der Schuld bleibt trotzdem? Oder nicht? Ist die Schuld dann getilgt? Wie sieht es dann auf meinem “Karma-Konto” aus – so denken andere Kreise, mehr esoterisch, weniger christlich (oder ist das doch auch christlich???)
Wie sehen die Schritte zur Selbst-Vergebung aus, so, dass ich auch die Vergebung der Schuld fühlen kann und er-leicht-ert bin? Reicht es aus, jeden Tag, jeden Moment neu anzufangen und immer mehr und immer beharrlicher zu versuchen, gut zu sein, keine Schuld mehr anzuhäufen?
Und wie lautet die Frage, mit der ich unterscheiden und bewerten kann, ob ich diese Rechnung jetzt doch noch bezahlen muss und die Karte doch noch beantworten muss, weil die Schuld sonst nicht weggeht. Wie unterscheide ich zwischen einem echten “offenen Ende”, das ich noch zu bearbeiten habe und wie bewerte ich Schuld, die ich an Gott oder wen auch immer abgeben darf?
Sorry, wenn das hier etwas beissend geraten ist, ich bewege mich hier gerade an den Kernfragen meiner Existenz, da ist es selten gemütlich.
Und führe uns nicht in Versuchung

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
Oscar Wilde (1854 – 1900)
Dieses Zitat beleuchtet in einer witzigen Weise, daß die täglichen Versuchungen ja auch ihre angenehmen Seiten haben: Zarter Schokoladenschmelz auf der Zunge, ein schönes Gefühl, mit der Zigarette in der Hand „dazu zu gehören“ ein angenehm beschwingtes Gefühl nach zwei Gläsern Wein…
Doch diese Versuchungen haben eben auch ihre Schattenseiten: Übergewicht, Abhängigkeit, Sucht, körperlicher und seelischer Verfall.
Versuchung, das Wort enthält ja auch den Versuch – was muß ich denn ausprobieren und versuchen, weil ich meinen Platz im Leben noch nicht gefunden habe? Welchen Mangel, welches Loch muß ich füllen? Welchen Träumen renne ich in dieser ewigen Suche hinterher? Die große Freiheit, die eine Zigarettenlänge lang dauert? Welches Loch stopfe ich mit unmässigen Essen? Wo suche ich mir Bewunderung, indem ich meinen Partner betrüge? Experimente, Versuche, ein Umherirren ohne Ziel…
Ich versuche, im Alltag durch Ausprobieren meinen Platz und meinen Weg zu finden.
Die Versuchung ist Suche, führt zur Sucht. Unser Leben ist voll von Versuchungen: Zigarettten, Alkohol, Schokolade, unmässiges Essen, Sex… überall sehen wir die Trugbilder einer heilen Welt, werden uns Werte vorgegaukelt, die käuflich sein sollen.
Wie finde ich denn trotz der Versuchungen einen festen Platz im Leben? Wie kann ich es denn schaffen, stark zu sein und den Versuchungen zu widerstehen?
Vielleicht kann ich es schaffen, auf Gottes Fülle zu vertrauen, er sorgt für mich. Ich muß es nicht alleine schaffen, er ist bei mir.
Die Bitte aus dem VaterUnser möchte ich ein wenig abwandeln: „… und führe uns in der Versuchung“ – ich kann auf Gottes Führung vertrauen, er nimmt mich an der Hand. In der Besinnung auf die echten Werte kann ich Ruhe finden. Vielleicht lassen sich dann auch die Löcher in der Seele stopfen, vielleicht ist dann die Suche zu Ende. Es gibt eine schöne Geschichte von den Spuren im Sand: Lange Zeit sind zwei Spuren zu sehen, Gott geht neben mir und hält mich an der Hand. Und in ganz schweren Zeiten gibt es nur eine Fußspur – Gott trägt mich.
Ich wünsche Ihnen viel Vertrauen auf die Fülle, die Gott schenkt.
Im Hier und Jetzt leben
warum ist es nur so schwer?
Als gestern während der Probe mein Handy klingelte und mein Papa – er hatte sich verwählt – fragte: “Wo bist du denn, wir machen uns Sorgen?”, hat mich das auch in ziemliche Turbulenzen gestürzt. Meine Mutter war unterwegs und seit eineinhalb Stunden überfällig. Schneechaos überall. Bis dann der erlösende Anruf kam, bin ich wie ein Zombie hinter meiner Posaune gesessen.
Danach kam die Traurigkeit darüber, die wirklich wichtigen Dinge nicht oft genug gesagt zu haben: “Ich hab Dich lieb” und die Trauer darüber, nicht mit allen Sinnen im Hier und Jetzt zu leben. Irgendwann wird es zu spät sein…
Diesmal ist es gut gegangen…
… ich habe es nicht in der Hand, was habe ich in der Hand?
ich hab Posaune geübt…
…Posaune geübt. Mann ist das schön, wenn endlich die wichtigen Dinge in meinem Leben Platz finden. Gestern, 7. Februar, der Tag an dem ich begann Posaune zu ÜBEN.
Es liegt an zwei Denkweisen:
- ich kann ALLES für fünfzehn Minuten tun.
- Und die Posaune kann ausgepackt daliegen.
Mit aufgeschlagenen Noten. Dann ist es nur ein Blinzeln, eine Reflektion auf ihrem Schalltrichter, die mir sagt: “Spiel mich”.
Ich wage gar nicht daran zu denken, was ich jetzt alles erreichen kann! Traumstücke, die seit Jahren in meinem Herzen schlummern, werden spielbar. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Vielleicht ergibt sich ja unter den Mamis und Rentnern im Posaunenchor sogar eine “Vormittags-Probengruppe”…
Ich bin jedenfalls nur begeistert, was dieser Unterschied im Denken ausmacht: Nicht immer nur über Werte nachdenken und lesen und schreiben. Die Werte (hier Musik/Posaune) wollen vor allem gelebt werden.
Journey
Heute war ich auf der Reise. In mein Unterbewußtsein. Gefühle und die “Quelle”…. Ich hatte echt ein bisschen Schiss, aber es war viel besser als befürchtet. Das Buch “The Journey” habe ich ja schon vor einiger Zeit gelesen. Darin beschreibt Brandon Bays einen Heilungsprozess (sie hatte einen ballgroßen Tumor!) mittels einer Reise durch die verschiedenen Gefühlsebenen, die so im Laufe eines Lebens verdrängt werden. Ihr Tumor verschwand und Bays entwickelte aus ihrer Erfahrung die -ich sag jetzt mal “Therapie” [weil ich kein anderes Wort dafür weiß] der *Journey*. Die Reise führt durch die verschiedenen Schichten der Gefühle (mit vielen Schlenkern, wie ich jetzt weiß) zurück zu der “Quelle”, ein Ort des Friedens und der Harmonie. Ein persönlicher Kraftort. Von dort wieder zurück durch die ganzen Gefühlschichten. Jedesmal gibt es dabei einen Rat aus der “Quelle”, es ist erstaunlich, was da so zustande kommt. Einige Gefühle sind tatsächlich nicht mehr da, auf dem Rückweg. Das Besondere ist die Ebene des “Lagerfeuers” (Näheres im Buch oder bei Ihrer erfahrenen Journey-Therapeutin *gg*) Auf dieser Ebene sitze ich, mein jüngeres Ich, ein Mentor und die Personen, denen ich bezüglich der Gefühle etwas zu sagen habe (meistens sind das die Eltern) – und da ich vor einem halben Jahr beim Familienstellen war, fand ich die Lagerfeuer-Szene besonders interessant. Da wurden nämlich ganz ähnliche Themata aufgedeckt – und aufgelöst! Familienstellen solo. Und es funktioniert. Sagt jedenfalls meine Heilpraktikerin, die macht diese Journeys mittlerweile schon einige Zeit und hat so einiges dabei erlebt. Das Unterbewußtsein weiß Bescheid. Mich hat es sehr erstaunt, wie klar die Bilder sein können, die da auftauchen – nicht im Sinne von farbig oder sichtbar oder betrachtbar. Eher wie gefühlte Bilder …und wie gewiss die Antworten sind, die von dort kommen. Auch wenn ich in die Rolle anderer schlüpfe und von dort aus antworte. Sehr hilfreich ist die Führung durch den/die Journey-Therapeuten. Sonst würde zu schnell der Verstand dazwischenfunken, werten, verurteilen, abbrechen. Denn jedes Gefühl ist o.k. und jede Antwort. Manchmal lautet sie eben einfach “Nichts” – dann kann der Therapeut eine andere Frage stellen, die dann weiter führt. Die Journey endet mit der Zukunftsintegration. Ein Tag, eine Woche, einen Monat, sechs Monate, ein Jahr, fünf Jahre voraus. Eine spannende Reise. Ich bin gespannt, wohin sie mich noch führt.
Kindergartenkinder und das Bett…
Gestern – auf meiner Seite unklare Vorstellung, wie denn das “Zubettgehen” jetzt in der neuen Wohnung abzulaufen hat. Jedes Kind in sein Bett? Alle im Elternbett? (das ist die Variante, bei der alle Kinder schnell Ruhe geben, sozusagen die maximierte Feierabendvariante). Meine Unklarheit hat dazu geführt, dass die Kinder wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt haben und es eine Viertelstunde vor meinem Termin richtig gezofft hat.
Ich bin dann mit dem ganzen Bündel Emotionen aus dem Haus und hab der Reihe nach registriert, wie da erst Wut, dann Trauer und dann Hilflosigkeit ablaufen. Wut, dass Bernd das so locker sieht und es heute so und morgen anders handhabt. Wut und Trauer, dass ich meine Prinzipien nicht durchsetzen kann, auch dass ich so sehr auf den Prinzipien bestehe und so wenig an die “Barmherzigkeit” denke – und die ganze Hilflosigkeit und Ohnmacht in solchen Situationen.
Ich werte es als großen Fortschritt, diesen Film so ablaufen sehen zu können. Als es mir bewußt wurde, wurde ich ruhiger. Konnte im Elternabend schon wieder lachen und habe mich dann mit der Erzieherin meines Vertrauens
besprochen – es kann ja jetzt noch etwas lax gehandhabt werden, später ist auch noch Zeit, neue Regeln einzuführen.
Es war meine Erwartung, dass mit dem Umzug in die neue Wohnung automatisch neue Regeln gelten werden. Darauf folgt die Ent-Täuschung.
Weichere Grenzen und niedrigere Ansprüche nicht nur im räumlichen Bereich (Einräumen und Neugestalten), sondern auch im emotionalen Bereich. Gut.