Artikel-Schlagworte: „Urlaub“
Urlaubswerbung fürs Leben
Im Schaufenster des hiesigen Reisebüros fand ich letzte Woche diese Werbung:

“Job aus – Leben an.”
Geht das so einfach? Schalter umlegen und der Job ist ausgeknipst? Ist das nicht furchtbar? – einen so großen Lebensbereich einfach ausknipsen zu müssen, um sich endlich gut fühlen zu können?
Und dann ist diese Werbung ja auch an die arbeitende Bevölkerung adressiert – die, die in der glücklichen Lage sind, einen “Job” zu haben. Was ist mit denen, die keinen Beruf haben, sei es weil sie in der Gesellschaft zu alt, zu behindert oder zu krank – zu “wertlos” sind, um Geld für Arbeit zu bekommen? Oder was ist mit Müttern? Können die auch ihren Job ausknipsen und endlich ihr Leben anschalten? …und wann???
Diese Werbung hat mich ziemlich wütend gemacht. Ich spüre den Wunsch, dass es jedem Menschen so gut gehen möge, dass er gerne zur Arbeit geht und die Arbeit nicht ausknipsen muss – einen riesengroßen Bereich seines Lebens abschalten, um endlich “das wahre Leben” zu leben – das angeblich nur im Urlaub möglich ist. Oder wenn man endlich die Rente erreicht hat.
Darüber hinaus finde ich die Absichten der Werbung durchschaubar und den Hintergrund der Werbung durchsichtig: “Mach Urlaub, am besten in [Urlaubsziel der Wahl einfügen] und natürlich mit uns als Reiseveranstalter, und es geht Dir endlich gut.”
…
Dann jedoch wurde gestern der Aufsteller gewechselt und zeigt jetzt diesen Spruch:
“Gerade einen wichtigen Menschen wieder getroffen. Mich selbst.”
Jetzt wird es interessant. Gerade weil mir letzte Woche die Werbung doch immerhin so sauer aufgestoßen ist, dass ich sie sogar fotografiert habe und beschloss, einen Blogartikel zu schreiben, gerade deshalb bin ich heute umso angenehmer überrascht.
Denn diese Werbung spricht mich unmittelbar und auf eine positive Weise an. Die wichtigste Person, mit der ich ein Leben lang zurecht kommen muss, bin tatsächlich ich selbst. Wenn ich mit mir nicht klarkomme, wer soll es denn dann bitteschön können?
Ich kann immer noch sehr leicht die Oberflächlichkeit eines “Buche die Reise und Du findest zu Dir selbst” als Werbebotschaft durchschauen – aber immerhin ist da jetzt eine Aussage mit der ich wesentlich mehr anfangen kann als mit einem ausgeknipsten Job.
Okay. Es muss nicht 11:08 Uhr sein und ich hoffe, dass es nicht ausschließlich in Apulien möglich ist, sich endlich selbst treffen zu können, aber zwei ganz wesentliche Zutaten sind dennoch genannt:
Ich muss eine Verabredung mit mir selbst treffen, um mich treffen zu können – und dafür braucht es einen Termin. Eine Zeit und einen Ort. Das sind ganz konkrete und messbare Kriterien. Wann steht ein Termin mit Ihnen selbst in Ihrem Kalender?
Ich kann dieses kleine Stück Miniurlaub in mein Leben holen. Ich kann es selbst gestalten. Ich kann mir Gedanken machen, wo ich mich gerne treffen würde. Vielleicht nicht unbedingt am Schreibtisch, sondern eher auf einem Spaziergang in der Natur – oder mal an einem ruhigen Ort, vielleicht in einer Bücherei? … oder mal nur mit mir selbst in ein Café gehen?
Es liegt an mir, wieviele Termine ich mit mir selbst verabrede und was ich dann mit mir anfange.
Aber ich bezweifle, dass das nur einmal im Jahr oder eben nur auf Kos und in Apulien möglich ist. Schön, wenn es dort auch funktioniert. Ich will auch nicht den Reiseanbieter schlecht reden. Reisen und Urlaub sind wunderbare Quellen der Erholung und Inspiration.
Doch man sollte sich bewusst sein, dass man das Bündel an Problemen oder eben die gute Beziehung zu sich selbst überallhin mitnimmt. Eben auch auf Reisen.
Und es ist das, was man das ganze Jahr über gestaltet hat: Ein Gedankenwirbel aus ungelösten Problemen oder eben eine gute Beziehung zu sich selbst.
… so gesehen trifft die TUI-Werbung wirklich den Nerv: Die Sehnsucht nach sich selbst ist groß.
Urlaub – Tag eins
Gar nicht so leicht, wirklich Urlaub zu machen. Weil ich morgens nicht wirklich rechtzeitig die Kurve gekratzt habe, hat mich der Anruf meiner Hausbank doch noch ereilt. Der Filialleiter höchstselbst wollte mich von meinem geplanten Vorhaben der Umsiedlung meines Riestervertrages zu einem anderen Anbieter abbringen.
Immerhin kam man mir bei den horrenden StrafVerwaltungsgebühren ein kleines Stück entgegen. Statt 100 € sind jetzt nur noch 75 € fällig, wohlgemerkt, nur fürs Übertragen des Riestervertrages samt Zulagen zum neuen Anbieter. Im Vertrag war zwar von einem “angemessenen Betrag” die Rede, aber im Zweifelsfall ist das eben ein dehnbarer Begriff…
Besonders schön war die ganze Palette der vielen, verkäuferisch glattpolierten Argumente:
- Ich könne ja auch einen zweiten Riestervertrag parallel laufen lassen… ja? und warum? Damit die Verträge und die Beantragung der Zulagen so richtig schön transparent werden?
- Dann wurden die Bandagen härter. Ich solle doch mal meinen Berater fragen, was er bei dem neuen Vertrag verdienen würde…
- …und überhaupt würden ja jetzt neue Abschlußgebühren fällig… und das ist ja dann erst mal negatives Guthaben, sprich Kosten… das würde ja bei dem bestehenden Vertrag wegfallen.
- Und überhaupt wäre es ja wohl sehr positiv, dass ich nur so wenig an eigenem Beitrag einzahlen musste, um in den Genuss der Zulagen zu kommen…
An dieser Stelle wäre mir beinahe der Kragen geplatzt: Erst gestern gab es im Radio die Meldung über das angedachte Begrüßungsgeld für ausländische Fachkräfte.
Und ich als studierte Akademikerin und entschiedene Mutter – weil sich mit dem deutschen Schulsystem leider kaum eine Berufstätigkeit beider Elternteile vereinbaren lässt – sitze mit meiner gesammelten Qualifikation zu Hause und darf dankbar sein, dass ich per Anhängsel-Riester-Vertrag in den Genuß der staatlichen Zulagen komme. Grrrrr.
Nun, ich habe mich dennoch dafür entschieden, die Kündigung und den Übertrag auf den neuen Vertrag aufrecht zu erhalten und mit den klärenden Gesprächen und dem ganzen Briefkram hat das alles auch wieder ein Stündchen gedauert…
Das Blöde an der ganzen Sache: Immer noch kein Urlaub in Sicht. Und leider auch keine Ahnung, was ich wirklich machen will heute…
Das Klumpertal bei Pottenstein bot sich noch als restlicher Gedankenfetzen aus dem Gespräch mit meiner Freundin gestern an… Vorher noch Besorgungen erledigen, den Brief zur Post bringen.
Dann tatsächlich: ich stehe auf dem Wanderparkplatz, parke das Auto. Das Wetter ist traumhaft, schöner könnte es gar nicht sein.
Ich nehme die Markierung “Gelbe Raute” geradeaus. Ganz allein stehe ich in dem sonnendurchfluteten Wald und mir wird mulmig. Mein Strudelwürmli fühlt sich gerade überhaupt nicht mehr wohl. Ich marschiere den kleinsten möglichen Rundweg und kurz vor Ende des Wanderweges, schon in Sichtweite des Parkplatzes habe ich dann doch noch meinen erholsamen Moment gefunden.
Wieder einmal das Fotografieren. Diesmal ist es eine riesige Distel, die meine eigenen Einssiebzig locker überragt. Und im warmen Sonnenschein sind die Blüten voller summender Insekten.
Gelernt:
- Ich bin wohl doch kein Naturmensch, der Gefallen an einsamen Wanderungen hat.
- Fotografieren ist für mich *immer* eine Freude.
- Es gibt kein *banales* oder *schlechtes* Motiv.
- Ich brauche keine tollen Ausflüge, um mich zu erholen. Mindestens ganauso viel Spaß – wenn nicht mehr – habe ich beim Zuschneiden der Fotos (Welcher Ausschnitt bringt das Motiv so richtig zum leuchten?), am Zusammenstellen der Fotocollage, und am Schreiben dieses Artikels.
- Ich bin heute früh ohnehin mit diesem Gefühl aufgewacht, dass es ein richtiger Spaß sein könnte, die Blogkategorien zu sortieren und auszumisten! So ganz falsch liege ich dann mit meinem Hobby, der Bloggerei wohl doch nicht.
- Rausgehen ist immer gut. Da gibt es besonders viele Fotomotive. Aber dazu braucht es keine aufwendigen Unternehmungen – nur einen etwas bewegteren und aktiveren Alltag (und eine Kamera in der Handtasche)
Den restlichen Urlaubstag verbringe ich mit Limonade und einem guten Buch auf der sonnigen Dachterrasse. Vielleicht werde ich auch wieder etwas zeichnen, bloß für das Lab 9 fehlen mir meine Kiddos – es wären nämlich “wrong handed portraits” gefragt. Ich kann zwar mit Rechts zeichnen, aber wer allein zu Hause hockt, hat niemanden zum Portraitieren…
*urlaubsreif*
Heute früh bin ich mit nur sehr mäßiger Stimmung aufgewacht. Ein klassischer Durchhänger nach einer schlecht geschlafenen Nacht. Das Wetter tat mit der grauen Suppe außerhalb der Fenster ein Übriges.
Die Kinder sind eine Woche in Ferien und fehlen mir schon am zweiten Tag. Für diese “freien Tage”, in denen ich nicht mit Schul- und sonstigem Alltagskram belastet bin, hatte ich mir vorgenommen, die ein oder andere Altlast aufzuarbeiten. Oder ersatzweise auch den nie endenden Papiertiger zu zähmen…
Doch meine Stimmung machte mir einen massiven Strich durch die Rechnung. “Da hat man mal ein paar Tage frei und kriegt nichts auf die Reihe” – so lauteten im Groben die Selbstvorwürfe, die mir durch den Kopf waberten.
Zerknirscht, verbissen, hartnäckig… diese Worte beschreiben nicht nur Stimmungslagen, sondern auch körperliche Symptome und das engstirnige Vorhaben, mein Leben im Hau-Ruck-Verfahren in den Griff kriegen zu wollen.
Schließlich predige ich ja hier massig über genau dieses Ziel, das ich selbst noch nicht erreicht habe: Lebe weise. Manchmal kommt mir das selbst vor wie blanker Hohn.
Zum Glück gibt es unter anderem das Web 2.0 – diesmal hat mich der Kontakt nach “da draußen” sprichwörtlich aus dem grauen Tag gezogen.
Konkrete Begebenheiten:
- Rausgehen. Gar nicht so einfach. Doch mit Hilfe sanfter Ermahnungen (speziell über Twitter) habe ich mich dann aufgerafft und bin vom Spaziergang tatsächlich erfrischt, belebt, durchgelüftet und mit einer Hand voll Fotos zurück gekommen. So funktionieren Freundschaften, auch über große Entfernungen.
- Fundsachen im Reader. Jawoll. Jede Menge Blogs habe ich abonniert und der Grat zwischen “Inspiration” und “sich im Internet verirren” ist schmal. Die Stunden vor dem Computer fressen die Zeit im realen Leben. Doch heute habe ich eine sehr tröstliche Stelle gefunden- und jawoll, es ist eine Stelle in der Bibel:
Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es … (Eph 2,8)
Gefunden habe ich sie im Skizzenblog von Liz und Borromini – und manchmal ist es eben genau so ein Wort, das mich berührt und tröstet – und den ganzen Perfektionismus und die Gefühle der Unzulänglichkeit in die Tonne tritt. Weil ich auch nur ein Mensch bin und himmelweit davon entfernt, perfekt, ein Übermensch oder eine Übermutter zu sein.
- Weitere Fundsachen: Einer meiner Lieblingsblogs ist Chez Larsson und Benita schreibt gerade heute über klassische Donald Duck Momente, die einem im Leben widerfahren: z.B. den Fußboden lackieren und das laufende Radio steht danach unerreichbar auf dem Regalbrett – die Nachtruhe war im Eimer…
Solche Geschichten zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht – nicht etwa aus Schadenfreude, sondern wegen der Menschlichkeit und der Echtheit, die da durchblitzen.
Chez Larsson zeigt mir auch im heutigen Artikel, dass es manchmal nur die allerkleinsten Dinge und Schritte sind, die einen echten Unterschied machen. Zum Beispiel ein zweiter Nagel in der Wand. - Die Begegnung mit einer Freundin im Tedi. Jawoll, im Ramsch-Laden. Ich hab Kräuselband in Gold in der Hand und dann sprechen wir über genau das: die kleinen machbaren Schritte. Totz Durchhänger, trotz Handicaps. Selten hab ich diesen Laden so aufgebaut verlassen
Meine Erkenntnis, die bei diesem Gespräch gereift ist: Ich bin urlaubsreif. Ich werde die freien Tage bis zur Rückkehr meiner Kinder nutzen und *nur* etwas machen, was Spaß macht. Ich hab schon ewig nicht mehr gezeichnet. Es gibt eine Unmenge Orte in der näheren Umgebung, die ich noch nicht besucht und gesehen habe.
Der konkrete Beschluss und die Idee lautet:
Ich mache Urlaub.
Der Papiertiger und das Chaos-Büro warten auf mich, da bin ich mir ganz sicher. Jetzt geht es erst mal ganz konkret ums Auftanken. Ums Anhalten der Verpflichtungsmühle und ums Herunterfahren der eigenen Ansprüche.
Jetzt geht es mal ganz konkret um pure Lebensfreude.
Pause
Zur Zeit ist bei mir alles sehr hektisch. Viele Dinge geraten in Bewegung und darüber hinaus stecke ich mitten in den Urlaubsvorbereitungen. Auch habe ich in den letzten Wochen meine Prioritäten etwas zugunsten guter Bücher verschoben.
Daher ist es hier im Moment sehr ruhig. Es kann sein, dass dies auch noch eine Weile so bleibt, ich will mich im Moment nicht auf ein Datum festlegen, an dem meine Schaffenspause endet.
Für die Zwischenzeit zwei gute Bücher zum Lesen. Reiseführer auf der Reise nach innen.
Gay Hendricks: Bewußter leben und lieben
Eva-Maria Zurhorst: Liebe dich selbst – und freu Dich auf die nächste Krise
Nachtrag… ein drittes gutes Buch für die Reise nach Innen:
Maja Storch: Mein Ich-Gewicht
Reise-Checkliste
Die Sommerzeit rückt näher und im Rahmen meiner eigenen Urlaubsvorbereitungen bin ich im Web auf eine interessante Seite gestoßen, die eine wirklich UMFASSENDE Reise-Checkliste anbietet, da ist für jeden Bedarf etwas dabei: Alfs Reisecheckliste.
Direkt zum Download geht es hier, es gibt Word-, pdf- und zip-Versionen. Sehr komfortabel, sehr brauchbar.
Und eine Checkliste der besonderen Art findet sich dort auch:
Ein – wie soll ich sagen – “Ultra-Camper” hat eine über die Jahre gewachsene Biwak-Checkliste für das Leben in der freien Natur geschrieben. Für alle, die mit einem “nackigen” Ford Transit gerne nach Südfrankreich fahren oder von solchen Abenteuern träumen. Auf jeden Fall lesenswert.
Schönen Urlaub allen, die bald fahren können!












