Artikel-Schlagworte: „Psychologie“
Übergewicht und Gerümpel
Aufgestapelte Gebeine nicht begrabener Hoffnungen.
Dieser Satz stammt aus einem sehr nachdenklichen und schmerzhaften Text meiner Freundin und beschreibt auf den Punkt genau, was ich mit meinem Gerümpel hier im Büro und in der Wohnung empfinde.
Überreste toter Projekte. Der verzweifelte Versuch, mehrere tote Pferde weiterhin zu reiten. Keine Entscheidung treffen zu können. Vergangenheitsbehaftet an Erinnerungen meines bisherigen Lebens zu kleben, die beweisen sollen, dass ich tatsächlich am Leben war. Nur leider nicht wirklich gewesen bin. Verstopfte Poren des Lebensflusses. Kein Raum für Lebendigkeit. Kein Platz für Energie. Dahinsiechen und Dahinmodern im Alltag, verzweifelt dagegen ankämpfend, von der Realität übermannt zu werden. Halbherzige Versuche mit Flylady, simplify. Wohl wissend, dass es in diese Richtung gehen müsste, allein, ich kann nicht gehen. Stehe wie gelähmt vor meinen aufgestapelten Gebeinen nicht begrabener Hoffnungen.
Beginne zu ahnen, dass ich hier auch die Ursache meines Übergewichtes suchen kann, die Idee ist mir längst von “simplify” präsentiert worden.
Schuld-en
Das Thema Schuld ist größer, als ich dachte. Quintessenz der Predigt gestern war natürlich, dass Jesus für unsere Schuld gekreuzigt wurde.
Und wie bitteschön gebe ich ihm meine Schuld? Er zahlt keine Rechnungen für mich und beantwortet auch keine liegengebliebene, beinahe kompostierte Geburttagskarte.
Ich kann schon auf einen Zettel schreiben, dass ich heute mein Kind verhaut habe. Keine “Undo”-Funktion, leider. Dann kann ich den Zettel verbrennen und ich kann sogar beten. Und das Gefühl der Schuld bleibt trotzdem? Oder nicht? Ist die Schuld dann getilgt? Wie sieht es dann auf meinem “Karma-Konto” aus – so denken andere Kreise, mehr esoterisch, weniger christlich (oder ist das doch auch christlich???)
Wie sehen die Schritte zur Selbst-Vergebung aus, so, dass ich auch die Vergebung der Schuld fühlen kann und er-leicht-ert bin? Reicht es aus, jeden Tag, jeden Moment neu anzufangen und immer mehr und immer beharrlicher zu versuchen, gut zu sein, keine Schuld mehr anzuhäufen?
Und wie lautet die Frage, mit der ich unterscheiden und bewerten kann, ob ich diese Rechnung jetzt doch noch bezahlen muss und die Karte doch noch beantworten muss, weil die Schuld sonst nicht weggeht. Wie unterscheide ich zwischen einem echten “offenen Ende”, das ich noch zu bearbeiten habe und wie bewerte ich Schuld, die ich an Gott oder wen auch immer abgeben darf?
Sorry, wenn das hier etwas beissend geraten ist, ich bewege mich hier gerade an den Kernfragen meiner Existenz, da ist es selten gemütlich.
Schuld
Ein ganz archaisches Gefühl, ganz tief drunten, ganz tief drinnen.
Heute hat G. in der Predigt von Schuld gesprochen. Von der unbezahlten Rechnung, die er jemandem schuldet, von der unbeantworteten Geburtstagskarte, die seit 2003 auf seinem Schreibtisch liegt, von einem Besuch, den er schon Tage und Wochen vor sich herschiebt. Von schönen Dingen, die er sich für diesen Konfirmandenkurs vorgenommen hat und die er dann doch nicht umsetzen konnte.
Ich hatte Schuld bisher als etwas völlig abstraktes definiert. Etwas für Mörder und Kriminelle, als etwas, das andere verletzt und habe mich relativ frei von Schuld gefühlt.
Für mich war das ein total harter Gedanke, dass diese ganzen “offenen Enden“, die ich gerade eifrig auf einer Liste sammle, etwas mit Schuld zu tun haben könnten. Ich habe sie immer als Energieräuber betrachtet, die mir solange die Energie für andere Projekte und Vorhaben absaugen, bis sie erledigt sind.
Ich denke, beides ist richtig. Mit “Schuld” lässt sich jedenfalls die Emotion beschreiben, die mit den offenen Enden verbunden ist. Psychologie. Schlechtes Gewissen. Im Buch “Klopf dich frei” ist so eine Hierarchie der Gefühle als Diagramm abgebildet gewesen. Liebe ist ganz oben, auf der negativen Seite kommen Angst, Hass,… und ganz unten die Schuld.
In den Büchern über Selbst-Heilung (Lise Bourbeau z.B.) ist der Heilungsprozess untrennbar mit Vergebung verknüpft. Anderen vergeben – und vor allem sich selbst.
Die Schimpfgespräche im Kopf einstellen, was ich schon wieder nicht geschafft habe, wo ich schon wieder versagt habe.
Diese Verknüpfung der so alltäglichen “Versagensgeschichten” mit dem Gefühl “Schuld” ist für mich sehr neu. Wie ich damit umgehen werde, weiss ich noch nicht. Ich habe nur das Gefühl, da auf ganz elementare Zusammenhänge gestossen zu sein.
Auf jeden Fall hat mich dieser emotional sehr bewegende Gottesdienst heute einen großen Schritt weitergebracht. Wer hätte das gedacht? Psychologie in der Kirche.
…. Mehr!
Die Wort-Falle ….mehr…!
Aus dem Buch “Ja, aber…” von Lelia Kühne de Haan stammt folgender Text (gekürzt):
“Ich will mehr Selbstvertrauen.”
“Ich möchte mehr auf meine Gefühle hören.”
Mit mehr tun wir kund, dass das, was wir haben, uns nicht reicht. Deshalb wünschen wir uns mehr davon. Mehr setzt voraus, dass bereits etwas von dem, was wir vermehren wollen, vorhanden ist. Doch nur, weil wir alle z.B. die Fähigkeit haben, uns selbst zu vertrauen, heißt das noch lange nicht, dass wir diese Fähigkeit je verwirklicht haben.
Mit mehr machen wir uns und anderen unbewußt glauben, die Fähigkeiten, die wir vermehren wollen, schon entwickelt zu haben. Und dass wir nun bereit und fähig sind, die Steigerung dieser Fähigkeiten zu erleben. Doch den meisten Fähigkeiten, von denen wir mehr wollen, fehlt jede Grundlage.
Mit mehr drücken wir aus, dass uns etwas fehlt. Mit mehr kreieren wir unbewußt eine nicht vorhandene Basis, reden uns ein, ein Fundament zu haben, auf das wir bauen können. Machen uns vor, schon ein guten Maß an Erfahrung z.B. mit innerer Ruhe oder Selbstvertrauen zu haben und verzweifeln an der Tatsache, dass wir diese Erfahrung nicht erweitern können.
Ob wir eine Fähigkeit haben oder nicht, hängt nicht davon ab, wie viel wir davon haben, sondern davon, wie oft wir sie verwirklichen. Und verwirklichen können wir sie nur, indem wir sie uns bewußt machen und erneuern – und nicht, indem wir daran denken.
Womit wir in Momenten der Mehr-Wünsche in Kontakt sind, ist nicht die Fähigkeit, auf die wir uns beziehen. Es ist unsere Unfähigkeit, die wir spüren und die damit verbundenen Gefühle: Frust, Unzufriedenheit und Unzulänglichkeit. Empfindungen, die durch Mehr-Wünsche nicht besser werden, sondern stärker.
Der erste Schritt: in die Gegenwart kommen und das Wort mehr aus meinen Wünschen streichen:
Ich möchte mehr Selbstvertrauen.
Ich möchte mehr innere Ruhe.
Das Bedürfnis wird konkret.
“Ich brauche mehr Ruhe” hat sich ohne das mehr in eine magische Formel verwandelt, die mich auffordert, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mir das zu geben, was ich brauche.

Neues Programm schreiben
Alexandra macht mit ihren Coaching-Klienten folgende Übung, um alte (negative) Programme neu zu schreiben:
Sätze schreiben
Jeden Tag (!) eine Seite in einem kleinen Karo-Block A6 schreiben mit den drei oder fünf Sätzen, die so langsam ins Unterbewußtsein sickern sollen, das kann etwa sein: “Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die Bedürfnisse anderer Menschen.” Oder: “Ich habe viele Fähigkeiten. Jedesmal wenn ich etwas Neues ausprobiere, lerne ich dazu.”
Und um wirklich jeden Tag zu schreiben, kann man sich eine Erfolgskontrolle aufbauen, indem man sich für jedes erfolgte Tun ein Sternchen in den Kalender klebt. Oder einen farbigen Punkt.
Ich werde mir das jetzt für die nächsten 4 Wochen vornehmen. Und wenn ein Sternenpunkt fehlt, fange ich wieder von vorne an.
Adressen gesammelt
Ich habe ja schon seit einem Dreiviertel Jahr eine Erinnerung in Outlook (jeweils Mo, Mi und Fr), dass ich endlich alle meine handgeschriebenen Adressen in der Kontakte-Datei erfasse.
Letztes Wochenende habe ich in nur 15 Minuten den gesamten Buchstaben S (inklusive St und Sch ist das ja immer sehr umfangreich..) und heute nachmittag in weiteren 15 Minuten die Buchstaben T bis Z erfasst.
Ich kann es nicht glauben. Genau 30 Minuten, für eine Aufgabe, die ich schon mindestens ein Dreivierteljahr vor mir herschiebe. Unfassbar.
Jetzt fehlt noch eine Sicherungs-Datei, wird sofort erledigt.
Und als nächstes kommen dann die ausgedruckten Listen in meinen Kalender. Und ins Control-Journal
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