Artikel-Schlagworte: „Perfektionismus“
*urlaubsreif*
Heute früh bin ich mit nur sehr mäßiger Stimmung aufgewacht. Ein klassischer Durchhänger nach einer schlecht geschlafenen Nacht. Das Wetter tat mit der grauen Suppe außerhalb der Fenster ein Übriges.
Die Kinder sind eine Woche in Ferien und fehlen mir schon am zweiten Tag. Für diese “freien Tage”, in denen ich nicht mit Schul- und sonstigem Alltagskram belastet bin, hatte ich mir vorgenommen, die ein oder andere Altlast aufzuarbeiten. Oder ersatzweise auch den nie endenden Papiertiger zu zähmen…
Doch meine Stimmung machte mir einen massiven Strich durch die Rechnung. “Da hat man mal ein paar Tage frei und kriegt nichts auf die Reihe” – so lauteten im Groben die Selbstvorwürfe, die mir durch den Kopf waberten.
Zerknirscht, verbissen, hartnäckig… diese Worte beschreiben nicht nur Stimmungslagen, sondern auch körperliche Symptome und das engstirnige Vorhaben, mein Leben im Hau-Ruck-Verfahren in den Griff kriegen zu wollen.
Schließlich predige ich ja hier massig über genau dieses Ziel, das ich selbst noch nicht erreicht habe: Lebe weise. Manchmal kommt mir das selbst vor wie blanker Hohn.
Zum Glück gibt es unter anderem das Web 2.0 – diesmal hat mich der Kontakt nach “da draußen” sprichwörtlich aus dem grauen Tag gezogen.
Konkrete Begebenheiten:
- Rausgehen. Gar nicht so einfach. Doch mit Hilfe sanfter Ermahnungen (speziell über Twitter) habe ich mich dann aufgerafft und bin vom Spaziergang tatsächlich erfrischt, belebt, durchgelüftet und mit einer Hand voll Fotos zurück gekommen. So funktionieren Freundschaften, auch über große Entfernungen.
- Fundsachen im Reader. Jawoll. Jede Menge Blogs habe ich abonniert und der Grat zwischen “Inspiration” und “sich im Internet verirren” ist schmal. Die Stunden vor dem Computer fressen die Zeit im realen Leben. Doch heute habe ich eine sehr tröstliche Stelle gefunden- und jawoll, es ist eine Stelle in der Bibel:
Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es … (Eph 2,8)
Gefunden habe ich sie im Skizzenblog von Liz und Borromini – und manchmal ist es eben genau so ein Wort, das mich berührt und tröstet – und den ganzen Perfektionismus und die Gefühle der Unzulänglichkeit in die Tonne tritt. Weil ich auch nur ein Mensch bin und himmelweit davon entfernt, perfekt, ein Übermensch oder eine Übermutter zu sein.
- Weitere Fundsachen: Einer meiner Lieblingsblogs ist Chez Larsson und Benita schreibt gerade heute über klassische Donald Duck Momente, die einem im Leben widerfahren: z.B. den Fußboden lackieren und das laufende Radio steht danach unerreichbar auf dem Regalbrett – die Nachtruhe war im Eimer…
Solche Geschichten zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht – nicht etwa aus Schadenfreude, sondern wegen der Menschlichkeit und der Echtheit, die da durchblitzen.
Chez Larsson zeigt mir auch im heutigen Artikel, dass es manchmal nur die allerkleinsten Dinge und Schritte sind, die einen echten Unterschied machen. Zum Beispiel ein zweiter Nagel in der Wand. - Die Begegnung mit einer Freundin im Tedi. Jawoll, im Ramsch-Laden. Ich hab Kräuselband in Gold in der Hand und dann sprechen wir über genau das: die kleinen machbaren Schritte. Totz Durchhänger, trotz Handicaps. Selten hab ich diesen Laden so aufgebaut verlassen
Meine Erkenntnis, die bei diesem Gespräch gereift ist: Ich bin urlaubsreif. Ich werde die freien Tage bis zur Rückkehr meiner Kinder nutzen und *nur* etwas machen, was Spaß macht. Ich hab schon ewig nicht mehr gezeichnet. Es gibt eine Unmenge Orte in der näheren Umgebung, die ich noch nicht besucht und gesehen habe.
Der konkrete Beschluss und die Idee lautet:
Ich mache Urlaub.
Der Papiertiger und das Chaos-Büro warten auf mich, da bin ich mir ganz sicher. Jetzt geht es erst mal ganz konkret ums Auftanken. Ums Anhalten der Verpflichtungsmühle und ums Herunterfahren der eigenen Ansprüche.
Jetzt geht es mal ganz konkret um pure Lebensfreude.
Der kleinste mögliche Schritt

In verschiedenen Seminaren habe ich einige sehr schöne Meditationen erlebt. Grundsätzlich finde ich die Idee sehr gut und sinnvoll, jeden Tag zu meditieren, jedoch habe ich es bis heute noch nicht geschafft, mich jeden Tag eine halbe Stunde hinzusetzen und zu meditieren.
Ich geniesse meine täglichen Meditationszeiten.
Die selbstsichere Gelassenheit, nach der ich suche, ist bereits in mir.
Das werde ich mir, so oft ich daran denke, vorsagen.
Vielleicht ist ja dann bereits in Kürze der nächste Schritt, jeden Tag eine kurze Fünf-Minuten-Atemübung zu machen. Und dann wird demnächst diese kleine Routine bereits so wertvoll sein, dass sie einen eigenen Platz in der Wohnung verdient… und schon ist das Rad in Gang gesetzt! Ich habe nicht mehr vor, an meinem Perfektionismus zu scheitern. Ich suche nach dem kleinsten mir möglichen Schritt. Wenn die tägliche halbe Stunde nicht funktioniert, dann eben nur eine tägliche Minute.-
Welcher kleinste mögliche Schritt ist Ihnen heute möglich?
Der Salz-Säulen-Effekt
Ich bin beim Entrümpeln meines Büros auf große innere Widerstände gestoßen. Immer wieder habe ich einen Anlauf genommen, um dem Chaos Herr zu werden. Doch immer, wenn ich das überquellende Regal voller “clutter” (Gerümpel) gesehen habe, bin ich wie Frau Lot zur Salzsäule erstarrt.
Nicht einmal das Flylady-Tool “You can do everything in 15 minutes” hat mir geholfen, denn beim Anblick des Regals war ich wie gelähmt und konnte keinen Timer mehr in die Hand nehmen.
Was hier einzig und allein geholfen hat, ist fremde Hilfe. Eine liebe Freundin oder sogar ein professioneller Aufräum- und Organisationsdienst kann in solchen schweren Fällen das Anfangen erleichtern.
Es ist eine ganze Kette von Entscheidungen notwendig, das macht es so schwer. An vielen Dingen klebt eine Erinnerung, eine Geschichte und die Summe dieser (meistens nicht so tollen) Energien verursachen dieses Verharren und den Stillstand. Viel Schuld und Selbstvorwürfe und Perfektionismus klebt in so einem gordischen Knoten.
Ich habe gestern in fünf Stunden (!) diesen gordischen Knoten entwirren können.
Dabei haben wir allen in diesem Regal gelagerten Gegenständen wieder Kategorien zugeordnet und alles konnte in der Wohnung an einen angestammten Platz gebracht werden.
Für einige Dinge wurde endlich erstmals ein angestammter Platz gefunden. Und das ist das Geheimnis der Ordnung:
- Alle Dinge an ihrem Platz
- für alles einen Platz finden.
- Und was wirklich Gerümpel ist, wandert in den Müll.
Flylady sagt hier:
You can´t organize clutter, you can only get rid of it!
(Du kannst Gerümpel nicht organisieren, Du kannst es nur loswerden!)
Wir haben es alle verdient, dass unser Leben wieder in Fluss kommt. Da darf man auch einmal um Hilfe bitten.
es sehen
Heute lag der Sommer-Extra Katalog von Jako-o im Briefkasten. Das ist ja an sich nicht ungewöhnlich. Auf Seite 32 findet sich allerlei Zubehör zum Papierschöpfen: ein Anleitungsbuch und diverse Materialien, die man so zum Papierschöpfen brauchen kann.
Was mich aber besonders begeistert hat, ist das eine Foto, auf dem ein Kind mit den Händen im Papierbrei manscht. Dieser Papierbrei befindet sich in einer ganz gewöhnlichen rechteckigen Kunststoff-Box, so wie sie zu Hunderten in den Baumärkten verkauft werden. Auch braucht man sich zum Papierschöpfen keinen komplizierten Siebrahmen selbst bauen, denn ein weiteres Foto zeigt: Mit ganz gewöhnlichem, feinen Drahtgewebe aus dem Baumarkt, in Form zugeschnitten, kann man ebenfalls wunderbar schöpfen, da muss kein Perfektionismus herrschen.
Ein ganz gewöhnliches Nudelholz quetscht das überschüssige Wasser auf ganz gewöhnliche Aldi-Spüllappen…. keiner braucht eine Holz-Spindelpresse zum Pressen. Nein, dieses Hobby ist eine ganz einfach auszuübende Tätigkeit, jederzeit mit Dingen aus dem Haushalt zu bewerkstelligen (ok, das Drahtgewebe müsste ich noch kaufen..)
Das zu sehen, auf einzelnen Fotos, hat mich auf den Gedanken gebracht, dass ich überhaupt erst einmal den nächsten Schritt sehen muss – egal ob real, wie hier im Katalog oder virtuell, nur im Kopf. Ohne diese Vorstellungvon den Abläufen kann nichts ver-WIRK-licht werden.
Wenn der Perfektionismus ausgeschaltet werden kann, ist die Wirklichkeit machbar. Dann kann ich es TUN.
Text für Eltern
via Alexandra aus dem Buch “Das alltägliche Genie”:
“Alles in diesem Buch sollte unter der Annahme gelesen werden, daß Sie Ihre elterlichen Aufgaben bereits gut erfüllen. Schuldgefühle für das, was Sie hätten tun sollen oder nicht taten, sind kontraproduktiv. (…) Erinnern Sie sich also immer wieder daran, daß Sie ein guter Vater oder eine gute Mutter sind, und daß Sie alles, was Sie tun, wie wenig es auch sei, zu einem noch besseren Vater beziehungsweise zu einer noch besseren Mutter machen wird.
Wenn tatsächlich einmal etwas schiefläuft und Sie sich deswegen schuldig fühlen, erinnern Sie sich daran, daß alle Eltern manchmal unzulänglich sind.
Ihre Kinder werden über Ihre Fehler hinauswachsen, so wie Sie über die Ihrer Eltern hinausgewachsen sind.
Es hat also keinen Sinn, sich Vorwürfe zu machen für das, was schiefläuft oder für das Gefühl, nicht der beste Vater oder die beste Mutter zu sein, oder gar, zu überhaupt nichts nutze zu sein (ich habe festgestellt, daß viele Eltern sich so fühlen).
Seien Sie stolz auf die Fähigkeiten, die Sie bisher bei der Anleitung eines jungen Menschen auf seinem Weg zum Erwachsensein gezeigt haben. Sie leisten hervorragende Arbeit, wenn man die ungewöhnlichen Anforderungen bedenkt, die Erziehung Eltern an Intelligenz, Geduld, Sensibilität und Erfindungsreichtum abverlangt. Wenn das nicht wahr wäre, würden Sie dieses Buch nicht lesen(…)”
Das tut so gut, das zu lesen – und ich glaube, dass es wahr ist, auch wenn ich gerade das Buch nicht lese ![]()


