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Das vierfache Ackerfeld
In meiner Reihe “Artikel für den Kirchenboten” erscheint im April eine Andacht zum Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. (Markus 4, 3-8)
Ein Landwirt sät – vielleicht Getreide. Im Gleichnis wird erzählt, wie ein Teil auf den Weg fällt und verdorrt, ein Teil unter das Unkraut und ein Teil wird von den Vögeln gefressen. Nur ein Teil der Saat geht auf und bringt dann “hundertfach” Frucht.
Zwei Aspekte fallen mir dabei auf: Es gibt zum ersten eine fruchtbare Erde und diese Erde weist keinen Samen ab. Hätte der Bauer aus irgendeinem unerfindlichen Grund Disteln säen wollen, so wären auch diese in der fruchtbaren Erde gewachsen. Der Segen Gottes – die fruchtbare Grundlage – ist immer da, wir können selbst entscheiden, welche Saat, welches Talent oder welche Begabung, welches Verhalten und welche Tat wir ausbringen wollen.
Wir können uns für Freundlichkeit entscheiden – genauso aber auch für ein unfreundliches Wort gegenüber unserem Nächsten. Wir wählen selbst das Saatgut: Weizen oder Disteln?
Welches Saatgut würde uns denn hundertfach Ertrag bringen, wenn wir es denn aussäen würden?
Und das ist der zweite Aspekt: Wir müssen säen, wenn wir ernten wollen. Und ein paar Tage nach der Saat gibt es höchstens feuchte Keimlinge – es gehört auch die Pflege dazu, das Wässern, das Jäten, das Schützen der jungen Pflanzen und die Geduld.
Im übertragenen Sinne kann das auch bedeuten: wenn ich mich entscheide, eine Begabung auszusäen, ein Talent endlich anzuwenden, eine Idee endlich zu verwirklichen, dann muss ich das Risiko eingehen, dass meine Saat vielleicht auf harten Boden fällt, vielleicht von den Vögeln gefressen oder vom Unkraut erstickt wird. Ich muss dennoch handeln und säen. Der Teil der Saat, der auf fruchtbaren Boden fällt, wird jedoch aufgehen, weil Gott eine immer fruchtbare Basis bereithält.
Säen Sie! – und behalten Sie ihr Saatgut nicht in den Vorratskammern Ihrer Gedanken. Handeln Sie und riskieren Sie, dass ein Teil der Saat scheitern wird. Pflegen Sie die aufkeimende Saat und Gott wird seinen Segen dazu geben.
Fluch der Mobilität?
Frierend steht ein Pendler am Bahnsteigrand und wartet im eisigen Wind auf den Zug, der ihn zur Arbeit bringt. Rund ein Dutzend Menschen steht im Halbdunkel, kaum einer spricht ein Wort. Unerbittlich rücken die Zeiger der Uhr weiter.
Froh kann man heutzutage sein, wenn man überhaupt Arbeit hat, dennoch sind manchmal große Opfer zu bringen. Immer weitere Strecken muss man zurücklegen, um zur Arbeit zu gelangen. Viel Zeit verschlingt das Pendeln zur Arbeit, jeden Morgen, jeden Abend. Lebenszeit, die man nicht mit der eigenen Familie verbringen kann. Manche Familienväter sind sogar die ganze Woche weg und kehren erst am Freitagabend zu Frau und Kindern zurück.
Die Industrialisierung hat uns technischen Fortschritt gebracht, zwingt den Arbeiter aber auch, zu seinem Arbeitsort zu fahren. Die Trennung von Wohnen und Arbeit ist endgültig, die erzwungene Mobilität geht als tiefer Riss durch die Familien, verursacht Streß, kostet Zeit und Geld.
Einsam und anonym sitzt man mit Hunderten von anderen Menschen im Zug, eilt zur Arbeit und fragt sich vielleicht irgendwann, wo genau denn das Leben „auf der Strecke“ geblieben ist.
So ist der Bahnhof auch ein Symbol für ein Leben „auf Achse“. Mobilität um jeden Preis fordert die Gesellschaft, die Folge ist ein beschleunigtes Leben, ein Leben voller Hetze und dennoch mit vielen endlosen leeren und einsamen Stunden in der anonymen Masse der Berufspendler.
Ich wünsche Ihnen allen, dass sie trotz aller Zwänge, die der Beruf und die Lebensumstände für Sie bereithalten, dennoch Momente der Ruhe, der Gemeinsamkeit und der Freude finden können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die verbleibende Zeit mit Ihren Lieben voll auskosten können.
Probenarbeit
Für das Pressegespräch, das der Öffentlichkeitsausschuss unserer Gemeinde heute mit den beiden ortsansässigen Zeitungen geführt hat, habe ich eine Statistik zur Probenarbeit der Kantorei für den Messias aufgestellt:
Seit Mitte Dezember proben wir an dem Werk, wöchentlich 1,5 Stunden. Zusammen mit dem bevorstehenden Chorwochenende, der Hauptprobe und der Aufführung ergeben sich für jeden einzelnen Sänger 39,5 “Arbeits”-Stunden (also eine komplette Arbeitswoche!), die er/sie im letzten Vierteljahr alleine für die Erarbeitung des Werkes “geopfert” hat. Mit durchschnittlich 65 SängerInnen multipliziert ergibt das 2567,5 Mannstunden. Stolze Summe. Und ich denke, die Zeitungen schreiben sowas gerne
So ein Pressegespräch soll ja der Anfütterung der Redaktionen dienen – ganz im Sinne einer guten Zusammenarbeit.
Noch nicht eingerechnet sind da übrigens die ganzen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Stunden von Orchester, Solisten, Chorleiter und die Helfer am Rande (Podestaufbau, Abendkasse, Sitzplatz-Nummerierung,…)
Und führe uns nicht in Versuchung

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
Oscar Wilde (1854 – 1900)
Dieses Zitat beleuchtet in einer witzigen Weise, daß die täglichen Versuchungen ja auch ihre angenehmen Seiten haben: Zarter Schokoladenschmelz auf der Zunge, ein schönes Gefühl, mit der Zigarette in der Hand „dazu zu gehören“ ein angenehm beschwingtes Gefühl nach zwei Gläsern Wein…
Doch diese Versuchungen haben eben auch ihre Schattenseiten: Übergewicht, Abhängigkeit, Sucht, körperlicher und seelischer Verfall.
Versuchung, das Wort enthält ja auch den Versuch – was muß ich denn ausprobieren und versuchen, weil ich meinen Platz im Leben noch nicht gefunden habe? Welchen Mangel, welches Loch muß ich füllen? Welchen Träumen renne ich in dieser ewigen Suche hinterher? Die große Freiheit, die eine Zigarettenlänge lang dauert? Welches Loch stopfe ich mit unmässigen Essen? Wo suche ich mir Bewunderung, indem ich meinen Partner betrüge? Experimente, Versuche, ein Umherirren ohne Ziel…
Ich versuche, im Alltag durch Ausprobieren meinen Platz und meinen Weg zu finden.
Die Versuchung ist Suche, führt zur Sucht. Unser Leben ist voll von Versuchungen: Zigarettten, Alkohol, Schokolade, unmässiges Essen, Sex… überall sehen wir die Trugbilder einer heilen Welt, werden uns Werte vorgegaukelt, die käuflich sein sollen.
Wie finde ich denn trotz der Versuchungen einen festen Platz im Leben? Wie kann ich es denn schaffen, stark zu sein und den Versuchungen zu widerstehen?
Vielleicht kann ich es schaffen, auf Gottes Fülle zu vertrauen, er sorgt für mich. Ich muß es nicht alleine schaffen, er ist bei mir.
Die Bitte aus dem VaterUnser möchte ich ein wenig abwandeln: „… und führe uns in der Versuchung“ – ich kann auf Gottes Führung vertrauen, er nimmt mich an der Hand. In der Besinnung auf die echten Werte kann ich Ruhe finden. Vielleicht lassen sich dann auch die Löcher in der Seele stopfen, vielleicht ist dann die Suche zu Ende. Es gibt eine schöne Geschichte von den Spuren im Sand: Lange Zeit sind zwei Spuren zu sehen, Gott geht neben mir und hält mich an der Hand. Und in ganz schweren Zeiten gibt es nur eine Fußspur – Gott trägt mich.
Ich wünsche Ihnen viel Vertrauen auf die Fülle, die Gott schenkt.
Du sollst nicht töten
Tja, nun hab ich mich endlich aufgerafft und die Andacht geschrieben, mit der ich diesen Monat dran bin. Zu der Arbeit im Öffentlichkeits-Ausschuss bin ich irgendwie auch gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Nebeneffekt ist, dass sogar ich kleines Würstchen jetzt neben den ganzen “großkopferten” Theologen Andachten schreiben darf. Für mich ein schier unglaublicher Schritt, hier vor der ganzen Gemeinde meine Meinung kundzutun.
Redaktionsschluss für die April-Ausgabe unseres Kirchenboten ist der 6. März (ich bin ja richtig früh dran
Themenreihe ist dieses Jahr “Die zehn Gebote” und ich hab mir das fünfte ausgesucht. Nicht ganz unbeeinflusst vom letzten Sonntag – ich hab ein Fülleseminar besucht – hier nun der Text:
Das fünfte Gebot
„Du sollst nicht töten“. Klar, denke ich, das ist einfach. Schließlich bin ich weder Soldat noch Terrorist und gehöre auch nicht zu den Kriminellen, den Mördern. Dieses Gebot ist einfach zu erfüllen, denn ein normaler Mensch würde es ja niemals fertig bringen, einen anderen Menschen zu töten.
Bevor ich mich jedoch entspannt zurücklehnen kann, frage ich mich: Töte ich wirklich nicht? Auch nicht ein kleines bisschen?
Was ist mit meinem Mitschüler auf dem Pausenhof – wenn ich mich einreihe, in die Zahl der Spötter, die ihn aus nichtigem Grund auslachen. Töte ich da nicht ein kleines Stück seiner Würde durch meinen Spott?
Was ist mit der allzu verrückten Idee meines Kollegen, wenn ich die durch herbe Kritik mit einem Streich vom Tisch wische. Töte ich nicht da ein kleines Stück seiner Kreativität?
Was ist mit meinem quengelnden Kind, wenn ich es völlig genervt anschreie, weil mir dieses letzte Fünkchen Kraft heute einfach fehlt? Töte ich da nicht ein kleines Stück seines Selbstvertrauens?
Was ist mit dem Autofahrer, der hinter mir zu schnell fährt, der mich mit der Lichthupe von der Straße drängen will? Den ich dann wüst beschimpfe – töte ich da nicht durch meinen Zorn ein kleines Stück seines gottgewollten Wesens?
Das Gebot verlangt von mir, meine Mitmenschen nicht bereits durch meine Worte und Gedanken zu verletzen, da muss ich gar nicht bis zur äußersten Grenze, bis zum letzten Schritt gehen: Töten fängt bereits mit den Gefühlen, Gedanken und Worten an, die letztlich dorthin führen: Hass, Zorn, Wut, Spott, Hohn.
Ich darf diese negativen Gefühle haben, sie gehören zum Leben. Jedoch kann ich mich in jedem Moment neu entscheiden, sie meinem Nächsten nicht vor die Füße zu werfen.
Wie anders klingt doch da das Wort „Du sollst ein Segen sein“. Vielleicht ist mir das eine Hilfe, dieses schwierige Gebot zu verwirklichen.
