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Making of … (17)
Manchmal ist es sehr hilfreich, wenn man ein paar Tage Zeitpuffer einplant. So geschehen bei mir am 14. November. Windows hat sich einfach komplett verabschiedet. Alle neun bis dahin bereits fertigen Druckdateien für die Fenster 1 bis 18 liegen unerreichbar auf der Festplatte, leider keine einzige auf dem DVD-Rohling für die Druckerei.
#Mist. Drei Tage brauche ich, um Windows samt Treibern neu zu installieren und alle Anwendersoftware wieder aufzubauen.
Zeitgleich ist das Probenwochenende für unser Vivaldi-Konzert, das letzten Sonntag stattgefunden hat. Zudem war das Konzertplakat noch nicht in der Druckerei. Das war mit Abstand das stressigste Wochenende im ganzen Projekt…
Besonders lästig sind die fiesen Details, die dann wieder so richtig Aufwand bedeuten:
Wer mehr als eine E-Mail-Adresse hat, weiß, wie lästig es ist, die Konten in Outlook wieder zum funktionieren zu bringen. Zudem fehlen vier Monate Mails. Die wenigen, die ich vermisst habe, habe ich von wohlmeinenden Menschen wiederbekommen. Daran sehe ich, wie wenige Mails ich tatsächlich aufheben *muss* – Richtig elementar wichtig war nur eine einzige Mail:
Die Mail mit den Fenstermaßen ist mit abgestürzt… Glücklicherweise lagert die alte Mail noch auf der Senderseite im PC, so dass ich die technischen Daten leicht wieder bekomme. Gerade jetzt, wo ich in der Hochphase der Digitalisierung meiner “analogen” Bilder bin, brauche ich dringend die Geometrie des Bogenfensters, damit die Bilder dann auch reinpassen.
Herb trifft mich der Verlust von etwa vier Monaten Notizen in Evernote. Meine gesammelte Inspiration. Schade. Aber nicht zu ändern.
Just gestern habe ich aber eine besonders schöne Seite aus diesen Tagen wiedergefunden: Anahata Katkin.
Glück habe ich mit einer alten Kopie der Banking-Software, die genau an dem Tag erstellt wurde, bis zu dem meine von der Bank gespeicherten Kontoauszüge zurückreichen. Hier ist jedenfalls keine einzige Nachbuchung erforderlich.
Seitdem erstelle ich wieder etwas häufiger meine Backups…
Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus
Making of … (16)
Das Projektbuch
In einem amerikanischen Blog habe ich mitten im Projekt eine schöne Idee gefunden, die ich noch umgesetzt habe: Ein Projekt-Journal. Es dokumentiert ein Projekt von A bis Z, vor allem auch auf dem holprigen Weg in der Mitte.
Man kann es am Besten mit einem Logbuch auf einer langen Schiffsreise vergleichen:
Tägliche Aufzeichnungen über Wetter, Kurs, Begegnungen, Notizen über die Crew, benötigte/erworbene/verbrauchte Artikel, Getier und Fauna, Untiefen, Sandbänke und vieles mehr findet den Weg in ein Logbuch. Und so wird es ein wertvoller Begleiter gerade auch für zukünftige Reisen.
Nun, ein Projekt ist ähnlich wie eine mehr oder weniger lange Reise. Es ist ja nicht unbedingt der Anfang schwierig: wie schnell ist doch eine Idee geboren, wie häufig wird man doch von der Muse geküsst, wie leicht entflammt einen der Funke der Begeisterung. Auch das Ziel ist meistens einigermaßen klar. Was ein Projekt grundsätzlich so schwierig macht, ist das unbekannte Territorium in der Mitte. Gerade wenn ein hochgestecktes Ziel (wie beispielsweise die meisten Neujahrsvorsätze) dann über mehrere Monate dauern soll, kommt man leicht vom Weg ab. Das Beginnen fällt meistens sehr leicht, aber das Durchhalten in der Mitte ist das, was ein Projekt erfolgreich macht oder scheitern lässt.
Ein kleiner Eindruck der Reise durch mein diesjähriges großes kreatives Projekt ist ja in dieser Artikelserie bereits sichtbar geworden. Es war auch bei mir vor allem das Navigieren in unbekanntem Gewässer, das Stochern im Nebel, was den Streß und die Anstrengung bei einem so großen Projekt ausgemacht hat. Von daher ist mir die Idee mit dem Projekt-Journal gerade noch rechtzeitig untergekommen, um sie noch nutzen zu können.
Für welche Projekte eignet sich ein Projekt-Journal?
Nun, nicht jeder wird ein so umfangreiches Illustrations-Projekt abwickeln wollen… es kann glücklicherweise grundsätzlich für alles Mögliche angewendet werden, z.B. für:
- Reisevorbereitungen
- ein Buch schreiben
- Aus- und Weiterbildung
- Kurse und Workshops
- Sprachen lernen
- Umzug
- Budget- und Finanzplan
- Zielsetzung
- Sport und Training
- Ernährung
Warum also ein Projekt-Journal?
Nun, A ist klar: das ist die Initialzündung, die erste Idee, die Begeisterung. Z ist auch klar. Meistens lässt es sich relativ leicht beschreiben, was “hinten” dabei herauskommen soll.
In meinem Fall waren es “Vierundzwanzig Zeichnungen, die an vorhandene Fensterformate angepasst sind und zur Illustrierung der Weihnachtsgeschichte dienen” – Ein Adventskalender eben.
Doch auf dem Weg zum Ziel kommen eben die Ablenkungen, der Fokusverlust, die Tiefschläge, die Rätsel und die Schwierigkeiten. Es gibt technische Probleme, Krankheitstage, Verzögerungen und andere mögliche Entgleisungen.
*Das* sind die berühmten weißen Flecken auf der Landkarte. Ich erhoffe mir von meinem Projektjournal, dass ich durch die Selbstbeobachtung für weitere Aufgaben und Projekte sehr wertvolle Informationen zur Hand habe.
Wie geht das mit dem Journal?
Zutaten:
- Notizbuch der Wahl – Ich habe ein einfaches Schulheft für 35 Cent verwendet, ein A5-Format mit der Lineatur der 1. Klasse war gerade noch übrig.
- Post-it
- Tesafilm
- Klebestift
- Textmarker
- … Büroklammern, Briefumschlag, Aufkleber…etc.
- Benutze, was Du hast – sagt eine sehr weise Sparsamkeitsregel
Anleitung – das “how to”:
Man nehme ein Notizbuch seiner Wahl und…
… erstelle drei Sektionen (siehe unten), indem man mit Post-its Tabs an den Rand klebt.
Die Tabs werden mit Tesafilm verstärkt, um sie haltbarer zu machen.
In die drei Kapitel oder Sektionen kommen die Infos, die das Projekt betreffen.
Man entscheidet, wie oft man den Projektfortschritt aufzeichnen will…
… macht weiter, bis das Projekt zu Ende ist.
Am Ende erstellt man einen Schluss-Eintrag mit den Schlüsselerkenntnissen fürs nächste Mal.
Spaß haben und die Reise genießen!
Und nun zu den drei erforderlichen Sektionen:
1. Projekt-Notizen
Alle Ideen, Brainstorming, Mindmaps. Ich habe in dieser Sektion eine Sammlung von allgemeinen Informationen angelegt. Beispielsweise meine Skizze von der Fensteranordnung, Ausdrucke meiner Skizzen aus den Notizbüchern und gefundene inspirierende Fotos aus dem Orient, Palmen, Bauwerke, Landschaft und so weiter. Für ein Schreibprojekt könnten es z.B auch Kapitel-Ideen, Struktur, Charaktere, Themen sein.
2. Ziele
Je besser man sein Projekt mess- und zählbar macht, desto leichter ist ein Fortschritt festzustellen. In meiner Sektion hat beispielsweise die Skizze mit den 24 Themen für die einzelnen Fenster ihren Platz gefunden. Ausserdem habe ich meinen Zeitplan eingetragen, der sich durch die Rückwärtsplanung ergeben hat.
Dieser Abschnitt ist also gut für solche Dinge wie:
- Zeitleite, Zeitrahmen
- Meilensteine
- Termine
- Tages- oder Wochenpensum, das zu erledigen ist
- Checklisten
- Tabellen (können ja auch eingeklebt werden)
3. Prozess-Notizen
Hier geht es um die Mitte des Projekts. Quasi von B bis Y. Die Journaleinträge umfassen Gedanken, Gefühle, Aktionen, Geschehnisse während der Arbeit. Es ist ein Tagebuch, nur eben ein projektspezifisches. Ich habe beispielsweise unter anderem notiert, welche Wachskreiden ich in welchem Bereich der Landschaften verwendet habe.
Besonders wertvoll könnten aber auch so banale Einträge wie “Ich fühl mich hundeelend” oder “Ich will jetzt aber nicht hier weitermachen. Keine Ahnung, warum…” sein. Sie beleuchten die Rahmenbedingungen, in denen das Projekt seinen Schwung verliert oder man kann durch solche Bemerkungen vielleicht in einem größeren Zusammenhang erkennen, warum man immer an einem bestimmten Punkt das Handtuch werfen will und was genau an dieser Situation jetzt eigentlich schwierig war.
Die generelle Empfehlung lautet, einen Eintrag am Tag oder einen in der Woche zu machen. Abhängig von der Art des Projekts kann es auch Sinn machen, jede Stunde eine kurze Notiz zu machen. Wichtig ist ein einigermaßen regelmäßiges Raster.
Ehrlicherweise muss ich jedoch gestehen, dass ich mein Journal genau an dem Punkt unterbrochen und nicht wieder aufgenommen habe, als mein Computer abgestürzt ist und ich tagelang nur mit der Schadensbegrenzung zu tun hatte… davon ein andermal vielleicht noch mehr….
Die Landkarte des Mysteriösen
Ein Projektjournal erstelle ich vor allem aus einem Grund: Ich will meinen eigenen Kreativprozess kennenlernen und verstehen. Wenn wieder etwas Herausforderndes auf mich zukommt, dann kann ich die Schritte nachvollziehen, die mir beim letzten Mal geholfen haben, das Ding durchzuziehen.
Vielleicht ist es erst mal nur zusätzliche Arbeit und vielleicht ist es auch nicht immer komplett oder es bleibt zwischendurch liegen. Vielleicht bringt es ja auch gar nicht viel… aber ich werde es weiter ausprobieren. Denn das Unbekannte in der Mitte des Projektes ist die eigentliche Schwierigkeit.
Da dies mein erstes Projektjournal war, kann ich noch nicht vom Wiederholungsnutzen berichten, aber allein die Idee an sich gefällt mir gut. Für zwei Ziele, die ich mir für nächstes Jahr vorgenommen habe, liegen bereits die beschrifteten Hefte mit ersten Eintragungen und Ideen bereit.
Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus
Making of … (15)
Heute gibt es einfach noch mehr Impressionen von den Details…
Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus
Making of … (14b)
Die aufgeklebten Figuren brauchen jetzt noch Farbe. Dazu habe ich die Motive mit weißer Acrylfarbe grundiert, nicht ohne an einigen Stellen noch die Buchstaben durchschimmern zu lassen.
Nach gründlicher Trockenzeit gab es dann Farbe mit meinen wasserlöslichen Buntstiften.
Es schaut immer noch ziemlich flach aus, also brauchen die Bilder jetzt vor allem eins: ausdrucksvolle Striche, die klar zeigen, worum es sich handelt. Konturen eben.
Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus
Making of … (14a)
Heute schreiben die “Nordbayerischen Nachrichten” über meine Illustrationen.
Die Überschrift: @apfelmuse findet @indivisuell für Adventidee
Hier gibt es ihn online zum Nachlesen.
Die Originale zu Andreas Adventskalender sind beim 3. Pegnitzer Krippenweg im ehemaligen “Löwenzahn” (im Flyer: Station 2) ausgestellt.
Ich habe absichtlich das Bild ausgewählt, auf dem sich unsere wunderbare Bartholomäuskirche noch ein wenig im Fenster spiegelt, schliesslich wollen wir ja nicht alle Motive gleich verraten
edit: Nachdem doch zuviel zu erkennen war, habe ich die Motive der Krippenszene in Andreas Bogenfenster unscharf gemacht. Es soll ja doch noch spannend bleiben
Making of… (13)
Nachdem nun die Hintergründe fertig waren und ich Schritt für Schritt die Landschaft in Schichten aufgebaut hatte, stellte sich für mich die Frage, wie ich denn nun das eigentliche Motiv auf die Paneele drauf bekomme. Schafe, Hirten, Kamele, Häuser und Palmen wollten gezeichnet sein, schliesslich hatte ich sie ja in den Layoutzeichnungen vorgesehen.
Dazu kam ein technisches Problem, denn die Landschaft hatte ich mit Ölkreiden gezeichnet… diese ergeben einen wunderbaren weichen Effekt und sie mischen sich zu großartigen Farbnuancen. Nur: es hält definitiv keine andere Farbe mehr darauf, kein Buntstift, keine Wasserfarben, kein Gelmarker.
Ok, ich hätte es mit Acryl versuchen können, aber da war meine Angst einfach zu groß: Was, wenn ich ausrutsche oder mich vermale? Dann kann ich das ganze Bild wegschmeißen, denn *dann* nochmal ausbessern – das kommt nicht gut.
Also gab es nochmals einige Tage Denkpause, bis ich eine Idee hatte, die das Dilemma löste. Schliesslich habe ich mich ja nicht umsonst in Amerika bei den dortigen Kreativen umgesehen. Das Zauberwort heißt “Collage”.
Aus der Wikipedia: [Die Collage ist sowohl eine Technik der Bildenden Kunst, bei der durch Aufkleben (frz. coller = kleben) verschiedener Elemente ein neues Ganzes geschaffen wird, als auch ein in dieser Technik geschaffenes Kunstwerk, welches die Grenzen der Bildenden Kunst überschreitet, z. B. Musikvideos im Stile von Yes We Can oder literarische Collagen im Stile von Walter Kempowski.]
Ich habe mich dabei auf das ganz Ursprüngliche an der Collage besonnen und beschlossen, meine Figuren auf die Hintergründe aufzukleben.
Um dem Ganzen etwas mehr Tiefe und eine weitere Bedeutungsebene zu geben … ach was, Schluß mit dem *Geblubber*…
Ich sag es ehrlich: Ich hatte einfach Angst, auf weißes, leeres Papier zu zeichnen. Also habe ich ein altes Losungsheft von 2006 hergenommen und auf die einzelnen Seiten meine Figuren, Hirten und Sterne, Schafe und Kamele gezeichnet.
Praktischerweise sind in einem Losungsheft ja jede Menge Bilbelstellen, so dass sich dann auch tatsächlich immer wieder wirkliche, echte und zusätzliche Bedeutungen ergeben haben.
Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus

















