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Du sollst nicht töten
Tja, nun hab ich mich endlich aufgerafft und die Andacht geschrieben, mit der ich diesen Monat dran bin. Zu der Arbeit im Öffentlichkeits-Ausschuss bin ich irgendwie auch gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Nebeneffekt ist, dass sogar ich kleines Würstchen jetzt neben den ganzen “großkopferten” Theologen Andachten schreiben darf. Für mich ein schier unglaublicher Schritt, hier vor der ganzen Gemeinde meine Meinung kundzutun.
Redaktionsschluss für die April-Ausgabe unseres Kirchenboten ist der 6. März (ich bin ja richtig früh dran
Themenreihe ist dieses Jahr “Die zehn Gebote” und ich hab mir das fünfte ausgesucht. Nicht ganz unbeeinflusst vom letzten Sonntag – ich hab ein Fülleseminar besucht – hier nun der Text:
Das fünfte Gebot
„Du sollst nicht töten“. Klar, denke ich, das ist einfach. Schließlich bin ich weder Soldat noch Terrorist und gehöre auch nicht zu den Kriminellen, den Mördern. Dieses Gebot ist einfach zu erfüllen, denn ein normaler Mensch würde es ja niemals fertig bringen, einen anderen Menschen zu töten.
Bevor ich mich jedoch entspannt zurücklehnen kann, frage ich mich: Töte ich wirklich nicht? Auch nicht ein kleines bisschen?
Was ist mit meinem Mitschüler auf dem Pausenhof – wenn ich mich einreihe, in die Zahl der Spötter, die ihn aus nichtigem Grund auslachen. Töte ich da nicht ein kleines Stück seiner Würde durch meinen Spott?
Was ist mit der allzu verrückten Idee meines Kollegen, wenn ich die durch herbe Kritik mit einem Streich vom Tisch wische. Töte ich nicht da ein kleines Stück seiner Kreativität?
Was ist mit meinem quengelnden Kind, wenn ich es völlig genervt anschreie, weil mir dieses letzte Fünkchen Kraft heute einfach fehlt? Töte ich da nicht ein kleines Stück seines Selbstvertrauens?
Was ist mit dem Autofahrer, der hinter mir zu schnell fährt, der mich mit der Lichthupe von der Straße drängen will? Den ich dann wüst beschimpfe – töte ich da nicht durch meinen Zorn ein kleines Stück seines gottgewollten Wesens?
Das Gebot verlangt von mir, meine Mitmenschen nicht bereits durch meine Worte und Gedanken zu verletzen, da muss ich gar nicht bis zur äußersten Grenze, bis zum letzten Schritt gehen: Töten fängt bereits mit den Gefühlen, Gedanken und Worten an, die letztlich dorthin führen: Hass, Zorn, Wut, Spott, Hohn.
Ich darf diese negativen Gefühle haben, sie gehören zum Leben. Jedoch kann ich mich in jedem Moment neu entscheiden, sie meinem Nächsten nicht vor die Füße zu werfen.
Wie anders klingt doch da das Wort „Du sollst ein Segen sein“. Vielleicht ist mir das eine Hilfe, dieses schwierige Gebot zu verwirklichen.
Nachdenklich II
Mein bester Freund öffnete die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holte ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus. Es war nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen mit Unterwäsche darin. Er warf das Papier weg und betrachtete die Seide und die Spitze. “Dies kaufte ich, als wir zum ersten Mal in New York waren. Das ist jetzt 8 oder 9 Jahre her. Sie trug es nie. Sie wollte es für eine besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist der richtige Moment gekommen!” Er näherte sich dem Bett und legte die Unterwäsche zu den anderen Sachen, die von dem Bestattungsinstitut mitgenommen wurden. Seine Frau war gestorben. Als er sich zu mir umdrehte, sagte er: “Bewahre nichts für einen besonderen Anlass auf! Jeder Tag den du lebst, ist ein besonderer Anlass. Ich denke immer noch an diese Worte … sie haben mein Leben verändert. Heute lese ich viel mehr als früher und putze weniger. Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße die Landschaft ohne auf das Unkraut im Garten zu achten. Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und weniger Zeit bei der Arbeit. Ich habe begriffen, dass das Leben eine Sammlung von Erfahrungen ist, die es zu schätzen gilt. Von jetzt an bewahre ich nichts mehr auf. Ich benutze täglich meine Kristallgläser. Wenn mir danach ist, trage ich meine neue Jacke, um in den Supermarkt zu gehen. Auch meine Lieblingsdüfte trage ich dann auf, wenn ich Lust dazu habe. Sätze, wie z.B. “Eines Tages …” oder “An einem dieser Tage …” sind dabei, aus meinem Vokabular verbannt zu werden. Wenn es sich lohnt, will ich die Dinge hier und jetzt sehen, hören und machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Frau meines Freundes gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie morgen nicht mehr sein wird (ein Morgen, das wir oft zu leicht nehmen). Ich glaube, dass sie noch ihre Familie und enge Freunde angerufen hätte. Vielleicht hätte sie auch ein paar alte Freunde angerufen, um sich zu versöhnen oder sich für alte Streitigkeiten zu entschuldigen. Der Gedanke, dass sie vielleicht noch chinesisch essen gegangen wäre (ihre Lieblingsküche), gefällt mir sehr.
Es sind diese kleinen unerledigten Dinge, die mich sehr stören würden, wenn ich wüsste, dass meine Tage gezählt sind. Genervt wäre ich auch, gewisse Freunde nicht mehr gesehen zu haben, mit denen ich mich “an einem dieser Tage” in Verbindung hätte setzen wollen. Genervt, nicht die Briefe geschrieben zu haben, die ich “an einem dieser Tage” schreiben wollte. Genervt, meinen Nächsten nicht oft genug gesagt zu haben, wie sehr ich sie liebe. Jetzt verpasse, verschiebe und bewahre ich nichts mehr, was uns Freude und Lächeln in unser Leben bringen könnte. Ich sage mir, dass jeder Tag etwas Besonderes ist … jeder Tag, jede Stunde sowie jede Minute ist etwas Besonderes.
und unter Kurzgeschichten.de gibt es auch noch eine etwas längere und leicht andere Version dieser Geschichte, die wahrscheinlich jeder schon mal per eMail bekommen hat. Auch zum Nachdenken, aufbewahren und im Herzen zu bewegen…
zum Nachdenken…
Heute morgen (meine Schwester hat Geburtstag) habe ich von Alexandra dieses Mail bekommen:
Um die Ecke hab ich einen Freund, in dieser großen Stadt die kein Ende hat. Die Tage vergehen und die Wochen rasen, und bevor es mir bewusst wurde, ist schon ein Jahr vergangen. Ich sehe nie meine alten Freunde, weil das Leben ein schnelles und schreckliches Rennen ist. Er weiß dass ich ihn mag, wie an den Tagen als ich an seine Tür klopfte. Und er klopfte an meine Tür,wir waren noch jünger, und jetzt sind wir beschäftigte und erschöpfte Menschen. Erschöpft dieses verrückte Spiel zu spielen, Erschöpft zu versuchen Karriere zu machen. Morgen “sag ich”; ich werd Jim morgen anrufen. Nur um zu zeigen wie sehr ich an ihn denke. Aber morgen kommt und morgen geht, und die Distanz zwischen uns wächst Um die Ecke! – und trotzdem meilenweit weg von mir.
“Hier ist das Telegramm, mein Herr.” /Jim ist heute gestorben.
Und das ist was wir bekommen und verdienen; am Ende unserer Rechnungen. Um die Ecke, ein verschwundener Freund.Vergiss nie immer das zu sagen was du fühlst. Wenn du jemanden liebst, sag es. Hab keine Angst deine Gefühle auszudrücken. Sag jemanden was er dir bedeutet, weil wenn du denkst es ist jetzt der richtige Zeitpunkt,kann es schon zu spät sein. Nutze den Tag. Bereue niemals. Es ist das Wichtigste, sei deinen Freunden und deiner Familie immer nah, denn sie waren es die dazu beigetragen haben die Person aus dir zu machen die du heute bist.
Erst gestern ist dieser Gedankenfetzen durch meinen Kopf gewabert: Wie oft werde ich noch den Geburtstag meiner Mutter feiern können? Werde ich ihr dann gesagt haben, dass ich sie liebe? Wann ist ihre Zeit abgelaufen? oder meine? Oder heute: Meine Schwester hat Geburtstag. Wie oft wird sie ihn noch feiern können? Wie schnell ein Leben vorbei sein kann.
Bernd kam gestern von der Probe heim, der Saxophonist ist mit 47 Jahren gestorben. Vermutlich ein Insulinschock, erst vor kurzem wurde Diabetes diagnostiziert. Er ist nur ein paar Jahre älter als Bernd…
Solche Gedanken schiebe ich dann schnell weg – das große Tabuthema in unserer Gesellschaft. Es schmerzt ganz innen, tief drin, hinter dem Brustbein. Solche Gedanken zu denken tut weh. Und gerade deshalb be-rühren mich solche Texte sehr. Weil ich es viel zu oft versäume, Gefühle zu äußern. Weil im Vordergrund dann Karriere, Beruf, Projekte oder Geschäftigkeit stehen und das eigentlich Wichtige zudecken.Danke, Alexandra, für diesen Text, der mich wieder zum Nachdenken gebracht hat. Das kann gar nicht oft genug geschehen.
Taizé

Gestern abend war in unserer Kirche eine “Nacht der tausend Lichter”. Wunderschön. Im Altarraum waren orangene und rote Stoffbahnen arrangiert und Ziegelsteine aufgestapelt – alles hat an Taizé erinnert. Dazu die meditativen Gesänge. Das Bild oben erinnert mich an unseren Besuch in Taizé anno 93, es zeigt die dortige Kirche. Da kommen gleich wieder ganz sehnsuchtsvolle Gedanken auf….
Und als Idee hatte ich mir gedacht: ich möchte ich mir in der neuen Wohnung auch eine Ecke mit diesen orange-roten Stoffbahnen einrichten – zum Meditieren und Entspannen…und Musik hören (Taizè und anderes) – so ein kleiner Hausaltar
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