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Was der Blumenkübel uns zu sagen hat…

Meine gestrigen Pläne für den zweiten Urlaubstag mit den Küchenkräutern und dem Umtopfen sind irgendwie im Sande verlaufen.

Nachmittags ist über Twitter ein #Blumenkübel-Mem gelaufen… man muss nicht wissen, was ein Mem ist. Im Zusammenhang mit Twitter ist es vor allem: Zeitfressend.

Auch wenn mich die Kreativität überrascht hat, mit der das Wort #Blumenkübel in sehr erstaunliche Zusammenhänge gesetzt wurde … und wie schnell der 140-Zeichen-Rahmen gesprengt wurde und sich die Idee in die verschiedensten Medien ausgedehnt hat: Lesungen, Videos, Bilder, Zeichnungen, Lieder… auf einmal ist Deutschland kreativ. Oder zumindest die deutschen Twitterer.

Ich wünsche mir, dass die Praktikantin oder Volontärin, die diese allzumenschliche und wohl fast auch belanglose Meldung in der Münsterer Zeitung geschrieben hat keinen beruflichen und persönlichen Schaden an diesem Flashmob nimmt, der wie ein Hype durch die Twitteria gejagt wurde.

Deutschland hat nun endlich auch seinen umgefallenen Sack Reis: den Blumenkübel. Ich hab natürlich auch in mich hineingegluckst, als gegen Abend so langsam die amerikanische Welt aufwachte und sich verwundert die Augen rieb:

Wie bitte? #Blumenkübel ist ´trending topic´? – Crazy Germans!

Ja, ich glaube, in dieser ganzen verrückten Geschichte um den #Blumenkübel liegt auch eine besondere Chance. Diese scheinbar völlig belanglose Meldung in der Münsterer Zeitung ist auch eine Gelegenheit, sich angesichts der sonstigen Weltpresse gerade mal auf die harmlosen, beschaulichen Nachrichten zu stürzen.

Ich gebe gerne zu, dass ich in unserer Zeitung auch am liebsten den Lokalteil lese, weil hier die Welt noch ein stückweit in Ordnung ist und weil sich gerade hier gerade mal keine große Katastrophe abspielt.

Ich vermute, dass der tiefere Sinn hinter diesem #Blumenkübel-Mem vor allem die Sehnsucht nach einem Stück heiler Welt ohne Katastrophenmeldungen ist. Da kann dann auch plötzlich die Kreativität aufblühen.

Ein weiterer Punkt, der in meine Gedankengänge hineinpassen könnte, ist der Kik-Report, den ich mir gestern dann doch noch angeschaut habe. Genau da wird der Kontrast deutlich.

Auf der einen Seite die unglaubliche Profitgier – auf der anderen Seite das krasse Elend der ausgenutzten Menschen, Sklaven unseres Wohlstandes. Der Kik-Report ist nur ein weiteres Beispiel, was alles schief läuft in unserer Welt.

Wer ihn im Fernsehen nicht ansehen konnte, sollte dies unbedingt im Internet nachholen:

Natürlich arbeitet dieser Journalismus mit den bewußten Gegensätzen, mit dem Kontrast, mit all diesen Stilmitteln – aber hey, genau das ist auch nötig, um aufzurütteln, aufzuwecken und im Einheitsbrei der Katastrophenmeldungen die abgestumpften Medien-Konsumenten und Fernbedienungs-Festhalter überhaupt noch zu erreichen.

Die Katastrophen unserer Welt sind allgegenwärtig. Die Sehnsucht nach der heilen Welt ist riesengroß. Da kommt eine harmlose Zeitungsmeldung und plötzlich werden die Leute kreativ.

Endlich eine Chance, die ganze unterdrückte Energie zu kanalisieren! Endlich mal was machen können – und sei es nur am #Blumenkübel-Mem mitbasteln.

Ich habe meine Konsequenzen aus dem Kik-Report gezogen. Das geht so ganz und gar nicht. Und ich wünsche mir, dass die ganze kreative Energie, die in uns allen, in jedem Einzelnen von uns steckt, endlich dafür genutzt wird, um wirklich die Konsequenzen zu tragen und zu handeln.

Jeder Einzelne von uns kann dafür sorgen, dass zum Beispiel die Idee von manomama bekannter wird. Wie kann diese Idee von echt fairer Kleidung mit sozialem und ökologischem Hintergrund auch an die herangetragen werde, die nicht auf Twitter sind oder in der Bloggerszene herumlungern? Wie kann diese Idee unters Volk gebracht werden?

Da wäre mal ein bisschen Kreativität gefragt!

Keine Angst, keiner verlangt, dass jetzt auf einmal jeder von uns etwas so Großes tun soll, wie es Sina Trinkwalder tut. Nicht alle sind dafür geschaffen, so herauszuragen und ihre Frau oder seinen Mann zu stehen. Nicht jeder könnte die Öffentlichkeit, die Aufmerksamkeit und auch die Last tragen, die eine solche herausragende Rolle mit sich bringt. Aber jeder von uns kann die Idee weitertragen, weitersagen und damit wirklich etwas ändern.

Auch im Kleinen und gerade im Kleinen.


Städtebau und sozialer Friede

Mir geht das Gespräch mit meiner Tante Hilde nicht mehr aus dem Kopf. Gesellschaftlicher Wandel und das Aussterben der Dörfer. Zusammen mit den aktuellen Unruhen in Frankreich ergibt das für mich ein ganz klares Signal: Auch wenn meine Profs damals etwas anderes behauptet haben, mit städtebaulicher Gestaltung alleine lassen sich soziale Probleme nicht lösen. Das Pulverfass ist nicht mehr nur auf die Plattenbauten beschränkt. Allerorten entstehen Ghettos. Die Zukunft der Arbeitswelt sieht düster aus, die Arbeitslosigkeit wird sich so einfach nicht bekämpfen lassen. Da entsteht Sprengstoff. Ich brauche mir da keine großen Hoffnungen machen, jemals mit Ästhetik einen Blumentopf zu verdienen zu wollen. Ganz schlechtes Produkt. Braucht kein Mensch. Wie habe ich heute in der Zeitung gelesen? “Unser Produkt heißt sozialer Frieden. Wenn es an ihm mangelt, kann man alles andere vergessen” (Barbara Stolterfoht auf der Fachmesse “Consozial” in Nürnberg)
Für meine berufliche Zukunft heisst das konkret: Es sind sowieso keine Gelder mehr für die Städtebauförderung da, da können es sich immer weniger Städte und Gemeinden leisten, eine optisch-ästhetische Sanierung des Ortsbildes durchzuführen. Und so schön ein gelungenes Stadtbild auch ist und so sehr es vielleicht auch ein “weicher Standortfaktor” ist – die Zukunft sieht für die Städtebauer auch düster aus. Ich werde mich wohl anderweitig orientieren müssen, wenn dereinst die Elternzeit endet.


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