Artikel-Schlagworte: „Dankbarkeit“

Wie können wir leben?

Ich sitze immer noch relativ fassungslos vor dem Computer und verfolge mehr oder weniger ausführlich die Berichterstattung zu den tragischen Vorfällen am Wochenende bei der Loveparade in Duisburg. Die Berichte waren erst sensationsgierig, mittlerweile hauptsächlich schuldzuweisend. Warum nur finde ich auch Tage nach dem Unglück nicht mehr zurück in das “business as usual”?

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Als ich mich am Montag über einen geschmacklosen Witz bei Twitter aufgeregt habe und dem Verfasser meine Meinung gesagt habe, wurde ich als Betroffenheits-Spezialistin beschimpft, mit dem Argument, es gäbe ja ohnehin jeden Tag so und soviele Tote durch Unfälle, Krankheiten, Rauchen, Drogen, Alkohol.

Ja, das mag schon sein, aber dennoch haben die Vorfälle in Duisburg einen anderen Charakter. Gerade das Grauenhafte daran erinnert uns in besonderer Weise an unsere eigene Sterblichkeit. Das geschieht oft bei solchen schlimmen Ereignissen.

Vielleicht ist es ein restlicher Funke an Lebendigkeit im Inneren, der für Mitgefühl sorgt, für Bestürzung, für Anteilnahme.

Über die Rolle von Twitter bei der Berichterstattung nach der Katastrophe hat Andrea in ihrem Blog schon hinreichend berichtet und viele kluge Kommentare haben dazu beigetragen, ein Stück mehr zu verstehen, wie die Kommunikation nach solchen Unglücken aussehen kann und wie sie auch entgleisen kann.

Ich kann mich erinnern, dass ich am Samstag Abend sehr traurig auf der Dachterrasse gesessen bin und in das farbige Wolkenschauspiel gestarrt habe. Am Nachmittag haben wir fröhlich und ausgelassen den Kindergeburtstag meines Sohnes gefeiert – und dann das.

Wie können wir leben, angesichts der vielen Toten und Verletzten?

Ich glaube, wir sollten uns nicht als Betroffenheitsspezialisten beschimpfen lassen, sondern dazu stehen, dass Betroffenheit und Mitgefühl in uns (noch) entstehen können.

Ja, und ich glaube, wir sollten jetzt erst recht das Leben feiern, als eine grandiose Ansammlung von lauter wunderbaren Momenten: das Lächeln und die glänzenden Augen meiner Kinder, die spektakulären Sonnenuntergänge, das unvergleichliche Licht am frühen Morgen.

Ich stehe seit den Ereignissen von Duisburg jeden Morgen bewußter auf, bin zutiefst dankbar, noch am Leben zu sein, einen weiteren Tag geschenkt zu bekommen.

Solche tragischen Ereignisse sind schrecklich. Ich glaube, das Mitgefühl mahnt uns, am Leben zu bleiben und die uns geschenkte Zeit wirklich zu nutzen. Nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich zu leben.

So können wir leben, angesichts des Todes rund um uns herum – und es gibt nicht nur die grauenvollen Kathastrophen – da hat der Kritiker schon recht, der mich eine Betroffenheitsspezialistin genannt hat. Der Tod lauert überall und wer weise leben will, nimmt den Tod als Ratgeber auf seine Schulter… so können wir leben angesichts des Todes, denn unsere eigene Sterblichkeit ist gewiss, nur den Tag und die Stunde kennen wir nicht.

Was bleibt ist die tiefe Dankbarkeit über das Geschenk des Lebens.

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Der beste Moment des Tages

Heute habe ich bei “The Simple Dollar” einen schönen Artikel gefunden. Dort wird beschrieben, dass man sich am Abend den schönsten Moment des Tages notieren soll.

Dabei entsteht automatisch eine Art “Dankbarkeits-Journal”. Anders als alle bisherigen Ideen finde ich diese bestechend einfach: Nur ein Punkt pro Tag, keine Listen mit fünf oder 10 oder was weiß ich wievielen Punkte. Keine abschreckenden Regeln.

Im Artikel wird dann noch herausgearbeitet, dass alle diese Momente höchstwahrscheinlich eine Gemeinsamkeit haben werden: sie sind alle nicht für Geld zu haben.

Ich konnte nicht bis heute abend warten, habe meinen Eintrag für heute bereits im Tagebuch notiert – denn meine Tochter hat mir heute morgen bereits ein solches Highlight geschenkt :-)

(siehe Bild oben, im Sinne der Privatsphäre etwas unscharf)

Nachdenklich II

Mein bester Freund öffnete die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holte ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus. Es war nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen mit Unterwäsche darin. Er warf das Papier weg und betrachtete die Seide und die Spitze. “Dies kaufte ich, als wir zum ersten Mal in New York waren. Das ist jetzt 8 oder 9 Jahre her. Sie trug es nie. Sie wollte es für eine besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist der richtige Moment gekommen!” Er näherte sich dem Bett und legte die Unterwäsche zu den anderen Sachen, die von dem Bestattungsinstitut mitgenommen wurden. Seine Frau war gestorben. Als er sich zu mir umdrehte, sagte er: “Bewahre nichts für einen besonderen Anlass auf! Jeder Tag den du lebst, ist ein besonderer Anlass. Ich denke immer noch an diese Worte … sie haben mein Leben verändert. Heute lese ich viel mehr als früher und putze weniger. Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße die Landschaft ohne auf das Unkraut im Garten zu achten. Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und weniger Zeit bei der Arbeit. Ich habe begriffen, dass das Leben eine Sammlung von Erfahrungen ist, die es zu schätzen gilt. Von jetzt an bewahre ich nichts mehr auf. Ich benutze täglich meine Kristallgläser. Wenn mir danach ist, trage ich meine neue Jacke, um in den Supermarkt zu gehen. Auch meine Lieblingsdüfte trage ich dann auf, wenn ich Lust dazu habe. Sätze, wie z.B. “Eines Tages …” oder “An einem dieser Tage …” sind dabei, aus meinem Vokabular verbannt zu werden. Wenn es sich lohnt, will ich die Dinge hier und jetzt sehen, hören und machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Frau meines Freundes gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie morgen nicht mehr sein wird (ein Morgen, das wir oft zu leicht nehmen). Ich glaube, dass sie noch ihre Familie und enge Freunde angerufen hätte. Vielleicht hätte sie auch ein paar alte Freunde angerufen, um sich zu versöhnen oder sich für alte Streitigkeiten zu entschuldigen. Der Gedanke, dass sie vielleicht noch chinesisch essen gegangen wäre (ihre Lieblingsküche), gefällt mir sehr.
Es sind diese kleinen unerledigten Dinge, die mich sehr stören würden, wenn ich wüsste, dass meine Tage gezählt sind. Genervt wäre ich auch, gewisse Freunde nicht mehr gesehen zu haben, mit denen ich mich “an einem dieser Tage” in Verbindung hätte setzen wollen. Genervt, nicht die Briefe geschrieben zu haben, die ich “an einem dieser Tage” schreiben wollte. Genervt, meinen Nächsten nicht oft genug gesagt zu haben, wie sehr ich sie liebe. Jetzt verpasse, verschiebe und bewahre ich nichts mehr, was uns Freude und Lächeln in unser Leben bringen könnte. Ich sage mir, dass jeder Tag etwas Besonderes ist … jeder Tag, jede Stunde sowie jede Minute ist etwas Besonderes.


und unter Kurzgeschichten.de gibt es auch noch eine etwas längere und leicht andere Version dieser Geschichte, die wahrscheinlich jeder schon mal per eMail bekommen hat. Auch zum Nachdenken, aufbewahren und im Herzen zu bewegen…

zum Nachdenken…

Heute morgen (meine Schwester hat Geburtstag) habe ich von Alexandra dieses Mail bekommen:

Um die Ecke hab ich einen Freund, in dieser großen Stadt die kein Ende hat. Die Tage vergehen und die Wochen rasen, und bevor es mir bewusst wurde, ist schon ein Jahr vergangen. Ich sehe nie meine alten Freunde, weil das Leben ein schnelles und schreckliches Rennen ist. Er weiß dass ich ihn mag, wie an den Tagen als ich an seine Tür klopfte. Und er klopfte an meine Tür,wir waren noch jünger, und jetzt sind wir beschäftigte und erschöpfte Menschen. Erschöpft dieses verrückte Spiel zu spielen, Erschöpft zu versuchen Karriere zu machen. Morgen “sag ich”; ich werd Jim morgen anrufen. Nur um zu zeigen wie sehr ich an ihn denke. Aber morgen kommt und morgen geht, und die Distanz zwischen uns wächst Um die Ecke! – und trotzdem meilenweit weg von mir.
“Hier ist das Telegramm, mein Herr.” /Jim ist heute gestorben.
Und das ist was wir bekommen und verdienen; am Ende unserer Rechnungen. Um die Ecke, ein verschwundener Freund.Vergiss nie immer das zu sagen was du fühlst. Wenn du jemanden liebst, sag es. Hab keine Angst deine Gefühle auszudrücken. Sag jemanden was er dir bedeutet, weil wenn du denkst es ist jetzt der richtige Zeitpunkt,kann es schon zu spät sein. Nutze den Tag. Bereue niemals. Es ist das Wichtigste, sei deinen Freunden und deiner Familie immer nah, denn sie waren es die dazu beigetragen haben die Person aus dir zu machen die du heute bist.


Erst gestern ist dieser Gedankenfetzen durch meinen Kopf gewabert: Wie oft werde ich noch den Geburtstag meiner Mutter feiern können? Werde ich ihr dann gesagt haben, dass ich sie liebe? Wann ist ihre Zeit abgelaufen? oder meine? Oder heute: Meine Schwester hat Geburtstag. Wie oft wird sie ihn noch feiern können? Wie schnell ein Leben vorbei sein kann.
Bernd kam gestern von der Probe heim, der Saxophonist ist mit 47 Jahren gestorben. Vermutlich ein Insulinschock, erst vor kurzem wurde Diabetes diagnostiziert. Er ist nur ein paar Jahre älter als Bernd…
Solche Gedanken schiebe ich dann schnell weg – das große Tabuthema in unserer Gesellschaft. Es schmerzt ganz innen, tief drin, hinter dem Brustbein. Solche Gedanken zu denken tut weh. Und gerade deshalb be-rühren mich solche Texte sehr. Weil ich es viel zu oft versäume, Gefühle zu äußern. Weil im Vordergrund dann Karriere, Beruf, Projekte oder Geschäftigkeit stehen und das eigentlich Wichtige zudecken.Danke, Alexandra, für diesen Text, der mich wieder zum Nachdenken gebracht hat. Das kann gar nicht oft genug geschehen.

friedlicher Morgen

Meine ganze Familie liegt in meinem Bett und schläft friedlich. Das Grau weicht in der Morgendämmerung den ersten Farben und es ist pures Glück, in die Gesichter meiner schlafenden Kinder sehen zu können.
Dankbarkeit.

Möge Tim jetzt in einer besseren Welt sein.

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Entrümpeln: Bücher
Mir fällt es unheimlich schwer, ein Buch wegzuwefen. Altpapier ist einfach viel zu grausam für die papiernen Freunde.

Die sonstigen Möglichkeiten mit Versteigern oder auf Online-Marktplätzen anbieten... das finde ich alles so aufwendig.

Bücher, die ich nicht mehr behalten will, wandern jetzt zu momox.

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