Artikel-Schlagworte: „Bänder“

Das Kiefergelenk

Im letzten Herbst ist es etwas ruhig um die Berichterstattung dieser Zahnepisoden geworden. Leider nicht, weil sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat, sondern leider, weil das Chaos ausgebrochen ist.

Mein Zahnarzt und ich waren gerade dabei, den Biss mittels kleiner Schleif-Korrekturen anzupassen und störende Erhebungen zu beseitigen, als ich von jetzt auf nachher das Gefühl hatte, dass plötzlich gar nichts mehr passt.

Der Zahnarzt empfahl dann, eine Knirscher-Schiene anzupassen, um die Bewegungen im Zahnraum durch eine eventuelle nächtliche Überlastung abzufangen. Wir planten den Termin und dann kam die Nebenhöhlenentzündung, die sich ja bis heute hinzieht.

Irgendwann im Herbst kam dann meine Heilpraktikerin darauf, dass ich mir irgendwie den Unterkiefer ausgerenkt hatte. Nur ein ganz kleines bisschen, nicht so, dass es geschmerzt hätte oder gar runter gehangen wäre – nein, nur der Drehpunkt saß nicht an der Stelle, an die er hingehört hätte. Sie konnte den Kiefer wieder an Ort und Stelle platzieren, und siehe da: der Biss war wieder wesentlich besser.

Übrigens laufen ganz viele Menschen mit so einem leicht verschobenen Unterkiefer herum und wissen es gar nicht. Auch eine mögliche Ursache von Zahnproblemen und über die verbindenden Muskelketten eine mögliche Ursache von Wirbelsäulen-Problemen oder anderen orthopädischen Befunden – wie z.B. unerklärlicher Schulter-, Knie-, Hüft- und Fußschmerz.

Heute habe ich von meinem Zahnarzt eine Erklärung bekommen, was da im Kiefergelenk so alles passiert:

So sieht das in etwa in Ruhestellung aus:

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Beim Öffnen des Mundes dreht sich der Unterkiefer normalerweise nur im Drehpunkt. Das sieht dann so aus:

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Öffnet man den Mund etwas weiter als normalerweise, dann rutscht der Drehpunkt des Kiefergelenkes auf der dafür vorgesehenen Gleit-Ebene nach vorne. Das ist völlig normal. Jetzt werden die Bänder gedehnt und ziehen dann den Kiefer beim Schließen des Mundes wieder in die Ruhestellung. Das sieht etwa so aus:

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Die beiden kleinen schwarzen Pfeile zeigen den normalen Verlauf einer Öffnungs-Bewegung: zuerst nur im Drehpunkt drehen, dann den Drehpunkt nach vorne verlagern und weiter drehen. Dann geht der Mund richtig weit auf.

Schlangen können an dieser Stelle den Unterkiefer aushängen, dann passt auch ein ganzes Kaninchen rein. Das brauchen wir Gottseidank nicht.

Dummerweise haben sich viele Menschen (so auch ich) einen Bewegungs-Ablauf beim Öffnen des Mundes angewöhnt, der durch den größeren schwarzen Pfeil symbolisiert wird:
Beim kleinsten Öffnen des Mundes rutscht der Drehpunkt automatisch nach vorne. Das führt dazu, dass die Bänder, die den Kiefer wieder in Position ziehen, mit der Zeit ausleiern. Dann kann es es relativ leicht passieren, dass der Unterkiefer mal eben so einfach verrutscht.

  • So. Die gute Nachricht ist: Es ist eine Angewohnheit und aus der kann man auch eine Abgewohnheit machen.

Mein Zahnarzt sagt, man müsse nur etwa 3 Wochen vermeiden, die ganz große Öffnungsbewegung zu machen, denn es ist ein Unterschied, ob ich am Tag fünf oder zehn mal diese kleinen Bänder dehne, oder tausend mal.

Der Körper kann die Bänder leicht regenerieren und man gewöhnt sich in den berühmten 21 Tagen auch wieder an, den Mund nur drehend zu öffnen und nicht dreh-schiebend.

Er hat mir eine Übung gezeigt, die dem Körper das richtige Öffnen des Mundes wieder beibringt, die macht man dreimal täglich ein paar Minuten, dann werden auch die zugehörigen Nervenverknüpfungen für die korrekte Bewegung wieder im Gehirn verlegt.

Den Drehpunkt des Unterkiefers kann man neben dem Ohr tasten, auch das Vorwärtsgleiten des Kiefers.

Bitte zeigen Sie diesen Artikel Ihrem Zahnarzt oder Heilpraktiker, wenn Sie vermuten, dass Sie ebenfalls betroffen sind -
und lassen Sie sich den korrekten Tastpunkt und die korrekte Bewegung für den Unterkiefer zeigen!!!!!

Dieser Artikel dient NUR der Sensibilisierung für die Thematik und ist in keinster Weise eine Anleitung zur Selbst-Therapie!

  • Erkenntnis des Tages: Nie aufgeben. Es gibt immer einen, der auch in den wildesten Zahngeschichten helfen kann.
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