Artikel-Schlagworte: „Augenblick“
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Das wird heute abend im Halbfinale Deutschland-Italien sicher nicht das Endergebnis sein, beim freundschaftlichen Kräftemessen im Rahmen der Kick-Off-Aktion hier in Pegnitz trennten sich das ökumenische Team der Kirchengemeinden und das Team der Stadtverwaltung in einem recht spannenden Spiel mit obigem Unentschieden. Schon im Schatten auf der Tribüne hatte es 30°C – was müssen die auf dem Spielfeld erst gelitten haben…
Die Stimmung war hervorragend. Alle anwesenden Fans jubelten dem kirchlichen Team zu, offensichtlich hat die Aktivierung der Fankurve der Stadtverwaltung nicht geklappt – und das, obwohl unser Bürgermeister mitkickte, der am Sonntag gerade eben seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte…
Auf dem Bild in den roten Trikots (von links): Zweiter Pfarrer, Kantor, Dekan.
Ich finde Pegnitz prima. Da sind die Leute so richtig engagiert. Und die Stimmung war mindestens so gut wie die beim Viertelfinale.
Für mich als Fußballplatz-Neuling war es tatsächlich etwas schwierig, ohne die Totale, die Ballkontakt-Statistik und die Wiederholungen auszukommen.
Richtiges echtes Leben hat eben nur einmal die Chance. Da gibt es keine Zeitlupe, keine Wiederholung. Vorbei ist vorbei, der Augenblick kommt nicht zurück.
- und so habe ich das Tor unseres Dekans leider nicht live gesehen.
Im Hier und Jetzt leben
warum ist es nur so schwer?
Als gestern während der Probe mein Handy klingelte und mein Papa – er hatte sich verwählt – fragte: “Wo bist du denn, wir machen uns Sorgen?”, hat mich das auch in ziemliche Turbulenzen gestürzt. Meine Mutter war unterwegs und seit eineinhalb Stunden überfällig. Schneechaos überall. Bis dann der erlösende Anruf kam, bin ich wie ein Zombie hinter meiner Posaune gesessen.
Danach kam die Traurigkeit darüber, die wirklich wichtigen Dinge nicht oft genug gesagt zu haben: “Ich hab Dich lieb” und die Trauer darüber, nicht mit allen Sinnen im Hier und Jetzt zu leben. Irgendwann wird es zu spät sein…
Diesmal ist es gut gegangen…
… ich habe es nicht in der Hand, was habe ich in der Hand?
November Melancholie
Bernd und ich haben heute vormittag eine “Möbelbesichtigungs-Tour” gemacht. Mein Onkel hat einen Couchtisch zu verschenken, rustikal, mit braunen Fliesen *grusel* und die Cousine meiner Mutter hat ein altes Buffet übrig, mindestens genauso gruselig, dunkelbraun, teilweise Wurzelholzfurnier, aber niedrig, klein und so seltsam gebogene und gewellte Türen…Die Möbel waren nix, aber viel wichtiger und interessanter waren die Gespräche mit meiner Tante und mit Hilde, der Cousine.
Die Zeit flieht, beide altern, sind noch rüstig, noch in den besten Jahren, aber dennoch graue Haare, Altersflecken auf der Haut und Falten – nicht dass mich das stören würde, es erinnert mich nur an meine eigene Vergänglichkeit, meine ersten Erinnerungen an beide sind halt doch mittlerweile 20 und mehr Jahre her und da waren beide auch noch viel jünger.
Banal, diese Erkenntnis. Hilde hat viel über den Wandel im Dorf erzählt. Das “verfluchte” Eigenheim. Zu groß, zu schwierig zu unterhalten, zu viele Reparaturen. Als junges Ehepaar mit Kindern – ideal. Euphorie war das damals. Jetzt steht die Einliegerwohnung ihrer Mutter leer. Unvermietbar in einem Dorf ohne Laden, ohne Verkehrsanbindung, ohne Arbeitsplätze. Und das Aussterben der Häuser wird weitergehen. Auch das Elternhaus meiner Mutter wird – wenn meine Tante dereinst nicht mehr ist und es bwohnt (was hoffentlich noch mindestens 30 Jahre dauern möge!!) – einfach leerstehen, wie so viele Bauernhöfe in solchen kleinen Dörfern. Leerstehen und verfallen.
Zum Abschluß der Tour waren wir in einem Möbelhaus des Nachbarortes. Kleiner Familienbetrieb. Geschäftsaufabe aus Altersgründen. Morgen wird der Rest versteigert. Wir haben uns alles mal angesehen. Schöne Sachen waren noch dabei, hochwertige Qualität, die richtig schönen Dinge bereits alle verkauft. Nicht weiter schlimm, was mich jedoch sehr berührt hat, ist die liebevolle Ausstattung des Möbelhauses – richtig mit Seele. Alles dahin. Familienbetrieb seit 1819. Soviele liebevolle Details, seien es die Wandmalereien in den ehemaligen Zimmernischen, seien es die integrierten alten Türen und geschnitzten Pfeiler, die ein wirklich tolles Ambiente verbreitet haben. Aus. Vorbei.
Da kann man – bei passend nebligem Novemberwetter schon sehr melancholisch werden.
Übersprungshandlung
Eigentlich – da ist es wieder, dieses Wort – also eigentlich müsste ich jetzt Umzugskisten packen wie bescheuert, statt dessen sitze ich hier und schreibe an meinem Blog. Nur 10 Minuten online-Zeit, dann zurück zu den Kisten, ok?
Es ist so frustrierend, alleine auszusortieren. Wenn Bernd dabei ist, ist alles viel lustiger und geht zu zweit viel flotter von der Hand.
Aber (da ist es schon wieder: aber) ich motiviere mich , indem ich an meine Schwägerin denke: “Wenn ich warten müsste, bis mir jemand hilft, dann würde ich nichts auf die Reihe kriegen” – ich bewundere sie dafür. Und sie sagt: “Das habe ich von meiner Schwiegermutter, deren Mann war immer auf Montage fort – sie hat alles alleine geschafft.” So lernt man z.B. auch ganz alleine zu tapezieren.
Und was mich auch motiviert, ist daran zu denken, wie ich nach dem Umzug dasitzen werde und dann Kisten entrümpeln soll – dann schon lieber vorher weniger mitnehmen. Und gestern habe ich es tatsächlich getan: ganz viele meiner Studienunterlagen sind ins Altpapier gewandert. Sehr befriedigend. Das Studium ist seit 6 Jahren vorbei und bei der aktuellen Halbwertszeit des Wissens… ich habe mir bei jedem Ordner gesagt: Dieses Wissen finde ich schneller im Internet oder in guten Fachbüchern.
Auch wenn es schmerzt, die handgeschriebenen Skripten zu sehen und an die unglaublich lange Zeit zu denken, die ich in den Hörsälen gessesen habe… Es ist, als würde ich ein Stück meines Lebens wegwerfen und doch werfe ich nur die Vergangenheit weg,
denn der einzige Augenblick, in dem ich leben kann, ist der gegenwärtige.
Das hab ich mal irgendwo gelesen, ist nicht von mir – und dennoch wahr. ich vergesse es nur zu oft.

