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Lab #2 – Blinde-Kontur-Giraffen

Wie schon neulich erwähnt habe ich ein begeisterndes Buch gefunden, das mich wieder hinter den Zeichenstift und das Skizzenbuch gebracht hat.

Heute meine Erfahrungen mit Lab #2: Zeichne Blinde-Kontur-Giraffen

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Beobachtung: es ist phänomenal, wie sehr detailliert und intensiv das Motiv wahrgenommen wird, wenn man beim Zeichnen nicht mehr auf das Papier schaut und es einem wurscht ist, ob die Giraffe tatsächlich einen geschlossenen Körper hat.

Natürlich sind Skizzen dabei, bei denen die Beine wo völlig anders dranhängen als anatomisch eigentlich vorgesehen… oder der Hals neben dem Körper sitzt. Darauf kommt es nicht an.

Das Wesentliche an der Übung ist, hinzuschauen und im Prinzip nicht mehr wegzuschauen.

Wenn ich dann nach dieser Übung erneut eine Giraffe zeichnen will – auf “herkömmliche Art” – sehe ich ganz andere Körperelemente:

  • den stark ausgeformten Schädel mit einem richtig wulstigen Hinterkopfknochen
  • die Haare an den Hörnern
  • den Schwung der Ohren
  • und die bewimperten wunderschönen Augen
  • die extrem schmale Nase
  • und das dicke Kniegelenk
  • oder die Barthaare am weichen Kinn.

2010-07-Juli3

Das sind Dinge, die einem verborgen bleiben, wenn man nur mal eben schnell eine Giraffe zeichnen will und krampfhaft mit dem Auge zwischen Papier und Motiv hin- und her wechselt.

lab #2 - 1

Natürlich sieht man die Details auch dann, wenn man Stunden damit zubringt und ein Motiv in allen Dimensionen auslotet – etwa bei einer sehr ausführlichen und aufwendigen Studie… wehe, die gelingt dann nicht! Dann ist der Frust immer groß! Außerdem habe ich meistens weder Zeit, noch Lust auf so eine ausführliche Zeichnung.

Interessant an dieser zweiten Übung aus “Drawing Labs” ist, dass man lernt, die Details in allen Dimensionen bereits in den knappen zehn Minuten zu sehen, die es dauert, die Zeichnungen anzufertigen. Natürlich ist das Ergebnis alles andere als eine im klassischen Sinne *hübsche* Giraffe.

Interessanterweise ist das Ergebnis aber auf jeden Fall eine *wiedererkennbare* Giraffe.

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Und *das* finde ich extrem erstaunlich.

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Am aller-erstaunlichsten finde ich jedoch, dass mir selbst meine ungelenken Skizzen gefallen, dass die Bilder fernab jeder Perfektion einfach nur lustig sind und Spaß gemacht haben.
Ein völlig neues Gefühl für jemanden wie mich, die jahrelang verkrampft und blockiert am Stift gesessen hat, frei nach dem Motto:

Alle sagen, dass du gut zeichnen kannst, also stell dich bitte nicht so an.

Spaß war das nicht.

Wer Lust hat, sich mal zehn Minuten mit Stift und Papier zu bewaffnen, der kann sich gerne an meinen Vorlagebildern in der Flickr-Galerie “Giraffen” bedienen :-)


Aus dem Zeichenlabor…

Eine kleine Ergänzung zum gestrigen Artikel gibt es noch:

Ich schätze an den einzelnen Übungen besonders den kleinen Abschnitt “Taking it further” – was soviel bedeutet, wie “es weiterentwickeln oder vorantreiben”.

Da gab es bei Lab #1 – die Übung mit den Katzen- die Anregung, sich die schönste Katze auszusuchen und mit “mixed media”, also verschiedenen Techniken auszuarbeiten.

Ich habe mich für eine Collage entschieden, die Katzen sind mit Bleistift gezeichnet und mit Ölkreiden coloriert. Zum allerersten Mal finde ich ein solches Werk von mir auch wirklich zufriedenstellend. Ich mag es. Wirklich.

Drawinglab - taking it further


Endlich wieder zeichnen!

Es kommt ja nicht so oft vor, dass ich ein Buch wirklich so druckfrisch in Händen halte, aber an den vielen begeisterten Beiträgen in der amerikanischen Blogosphäre merke ich, dass ich diesmal was richtig Neues erwischt habe: Drawing Lab

Und richtig: als ich aufs Erscheinungsdatum gucke, steht da Juli 2010 – Mann, und ich hab es gestern bekommen, abends bereits halb verschlungen und heute schon die erste Übung absolviert!

2010-07-Juli-drawing-lab

Dieses Buch macht mir *richtig* Lust aufs Zeichnen – anders als in anderen Büchern, in denen mehr oder weniger öde Übungen abgespult werden [ich zeichne nicht so gerne Bagels] – machen die einzelnen “Labs” wirklich Laune. Einfachste Englischkenntnisse reichen völlig aus, um die kurzen Anweisungen zu verstehen, die Bilder sprechen für sich und die Gestaltung des Buches ist ein Gedicht.

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Vor einigen Tagen habe ich mir (und anderen) noch die Frage gestellt, was man denn jeden Tag tun könne, um etwas “Kreatives” zu machen – einige Monate sind schon ins Land gegangen, in denen ich meine kreativen Vorbilder bewundert habe und selber mit meinen eigenen Versuchen NUR unzufrieden war.

So richtig habe ich keinen Zugang gefunden, mir wirklich eine kleine mobile Kreativ-Tasche zu packen (neudeutsch: Art-Kit) oder wirklich mit einem visuellen Tagebuch zu beginnen (Art-Journal) – gleichwohl wuchs der Neid auf die anderen, die das zelebrieren, durchziehen, einfach machen und damit selig sind (und auch noch gigantisch tolle Blogs damit füllen).

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Wie also geht der Schritt von der kreativen Anregung von außen hin zum eigenen Tun, das mir auch eine gewisse Befriedigung verschafft?

Drawing Lab könnte eine Antwort sein. Es ist nämlich gar nicht so leicht mit der großen Freiheit, wirklich alles malen zu können, eine riesige Liste an interessanten Themen zu haben und dann vor dem sprichwörtlichen weißen Blatt zu sitzen und vor lauter Blockade keinen Finger rühren zu können… noch dazu mit so angeborenen schwachen Entscheidungsmuskeln… tstststs…

In Drawing Labs wird bereits im Vorwort darauf eingegangen: Eine Einschränkung erst ermöglicht die Kreativität.

Diese Limitierung sieht in dem Buch so aus, dass jedes einzelne Lab (der Name erinnert nicht nur zufällig an einen Versuch im Labor), jede einzelne Übung ein ganz konkretes Thema hat. Und die ist eben zu bearbeiten.

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Glücklicherweise macht schon das allererste Thema richtig Spaß:

Schnappe Dir Papier und einen Fineliner, setze Dich ins Bett und zeichne Katzen. Einfach so, aus der Vorstellung. Kopf, Ohren, Nase, die Augen mit der schmalen Pupille, Beine, Schwanz…

Das mit dem Bett ist wichtig, denn auf der Matratze ist der Untergrund wackelig und weich, da können keine “perfekten” Katzen entstehen.

Und zur Krönung soll man auch mal die nichtdominante Hand verwenden. Meine Überraschung war perfekt, als die mit “rechts” (ich bin *eigentlich* Linkshänderin) gezeichneten Katzen dann sogar auch noch richtig gut ausgeschaut haben!

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Die 52 kreativen Übungen, “um Zeichnen zu einem Spaß zu machen” (so der Untertitel) gliedern sich in sieben Kapitel. Die einzelnen Themenbereiche sind:

Inspiriert durch…

  • Tiere
  • Leute
  • berühmte Künstler
  • Kinder und Kindheit
  • Phantasie
  • Natur
  • Bücher und Kultur

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Ich glaube, der Anspruch, das Zeichnen wirklich wieder zu einem Vergnügen und zu einer Bereicherung zu machen, ist in diesem Buch nicht zu hoch gegriffen. Zufriedenheit entsteht erst durchs Tun. “Schöne” Zeichnungen entstehen durch Übung – und nur was Spaß macht, wiederholt man oft genug, um “gut” zu werden.

Zeichnen ist eines der preiswertesten Hobbies überhaupt, nicht viel mehr als ein paar Sifte und Papier sind vonnöten. Zeichnen ist auch eine der glückstiftenden Tätigkeiten, das Verlangsamen des Alltags, das Hinschauen, das sich Einlassen auf die direkte Verbindung von Auge und Hand – ohne den störenden Verstand – das hat durchaus etwas Meditatives…

Ich bin froh, dass mir dieses Buch eine Antwort auf meine Frage nach dem “täglichen kreativen Tun” geben kann – für mich heißt es mit den 52 Übungen “back to the roots”, da ich als Kind und Teenager gerne gezeichnet habe und dies als Erwachsene nun schon lange genug negiert und ignoriert habe.

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Für jemanden, der das Zeichnen gerne erlernen möchte, halte ich dieses Buch aber für ebenso geeignet – einfach weil der Spaßfaktor so sehr im Vordergrund steht und weil von Anfang an darauf Wert gelegt wird, dass kein falscher Perfektionsanspruch aufkommt.

Ich freu mich jedenfalls schon tierisch auf die Picasso-Dogs, die Paper-Dolls, die Käfer, die Klee-Transfer-Paintings oder die Übung mit den Mystery Colors… *glänz*

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Und falls jemand Interesse hat, sich mit mir über die einzelnen Labs auszutauschen, dann bitte gerne eine Mail an mich (siehe Impressum) oder via Twitter @indivisuell mit #drawinglab als Stichwort.


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