Archiv für die Kategorie „Kreativ“
Nachts soll man doch schlafen

Heute nacht hab ich furchtbar schlecht geschlafen… um ein Uhr war ich hellwach und der Vollmond hat ins Schlafzimmer geblinzelt. Ich hatte die Wahl: mich stundenlang im Bett wälzen oder aufstehen und *irgendwas* machen.
Am Wochenende hatte ich begonnen, Bilder aus Zeitschriften für eine Collage auszusuchen. Bilder, die mich irgendwie beim Durchblättern angesprochen haben, habe ich ganzseitig aus den Zeitschriften heraus getrennt und aufgestapelt, aber das Arrangement, das eigentliche Gestalten hat noch gefehlt.
Ich hab also des nächtens begonnen, den Stapel nochmals durchzuschauen… Zwei große Bilder haben sich in mein Herz geschlichen, die hab ich als Basis ausgewählt. Beim Blättern durch die schönen Bilder hab ich noch ein paar weitere kleinere Schnipsel ausgesucht, einerseits welche, die farblich so schön dazu gepasst haben, andererseits ein paar Bilder, die mir einfach vom Motiv her wichtig waren oder eine Handvoll Textzeilen, die mir gefallen haben.
Die Ausschnitte noch ein wenig passend zurecht trimmen, auf dem Karton hin und her arrangieren bis die Optik gefällig ist und dann aufkleben… Motive gegeneinander austauschen, ein wenig experimentieren… eine Lücke noch zu füllen und dazu nochmals im Bilderstapel blättern, um ein passendes kleines Motiv zu finden. Das Ergebnis selig betrachten und sich dann um halb vier wieder ins Bett legen und unruhig weiter dösen.
Ganz schön durchgeknallt, ja?
… und ja: ein wenig steh ich noch neben mir ![]()
… und nein: oft mach ich so was nicht
Meditatives Zeichnen
Tja, manchmal gibt es so Phasen, wo einem die Nerven durchgehen oder man wie ein Kaninchen vor der Schlange sitzt und nix Vernünftiges oder am Ende sogar Produktives auf die Reihe kriegt. Man ist einfach nur hibbelig und kurz vor dem Durchdrehen.
Im Kindergarten haben meine Kinder öfters mal solche runden Mandalas ausgemalt, das beruhigt grundsätzlich auch sehr, aber ist nicht so mein Fall. Außerdem mag ich vorgefertigte Ausmalbilder nicht. Auch wäre es mir zu umständlich, wenn ich erst selber ein symmetrisches rundes und multiaxiales Mandala konstruieren müsste. Zuviel Regeln, Konstruktion, Druck. Genau. Und Druck ist das Letzte, was ich jetzt brauchen kann.
Irgendwo hab ich mal was von Zentangles® oder Doodles (das Zeugs, was man beim Telefonieren auf die Schreibtischunterlage kritzelt) gelesen und hab mir daraus meine eigene Mandala-Zeichnungs-Meditiation gebastelt… und weil ich auch daran gedacht habe, mal zwischendurch ein Zwischenstandsfoto zu machen, gibt es obiges kleines Filmchen.
Ich versuche mal eine kurze Beschreibung der Entstehung einer solchen meditativen und detailreichen Zeichnung (Kritzelei?):
1) nimm ein leeres Blatt Papier, es darf gerne auch in einem Blanko-Skizzen-Tagebuch sein.
Allzugroß sollte es nicht sein, denn das ist sonst ordentlich Fläche. Für obiges etwa A5-großes Werk bin ich geschätzte eineinhalb Stunden gesessen… das klingt nach viel Zeit, ist aber eine wunderbare meditative Beschäftigung, wenn man dem Kind ohnehin Gesellschaft bei den Hausaufgaben leistet.
2) zeichne einen Rahmen, etwa einen halben bis einen Zentimeter vom Blattrand entfernt.
3) zeichne eine mehrfach verschlungene Linie in das entstandene Feld.
Einfach den Stift irgendwo am Rand ansetzen und dann ein bisschen innerhalb des Rahmens “spazierengehen”, der Endpunkt ist auch wieder irgendwo am Rand und schon hat man erste vorgegebene Unterteilungen…
4) fülle einzelne Felder mit beliebigen Mustern.
Alles ist erlaubt. Punkte, Striche, Mäander, Kreise, Herzen, Blätter, Sterne, Balken, Karos, Kringel, Schnecken, Wellen, Sonnen, Monde, Raster, Schraffuren.
Lass Dir was einfallen
Möglichst viel
5) wiederhole Schritt 4 … bis das Blatt gefüllt ist…
- oder – Du keine Lust mehr hast
- oder – Du mit dem entstandenen Werk zufrieden bist.
Das können völlig verschiedene Zeitpunkte sein. Und ja: natürlich muss das nicht in einem Rutsch fertiggestellt werden. Das geht auch in mehreren Portionen.
Es gibt ohnehin nur eine Regel: Hab Spaß!
Ich verwende einen schwarzen Edding 1800 mit einer 0,1mm dünnen Spitze und zeichne in ein Blanko-Buch von Tushita, das etwas größer als A5 ist und fantastisches Papier hat.
edit 1: @Drachenfreundin hat mich dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass der Begriff “Zentangle®” mittlerweile eine geschütze Marke ist – ich werde diesen Begriff nunmehr nicht wieder verwenden, um Abmahnungen zu vermeiden. Ob dadurch die Bekanntheit der Erfindung steigen wird?
edit 2: hier ist die fertige Zeichnung aus dem Video zu sehen:
Resumée zur Fastenzeit
Ostern ist nun schon ein paar Tage vorbei und damit auch die Fastenzeit, in der Alexandra zur Aktion Blogger goes Fastenzeit eingeladen hatte.
Ein kleiner Kreis fand sich, der das gemeinsame Tracking-Dokument nutzte. Das stille Beobachten, wie sich die Zeilen langsam mit Kreuzchen und Links füllten trug sicherlich zum Erfolg der Aktion bei.
Ich habe mir ein Projekt ausgesucht, das den Schwerpunkt nicht auf den Verzicht legte, sondern auf das Kultivieren einer neuen (guten) Gewohnheit. Der ein oder andere mag schon mitbekommen haben, dass ich mir vorgenommen habe, jeden Tag zu zeichnen – und das war nicht sehr leicht.
Ganz zum Schluß fehlen mir zwei oder drei Tage, in denen ich es nicht durchgehalten habe (einer davon war der aufregende Gründonnerstag mit dem ganzen Fernsehgewimmel), aber in der übrigen Zeit habe ich ganz regelmäßig – immer zu meiner morgendlichen ersten Tasse Kaffee mein kleines Skizzen-Ringbuch vorgeknöpft. Der Druckbleistift steckte schon in der Drahtbindung und damit war einfach alles bereit – was ein wesentlicher Faktor ist, um das zeichnen wirklich durchzuziehen. Hätte ich erst mal jeden Morgen nach Stift und Papier suchen müssen… keine Chance!
Das kleine gelbe Skizzenbuch hab ich jedoch auch im schlimmsten morgendlichen Dämmerzustand auf meinem Schreibtisch gefunden und das ziellose Draufloszeichnen mit einigen wenigen Linien hat in den allermeisten Fällen zu Zeichnungen geführt, die mich selbst überrascht haben.
Ganz am Anfang der Fastenzeit lag unser Ausflug nach Wien und es war bestimmt kein Zufall, dass ich mich vom Werk des Friedensreich Dunkelbunt Regentag Hundertwasser beinflussen hab lassen… seine Bilder waren das, was mich in Wien am meisten beindruckt hat.
Aus einem eher latenten Kopieren der Stilelemente Hundertwassers hat sich dann zu meiner Überraschung eine relativ eigene Formensprache entwickelt, einfach dadurch, dass es jeden Tag aufs Neue eine Möglichkeit gab, ein wenig zu experimentieren.
Thematisch haben es mir vor allem wohl Gartenszenen angetan, das könnte auf ein gewisses Defizit hindeuten, mal sehen was noch daraus wird…
Schade, dass die Challenge jetzt vorbei ist, mit hat der Anreiz, gemeinsam mit Anderen ein gestecktes Ziel zu erreichen auf jeden Fall gut getan – ich war in zeichnerischer Hinsicht produktiv wie selten zuvor … und natürlich gab es auch diesen Tag, an dem mir nichts anderes übrigblieb als mein Glas mit dem Asprin drin abzuzeichnen
Ein Zuckerl hat sich mir dann zu guter Letzt auch noch geboten, denn ich war unter den glücklichen Drei, die einen der angekündigten Amazon-Gutscheine gewonnen haben – diesen habe ich gleich in ein gewisses Buch investiert und damit bin ich beim Ausblick, was ich aus der Fastenzeit und der Challenge mitnehme:
Ich gedenke, diese gute Gewohnheit weiter zu pflegen und auf einer regelmäßigen Basis kreativ tätig zu bleiben. Den Gutschein habe ich für das Buch “Art-Journal-Workshop” angelegt und ich will die nächsten Monate dafür verwenden, diese kreative Gewohnheit zu konsolidieren und gut zu pflegen.
P.S. Das Album auf Flickr ist noch nicht vollständig, weil mein Scanner vor einigen Tagen seinen Geist aufgegeben hat. Der Neue steht jedoch schon bereit und sobald die Inbetriebnahme absolviert ist und ich Gelegenheit habe, die restlichen Skizzen einzuscannen, wird das Album vervollständigt!
DreiSechsFünf
Die Zeit rast dahin und mein Blog liegt stiefmütterlich behandelt darnieder. Ich weiß gar nicht, warum sich der Alltag derzeit gar so heftig aufplustert…
Ich zeige mal die Wochencollagen aus meiner Aktion “Bild des Tages”…zumindest die letzten drei vom November:
Woche neun:
Woche zehn:
Woche elf:
Wer gerne zeitnah die Bilder des Tages sehen möchte, kann gerne das Album “DreiSechsFünf” bei Flickr besuchen. Dort findet sich am unteren Seitenrand sogar eine Möglichkeit, einen RSS-Feed zu abonnieren.
Hab ich neulich erst entdeckt!
Bild des Tages – eine Zwischenbilanz
Seit ersten Sepember fotografiere ich jeden Tag ein “Bild des Tages”. Inspiration dazu war mir vor allem Chez Larsson, wie ich in diesem Artikel etwas ausführlicher beschrieben habe.
Zwei volle Monate habe ich es bis jetzt durchgehalten.
Beobachtungen, einige wenige Highlights aus meinem Album und was sonst noch daraus entstanden ist:
- Ich gehe sehr viel mehr als früher spazieren. Früher (= vor dieser Aktion) hatte ich echt Probleme, mich zum Hinausgehen aufzuraffen. Heute denke ich nur daran, was ich alles Schönes entdecken könnte … und hab schon beinahe die Schuhe an

Es geht im besten Sinne darum, die Landschaft einzusaugen, mich nicht sattsehen zu können… - Es ist sehr knifflig, bei trübem oder regnerischem Wetter ein zufriedenstellendes Bild zu fotografieren. Die besten Ergebnisse habe ich dann erzielt, wenn ich mich auf das Wetter eingelassen habe – eine gute Übung, um das anzunehmen, was jetzt gerade ist, auch wenn Sonnenschein natürlich knuffiger und sehr viel leichter wäre.
- Ich habe meine kompakte Kamera buchstäblich besser kennengelernt und auch mit den Automatikprogrammen experimentiert. Habe endlich kapiert, wie klein der Abstand zum Motiv sein darf, damit Makroaufnahmen noch etwas werden und bin an technische Grenzen gestoßen, bei denen ich mir gewünscht hätte, jetzt sofort und per Fingerschnippen eine Spiegelreflexkamera mit sowas vom Teleobjektiv in den Fingern zu haben. Ich habe Grenzen ausgelotet und teilweise überschritten. Auf jeden Fall kenne ich jetzt meine fotografischen Möglichkeiten besser.
- Es ist ein intensiveres Erleben, wenn ich auf einem Spaziergang buchstäblich die Augen offen halten muss, um ein Motiv aufzustöbern. Automatisch nehme ich meine Umgebung intensiver wahr… sehe Frostnadeln an Rosenblüten und schwarze Katzen auf sonnenbeschienenen Mauern lauern… daran wäre ich früher achtlos vorbeigegangen.
- Dadurch, dass ich so gut wie jeden Tag mein Bild des Tages auf Twitter veröffentliche, bekomme ich auch sehr viel positive Rückmeldung meiner Freunde und Bekannten aus dem Bereich “social media” – und es ist eine großartige Gelegenheit, dort wirklich dabeizubleiben und die Kontakte auch zu halten und zu pflegen. Social eben.
- Mein Album DreiSechsFünf in Flickr ist mir selbst zu einer Quelle der Freude geworden – eine Sammlung an Erinnerungen und schönen Momenten. Die ich im Bild festhalten konnte, weil ich mich auf den Augenblick eingelassen habe. Persönliche Momente, die ohne diese Aktion mit dem Bild des Tages vielleicht niemals fotografierenswert geworden wären, einfach, weil der Blickwinkel normalerweise eher auf Urlaub und Familienfesten liegt und nicht so sehr auf der Schönheit des Alltags.
- Eine liebe Freundin hat mir zum Geburtstag ein Fotobuch aus den Septemberbildern gemacht *Danke.danke
* – und ich muss sagen, das hat nochmal eine ganz eigene Qualität: die Bilder ausgedruckt, in Buchform, auf hochwertigem Papier in den Händen zu halten. Das ist auf jeden Fall ein Ansporn, das mit einem ganzen Jahr voller Bilder zu machen. - Ich ertappe mich zunehmend dabei, dass ich mir denke: “ach, das hast Du ja schon fotografiert, wie langweilig” – auch wenn ein und dasselbe Motiv an jedem Tag anders aussehen würde, es ist doch ein hartnäckiges inneres Stimmchen, das da meckert. Andererseits ist es auch eine gute Gelegenheit, neue Wege und unbekanntes Terrain zu begehen, zu erforschen und die Komfortzone zu verlassen. Gelegenheit zu Wachstum.
- Genau das schätze ich besonders daran, wie es sich entwickelt hat: Ein buntes Mosaik meines alltäglichen Lebens sind die Bilder geworden. Ich kann nur jeden ermuntern, ähnliches zu beginnen. Es macht wirklich Spaß!






















