Archiv für die Kategorie „Glaube“
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Das wird heute abend im Halbfinale Deutschland-Italien sicher nicht das Endergebnis sein, beim freundschaftlichen Kräftemessen im Rahmen der Kick-Off-Aktion hier in Pegnitz trennten sich das ökumenische Team der Kirchengemeinden und das Team der Stadtverwaltung in einem recht spannenden Spiel mit obigem Unentschieden. Schon im Schatten auf der Tribüne hatte es 30°C – was müssen die auf dem Spielfeld erst gelitten haben…
Die Stimmung war hervorragend. Alle anwesenden Fans jubelten dem kirchlichen Team zu, offensichtlich hat die Aktivierung der Fankurve der Stadtverwaltung nicht geklappt – und das, obwohl unser Bürgermeister mitkickte, der am Sonntag gerade eben seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte…
Auf dem Bild in den roten Trikots (von links): Zweiter Pfarrer, Kantor, Dekan.
Ich finde Pegnitz prima. Da sind die Leute so richtig engagiert. Und die Stimmung war mindestens so gut wie die beim Viertelfinale.
Für mich als Fußballplatz-Neuling war es tatsächlich etwas schwierig, ohne die Totale, die Ballkontakt-Statistik und die Wiederholungen auszukommen.
Richtiges echtes Leben hat eben nur einmal die Chance. Da gibt es keine Zeitlupe, keine Wiederholung. Vorbei ist vorbei, der Augenblick kommt nicht zurück.
- und so habe ich das Tor unseres Dekans leider nicht live gesehen.
ich habe Antworten gefunden..
..oder besser gesagt: Fragen. Zur Bewertung von überflüssigen Dingen in meinem Leben. Zum Aussortieren von offenen Enden und zum Abschneiden von Fäden, die meine Energie absaugen (siehe auch: Welches Projekt würden Sie aus heutiger Sicht nicht mehr beginnen? via wissensagentur)
Zum Erkennen von Schuld-en
- welche inakzeptablen Folgen hat es für mein Leben, wenn ich diese Aufgabe nicht erledige?
- habe ich mir zuviel zugemutet, zuviel aufgeladen?
- was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich diese Aufgabe nicht erledige?
- wie wäre es, wenn ich mir probehalber mal vorstellen würde, diese Aufgabe einfach nicht zu machen. Kann ich damit leben?
- wie kann ich sorgsamer mit mir umgehen?
Schuld-en
Das Thema Schuld ist größer, als ich dachte. Quintessenz der Predigt gestern war natürlich, dass Jesus für unsere Schuld gekreuzigt wurde.
Und wie bitteschön gebe ich ihm meine Schuld? Er zahlt keine Rechnungen für mich und beantwortet auch keine liegengebliebene, beinahe kompostierte Geburttagskarte.
Ich kann schon auf einen Zettel schreiben, dass ich heute mein Kind verhaut habe. Keine “Undo”-Funktion, leider. Dann kann ich den Zettel verbrennen und ich kann sogar beten. Und das Gefühl der Schuld bleibt trotzdem? Oder nicht? Ist die Schuld dann getilgt? Wie sieht es dann auf meinem “Karma-Konto” aus – so denken andere Kreise, mehr esoterisch, weniger christlich (oder ist das doch auch christlich???)
Wie sehen die Schritte zur Selbst-Vergebung aus, so, dass ich auch die Vergebung der Schuld fühlen kann und er-leicht-ert bin? Reicht es aus, jeden Tag, jeden Moment neu anzufangen und immer mehr und immer beharrlicher zu versuchen, gut zu sein, keine Schuld mehr anzuhäufen?
Und wie lautet die Frage, mit der ich unterscheiden und bewerten kann, ob ich diese Rechnung jetzt doch noch bezahlen muss und die Karte doch noch beantworten muss, weil die Schuld sonst nicht weggeht. Wie unterscheide ich zwischen einem echten “offenen Ende”, das ich noch zu bearbeiten habe und wie bewerte ich Schuld, die ich an Gott oder wen auch immer abgeben darf?
Sorry, wenn das hier etwas beissend geraten ist, ich bewege mich hier gerade an den Kernfragen meiner Existenz, da ist es selten gemütlich.
Schuld
Ein ganz archaisches Gefühl, ganz tief drunten, ganz tief drinnen.
Heute hat G. in der Predigt von Schuld gesprochen. Von der unbezahlten Rechnung, die er jemandem schuldet, von der unbeantworteten Geburtstagskarte, die seit 2003 auf seinem Schreibtisch liegt, von einem Besuch, den er schon Tage und Wochen vor sich herschiebt. Von schönen Dingen, die er sich für diesen Konfirmandenkurs vorgenommen hat und die er dann doch nicht umsetzen konnte.
Ich hatte Schuld bisher als etwas völlig abstraktes definiert. Etwas für Mörder und Kriminelle, als etwas, das andere verletzt und habe mich relativ frei von Schuld gefühlt.
Für mich war das ein total harter Gedanke, dass diese ganzen “offenen Enden“, die ich gerade eifrig auf einer Liste sammle, etwas mit Schuld zu tun haben könnten. Ich habe sie immer als Energieräuber betrachtet, die mir solange die Energie für andere Projekte und Vorhaben absaugen, bis sie erledigt sind.
Ich denke, beides ist richtig. Mit “Schuld” lässt sich jedenfalls die Emotion beschreiben, die mit den offenen Enden verbunden ist. Psychologie. Schlechtes Gewissen. Im Buch “Klopf dich frei” ist so eine Hierarchie der Gefühle als Diagramm abgebildet gewesen. Liebe ist ganz oben, auf der negativen Seite kommen Angst, Hass,… und ganz unten die Schuld.
In den Büchern über Selbst-Heilung (Lise Bourbeau z.B.) ist der Heilungsprozess untrennbar mit Vergebung verknüpft. Anderen vergeben – und vor allem sich selbst.
Die Schimpfgespräche im Kopf einstellen, was ich schon wieder nicht geschafft habe, wo ich schon wieder versagt habe.
Diese Verknüpfung der so alltäglichen “Versagensgeschichten” mit dem Gefühl “Schuld” ist für mich sehr neu. Wie ich damit umgehen werde, weiss ich noch nicht. Ich habe nur das Gefühl, da auf ganz elementare Zusammenhänge gestossen zu sein.
Auf jeden Fall hat mich dieser emotional sehr bewegende Gottesdienst heute einen großen Schritt weitergebracht. Wer hätte das gedacht? Psychologie in der Kirche.
Und führe uns nicht in Versuchung

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
Oscar Wilde (1854 – 1900)
Dieses Zitat beleuchtet in einer witzigen Weise, daß die täglichen Versuchungen ja auch ihre angenehmen Seiten haben: Zarter Schokoladenschmelz auf der Zunge, ein schönes Gefühl, mit der Zigarette in der Hand „dazu zu gehören“ ein angenehm beschwingtes Gefühl nach zwei Gläsern Wein…
Doch diese Versuchungen haben eben auch ihre Schattenseiten: Übergewicht, Abhängigkeit, Sucht, körperlicher und seelischer Verfall.
Versuchung, das Wort enthält ja auch den Versuch – was muß ich denn ausprobieren und versuchen, weil ich meinen Platz im Leben noch nicht gefunden habe? Welchen Mangel, welches Loch muß ich füllen? Welchen Träumen renne ich in dieser ewigen Suche hinterher? Die große Freiheit, die eine Zigarettenlänge lang dauert? Welches Loch stopfe ich mit unmässigen Essen? Wo suche ich mir Bewunderung, indem ich meinen Partner betrüge? Experimente, Versuche, ein Umherirren ohne Ziel…
Ich versuche, im Alltag durch Ausprobieren meinen Platz und meinen Weg zu finden.
Die Versuchung ist Suche, führt zur Sucht. Unser Leben ist voll von Versuchungen: Zigarettten, Alkohol, Schokolade, unmässiges Essen, Sex… überall sehen wir die Trugbilder einer heilen Welt, werden uns Werte vorgegaukelt, die käuflich sein sollen.
Wie finde ich denn trotz der Versuchungen einen festen Platz im Leben? Wie kann ich es denn schaffen, stark zu sein und den Versuchungen zu widerstehen?
Vielleicht kann ich es schaffen, auf Gottes Fülle zu vertrauen, er sorgt für mich. Ich muß es nicht alleine schaffen, er ist bei mir.
Die Bitte aus dem VaterUnser möchte ich ein wenig abwandeln: „… und führe uns in der Versuchung“ – ich kann auf Gottes Führung vertrauen, er nimmt mich an der Hand. In der Besinnung auf die echten Werte kann ich Ruhe finden. Vielleicht lassen sich dann auch die Löcher in der Seele stopfen, vielleicht ist dann die Suche zu Ende. Es gibt eine schöne Geschichte von den Spuren im Sand: Lange Zeit sind zwei Spuren zu sehen, Gott geht neben mir und hält mich an der Hand. Und in ganz schweren Zeiten gibt es nur eine Fußspur – Gott trägt mich.
Ich wünsche Ihnen viel Vertrauen auf die Fülle, die Gott schenkt.
Du sollst nicht töten
Tja, nun hab ich mich endlich aufgerafft und die Andacht geschrieben, mit der ich diesen Monat dran bin. Zu der Arbeit im Öffentlichkeits-Ausschuss bin ich irgendwie auch gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Nebeneffekt ist, dass sogar ich kleines Würstchen jetzt neben den ganzen “großkopferten” Theologen Andachten schreiben darf. Für mich ein schier unglaublicher Schritt, hier vor der ganzen Gemeinde meine Meinung kundzutun.
Redaktionsschluss für die April-Ausgabe unseres Kirchenboten ist der 6. März (ich bin ja richtig früh dran
Themenreihe ist dieses Jahr “Die zehn Gebote” und ich hab mir das fünfte ausgesucht. Nicht ganz unbeeinflusst vom letzten Sonntag – ich hab ein Fülleseminar besucht – hier nun der Text:
Das fünfte Gebot
„Du sollst nicht töten“. Klar, denke ich, das ist einfach. Schließlich bin ich weder Soldat noch Terrorist und gehöre auch nicht zu den Kriminellen, den Mördern. Dieses Gebot ist einfach zu erfüllen, denn ein normaler Mensch würde es ja niemals fertig bringen, einen anderen Menschen zu töten.
Bevor ich mich jedoch entspannt zurücklehnen kann, frage ich mich: Töte ich wirklich nicht? Auch nicht ein kleines bisschen?
Was ist mit meinem Mitschüler auf dem Pausenhof – wenn ich mich einreihe, in die Zahl der Spötter, die ihn aus nichtigem Grund auslachen. Töte ich da nicht ein kleines Stück seiner Würde durch meinen Spott?
Was ist mit der allzu verrückten Idee meines Kollegen, wenn ich die durch herbe Kritik mit einem Streich vom Tisch wische. Töte ich nicht da ein kleines Stück seiner Kreativität?
Was ist mit meinem quengelnden Kind, wenn ich es völlig genervt anschreie, weil mir dieses letzte Fünkchen Kraft heute einfach fehlt? Töte ich da nicht ein kleines Stück seines Selbstvertrauens?
Was ist mit dem Autofahrer, der hinter mir zu schnell fährt, der mich mit der Lichthupe von der Straße drängen will? Den ich dann wüst beschimpfe – töte ich da nicht durch meinen Zorn ein kleines Stück seines gottgewollten Wesens?
Das Gebot verlangt von mir, meine Mitmenschen nicht bereits durch meine Worte und Gedanken zu verletzen, da muss ich gar nicht bis zur äußersten Grenze, bis zum letzten Schritt gehen: Töten fängt bereits mit den Gefühlen, Gedanken und Worten an, die letztlich dorthin führen: Hass, Zorn, Wut, Spott, Hohn.
Ich darf diese negativen Gefühle haben, sie gehören zum Leben. Jedoch kann ich mich in jedem Moment neu entscheiden, sie meinem Nächsten nicht vor die Füße zu werfen.
Wie anders klingt doch da das Wort „Du sollst ein Segen sein“. Vielleicht ist mir das eine Hilfe, dieses schwierige Gebot zu verwirklichen.
