Archiv für die Kategorie „Betrachtungen“

Einwandfrei

Lebe weise ist das Thema meiner Seite und naturgemäß interessiere ich mich für Bücher der Sorte Lebens-Ratgeber.

Das Thema “Ich erschaffe meine Welt durch meine Gedanken” ist nicht neu und wird in dieser Sparte der Ratgeber-Literatur in epischer Breite ausgetreten.

Ich nenne da jetzt nur einmal die Bücher von Dale Carnegie, Dr. Joseph Murphy, die “Bestellungen beim Universum” von Bärbel Mohr oder die “Einfach Wünschen”-Bücher von Pierre Franckh. Auch “The Secret” oder das “Law of Attraction” hat vor Monaten ziemliche Wellen geschlagen…

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Alle diese Bücher haben mal den einen, mal den anderen Grundton und jeder muss selbst ausprobieren, mit welcher Spruchart oder Schreibweise er am Besten zurechtkommt.

Das eine ist vielleicht zu amerikanisch-euphorisch, das andere vielleicht zu esoterisch, sektiererisch oder schlicht zu platt. Manchmal entdeckt man Perlen, manchmal kann man nur den Kopf schütteln.

Nicht jeder mag gerne Affirmationen oder Mantras murmeln und ganz ehrlich, das Grundproblem aller Ratgeber-Bücher – bei mir jedenfalls – ist:

Man liest ein Buch, ist von der Idee begeistert, es fehlen jedoch oft konkrete Anleitungen und wenn dann der allgemeine Alltag wieder über einen hereinrollt (und das Buch schon mehr als zwei Stunden zugeklappt ist), dann versanden alle guten Vorsätze so schnell wie an Neujahr.

Binnen Tagen, manchmal nur Stunden ist der Impuls futsch und alles läuft wie gehabt.

Ein Gutes hat jedoch das kontinuierliche Lesen solcher Bücher in jedem Fall, denn die allen diesen Büchern zu Grunde liegende Idee sickert so langsam tiefer:

Dass es in irgendeiner Weise die eigene Einstellung, die eigenen Worte und Gedanken sind, die die eigene Realität formen.

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Ich nenne jetzt mal ein altes Sprichwort, das ich immer von meiner Oma gehört habe:

Was Du nicht willst, das man Dir tu´, das füg auch keinem and´ren zu.

Oder in andere Worte gekleidet zitiere ich den Talmud, andere schreiben diese Weisheit östlichen Lehrern zu:

Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden zu Worten.

Achte auf Deine Worte,
denn sie werden zu Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen,
denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter,
denn er wird Dein Schicksal.

Egal also, wo man im Leben langläuft, woher man seine eigene Weisheit und Inspiration bezieht, ob aus der Bibel oder aus anderen Quellen – in irgendeiner Weise wird man mit diesen Konzepten in Berührung kommen.

Vermutlich ist diese Idee also

a) nicht neu und

b) möglicherweise wahr.

Was also wirklich fehlt, ist die praktische Anleitung und die echte und nachhaltige Umsetzung im Leben. Was fehlt, ist eine konkrete Vorstellung von konkreten Maßnahmen, die diese Idee ins Leben integriert.

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Und hier komme ich zu der Geschichte aus der vergangenen Woche, bei der wieder einmal Twitter und meine dort versammelten Freunde eine Rolle spielen:

In diesem Fall war es ein Tweet der bezaubernden @chailattetogo, der eine ganze Serie ins Rollen brachte:

Ich benutze heute übrigens keine negativen Worte! #wermachtmit?

Ich fand die Idee gut und hab spontan mein Mitmachen erklärt :-) Daraufhin bekam ich von @Apfelmuse, die unserer Unterhaltung gefolgt war, den Buchtipp zu “Einwandfrei”

Ein paar Tage lang habe ich das Buch auf meinem Wunschzettel geparkt und darüber nachgedacht. Ich halte mich selbst für einen grundsätzlich positiv eingestellten Menschen und habe mit mir selbst darüber diskutiert,

  • … ob ich mir das wirklich kaufen soll …
  • … oder ob es eine Fernleihbestellung auch täte…
  • … und ob es nicht wieder einmal nur “Mehr vom Gleichen” ist …
  • … und so weiter.

Ich habe dann letzlich gekauft, weil beim Kaufexemplar eines dieser geheimnisvollen Armbänder* beiliegt, von denen im Buch die Rede ist und die integraler Bestandteil des Konzeptes sind.

Ziel der Aktion ist es, 21 Tage am Stück ohne Jammern, Klagen, Schimpfen, Kritisieren oder ähnliche negative Äußerungen zu schaffen. Klingt leicht und zuerst habe ich mich auch bei den sowieso positiv eingestellten Menschen eingeordnet, die diese Herausforderung vermutlich im Vorbeigehen meistern würden. Ha!

Ganz anders sieht das aus, wenn man zu Lesen beginnt und tatsächlich das Armband überstreift und bei jeder negativen Äußerung auf die andere Seite wechselt…

Sofort ist man von der Phase der unbewußten Inkompetenz (die selige Nichtwissenheit) in die Phase der bewußten Inkompetenz eingetreten.
Im Buch wird das genau erklärt, kurz gesagt:

  • Es wird einem plötzlich klar und bewußt, wie oft einem am Tag negative Worte, Klagen und Jammern über die Lippen gehen…

Interessant ist hier der Ansatz, mit den Worten zu beginnen, das ist nach dem Zitat aus dem Talmud ja bereits die zweite Stufe nach den Gedanken … Jammernd Denken ist weiterhin erlaubt, solange es nicht ausgesprochen wird!

Beabsichtigter Nebeneffekt ist dabei, dass wenn man keine negativen Worte aussprechen will, sich ja auch die Gedanken irgendwie ändern müssen, sonst wird das nix.

Mit der Zeit und mit der Übung (“Zeit im Sattel, Zeit im Sattel”) wird hoffentlich die Phase der bewußten Inkompetenz in die bewußte Kompetenz übergehen und letzlich in die unbewußte Kompetenz, oder schlicht übersetzt – Meisterschaft.

(Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine gewisse 10.000-Stunden-Regel, das wären knapp 14 Monate…)

Ich stelle mich dieser Herausforderung, mein offizielles Startdatum war Sonntag, der 29. August 2010 – der erste volle Tag mit dem Armband. Und ich bin gespannt, wann ich meinen Tag Eins schaffen werde.

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Gemerkt? Dieses Buch fällt in die Kategorie “Perlen” :mrgreen:

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[*Anmerkung: Dieses spezielle lilafarbene Armband kann aber sehr leicht auch durch ein beliebiges anderes Armband, einen Gummiring oder einen Handschmeichel-Stein in der Hosentasche ersetzt werden können, Hauptsache man hat etwas, das man leicht von einer Seite auf die andere bewegen kann. Es ist also nicht zwingend notwendig, ds Buch neu zu kaufen, gebraucht oder geliehen tut es auch.
Überdies ist es auf der Webseite von A-Complaintfree-World erhältlich, 10 Stück für 10 $ - die eigentlichen Armbänder sind frei, das Geld dient zur Finanzierung des Versands.]


Was der Blumenkübel uns zu sagen hat…

Meine gestrigen Pläne für den zweiten Urlaubstag mit den Küchenkräutern und dem Umtopfen sind irgendwie im Sande verlaufen.

Nachmittags ist über Twitter ein #Blumenkübel-Mem gelaufen… man muss nicht wissen, was ein Mem ist. Im Zusammenhang mit Twitter ist es vor allem: Zeitfressend.

Auch wenn mich die Kreativität überrascht hat, mit der das Wort #Blumenkübel in sehr erstaunliche Zusammenhänge gesetzt wurde … und wie schnell der 140-Zeichen-Rahmen gesprengt wurde und sich die Idee in die verschiedensten Medien ausgedehnt hat: Lesungen, Videos, Bilder, Zeichnungen, Lieder… auf einmal ist Deutschland kreativ. Oder zumindest die deutschen Twitterer.

Ich wünsche mir, dass die Praktikantin oder Volontärin, die diese allzumenschliche und wohl fast auch belanglose Meldung in der Münsterer Zeitung geschrieben hat keinen beruflichen und persönlichen Schaden an diesem Flashmob nimmt, der wie ein Hype durch die Twitteria gejagt wurde.

Deutschland hat nun endlich auch seinen umgefallenen Sack Reis: den Blumenkübel. Ich hab natürlich auch in mich hineingegluckst, als gegen Abend so langsam die amerikanische Welt aufwachte und sich verwundert die Augen rieb:

Wie bitte? #Blumenkübel ist ´trending topic´? – Crazy Germans!

Ja, ich glaube, in dieser ganzen verrückten Geschichte um den #Blumenkübel liegt auch eine besondere Chance. Diese scheinbar völlig belanglose Meldung in der Münsterer Zeitung ist auch eine Gelegenheit, sich angesichts der sonstigen Weltpresse gerade mal auf die harmlosen, beschaulichen Nachrichten zu stürzen.

Ich gebe gerne zu, dass ich in unserer Zeitung auch am liebsten den Lokalteil lese, weil hier die Welt noch ein stückweit in Ordnung ist und weil sich gerade hier gerade mal keine große Katastrophe abspielt.

Ich vermute, dass der tiefere Sinn hinter diesem #Blumenkübel-Mem vor allem die Sehnsucht nach einem Stück heiler Welt ohne Katastrophenmeldungen ist. Da kann dann auch plötzlich die Kreativität aufblühen.

Ein weiterer Punkt, der in meine Gedankengänge hineinpassen könnte, ist der Kik-Report, den ich mir gestern dann doch noch angeschaut habe. Genau da wird der Kontrast deutlich.

Auf der einen Seite die unglaubliche Profitgier – auf der anderen Seite das krasse Elend der ausgenutzten Menschen, Sklaven unseres Wohlstandes. Der Kik-Report ist nur ein weiteres Beispiel, was alles schief läuft in unserer Welt.

Wer ihn im Fernsehen nicht ansehen konnte, sollte dies unbedingt im Internet nachholen:

Natürlich arbeitet dieser Journalismus mit den bewußten Gegensätzen, mit dem Kontrast, mit all diesen Stilmitteln – aber hey, genau das ist auch nötig, um aufzurütteln, aufzuwecken und im Einheitsbrei der Katastrophenmeldungen die abgestumpften Medien-Konsumenten und Fernbedienungs-Festhalter überhaupt noch zu erreichen.

Die Katastrophen unserer Welt sind allgegenwärtig. Die Sehnsucht nach der heilen Welt ist riesengroß. Da kommt eine harmlose Zeitungsmeldung und plötzlich werden die Leute kreativ.

Endlich eine Chance, die ganze unterdrückte Energie zu kanalisieren! Endlich mal was machen können – und sei es nur am #Blumenkübel-Mem mitbasteln.

Ich habe meine Konsequenzen aus dem Kik-Report gezogen. Das geht so ganz und gar nicht. Und ich wünsche mir, dass die ganze kreative Energie, die in uns allen, in jedem Einzelnen von uns steckt, endlich dafür genutzt wird, um wirklich die Konsequenzen zu tragen und zu handeln.

Jeder Einzelne von uns kann dafür sorgen, dass zum Beispiel die Idee von manomama bekannter wird. Wie kann diese Idee von echt fairer Kleidung mit sozialem und ökologischem Hintergrund auch an die herangetragen werde, die nicht auf Twitter sind oder in der Bloggerszene herumlungern? Wie kann diese Idee unters Volk gebracht werden?

Da wäre mal ein bisschen Kreativität gefragt!

Keine Angst, keiner verlangt, dass jetzt auf einmal jeder von uns etwas so Großes tun soll, wie es Sina Trinkwalder tut. Nicht alle sind dafür geschaffen, so herauszuragen und ihre Frau oder seinen Mann zu stehen. Nicht jeder könnte die Öffentlichkeit, die Aufmerksamkeit und auch die Last tragen, die eine solche herausragende Rolle mit sich bringt. Aber jeder von uns kann die Idee weitertragen, weitersagen und damit wirklich etwas ändern.

Auch im Kleinen und gerade im Kleinen.


Urlaub – Tag 2

… der begann erst mal damit, dass kein Krümelchen Brot oder Semmel mehr im Haus war. Ja, ok. Knäckebrot – aber hey, ich wollte FRÜHSTÜCK!

Die Scones sind fertig!

Zum Glück kamen erst gestern die Backmischungen aus Juchems Shop – unter anderem die Scones-Mischung, zweite Runde. Über meinen ersten Versuch mit den Scones habe ich ja schon hier berichtet und allein die Erinnerung an diese Scones ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Letztes Mal hab ich ja knapp 50 Minuten gebacken (also vom Öffnen des Pakets bis zum Servieren der Scones) und aus der damaligen Erfahrung wußte ich, dass ich die ganzen umständlichen Schritte mit bemehlter Arbeitsplatte, Teig ausrollen und Ausstechen getrost weglassen kann.

Die etwas unorthodoxe Methode lautet demnach:

  • Butter wird nicht gewogen, sondern der (originalverpackte) Würfel wird in fünf gleiche Teile markiert und zwei davon werden abgesäbelt – voilá 100g Butter
  • ein Ei ist ein Ei ist ein Ei, da lässt sich nix mehr ver-EI-nfachen ;-)
  • Milch – ok, ich hab einen Meßbecher eingesaut. Das trau ich mir dann doch nicht zu, das optisch abzschätzen. [Hey, ich verwende Backmischungen, bin also meilenweit von jeglicher Bäcker-, Hausfrauen- und Oma-Erfahrenheit entfernt, die man sich so landläufig vorstellt.]
  • Teig mit dem Rührgerät durchkneten. Und jetzt kommts:
  • mit dem Esslöffel schöne große Batzen direkt aufs Backpapier (oder die Dauer-Backfolie) setzen. Weil der Teig klebrig ist, hilft es, das vorhin zum Butter abschneiden verwendete Messer zur Hilfe zu nehmen.
  • Mit einem Schluck Milch bepinseln, ab in den Ofen. 12 Minuten. 230°C

Das Ergebnis: Jippieh – in nur 35 Minuten fertige Scones zum Frühstück! und da ist die Teig-Ruhe-Zeit von 10 Minuten im Kühlschrank schon mit eingerechnet! Also, was will man mehr? Reine Arbeitszeit sind grad mal 13 Minuten.

Also, das kriegt von mir das Prädikat:

Taugt auch für Besuch und Sonntagsfrühstück :-)

Anmerkungen an die Backmischungsentwicklerinnen und Notizen an mich:

  • Wer so große Bätzli aufs Blech setzt, dass statt der in der Anleitung angedachten 12 bis 16 Stück nur neun Scones entstehen, der sollte auch bei scharf backendem Ofen noch eine Minute zugeben [Notiz an mich: statt 12 lieber 13 Minuten backen]
  • Verwenden die Backmischungsentwickler und -Entwicklerinnen eigentlich Profi-Knetmaschinen oder wird die Backmischung auch mit haushaltsüblichen Handrührgeräten getestet? Nur so aus Neugier gefragt… denn:
  • Der Teig war beim Knethaken-rühren sehr fest und zäh, ich habe nochmal einen Schwapp Milch aus der Tüte dazugegossen, sonst hätte ich mein Handrührgerät vermutlich überfordert.
  • Aus diesem Grund kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die in der Backanleitung vorgeschlagene mürbere Variante mit noch weniger Milch wirklich problemlos herzustellen ist…
  • Mir sind die entstandenen Scones mürbe genug, sie haben ein wirklich angenehmes Bröseln und eine zarte Konsistenz, ich würde wahrscheinlich nicht noch weniger Milch nehmen wollen.
  • Und zu guter Letzt: Schon der Teig schmeckt himmlisch – keine Spur mehr von zu intensivem Vanille-Aroma. Da muss ich echt aufpassen, dass ich das nächste Mal wirklich auch 9 bis 10 und nicht etwa nur 8 Scones mache … roher Teig soll ja soooo ungesund sein (hat meine Oma immer gesagt)

Und auf der Liste für den restlichen Urlaubstag steht jetzt noch das Aufhübschen meiner Dachterrasse in Form von Küchenkräutern… mal schauen…
:-)

Ach übrigens: Kennt ihr den hier?

“Los, sag was Dreckiges!” – “Küche”

:mrgreen:


Urlaub – Tag eins

Gar nicht so leicht, wirklich Urlaub zu machen. Weil ich morgens nicht wirklich rechtzeitig die Kurve gekratzt habe, hat mich der Anruf meiner Hausbank doch noch ereilt. Der Filialleiter höchstselbst wollte mich von meinem geplanten Vorhaben der Umsiedlung meines Riestervertrages zu einem anderen Anbieter abbringen.

Immerhin kam man mir bei den horrenden StrafVerwaltungsgebühren ein kleines Stück entgegen. Statt 100 € sind jetzt nur noch 75 € fällig, wohlgemerkt, nur fürs Übertragen des Riestervertrages samt Zulagen zum neuen Anbieter. Im Vertrag war zwar von einem “angemessenen Betrag” die Rede, aber im Zweifelsfall ist das eben ein dehnbarer Begriff…

Besonders schön war die ganze Palette der vielen, verkäuferisch glattpolierten Argumente:

  • Ich könne ja auch einen zweiten Riestervertrag parallel laufen lassen… ja? und warum? Damit die Verträge und die Beantragung der Zulagen so richtig schön transparent werden?
  • Dann wurden die Bandagen härter. Ich solle doch mal meinen Berater fragen, was er bei dem neuen Vertrag verdienen würde…
  • …und überhaupt würden ja jetzt neue Abschlußgebühren fällig… und das ist ja dann erst mal negatives Guthaben, sprich Kosten… das würde ja bei dem bestehenden Vertrag wegfallen.
  • Und überhaupt wäre es ja wohl sehr positiv, dass ich nur so wenig an eigenem Beitrag einzahlen musste, um in den Genuss der Zulagen zu kommen…

An dieser Stelle wäre mir beinahe der Kragen geplatzt: Erst gestern gab es im Radio die Meldung über das angedachte Begrüßungsgeld für ausländische Fachkräfte.

Und ich als studierte Akademikerin und entschiedene Mutter – weil sich mit dem deutschen Schulsystem leider kaum eine Berufstätigkeit beider Elternteile vereinbaren lässt – sitze mit meiner gesammelten Qualifikation zu Hause und darf dankbar sein, dass ich per Anhängsel-Riester-Vertrag in den Genuß der staatlichen Zulagen komme. Grrrrr.

Nun, ich habe mich dennoch dafür entschieden, die Kündigung und den Übertrag auf den neuen Vertrag aufrecht zu erhalten und mit den klärenden Gesprächen und dem ganzen Briefkram hat das alles auch wieder ein Stündchen gedauert…

Das Blöde an der ganzen Sache: Immer noch kein Urlaub in Sicht. Und leider auch keine Ahnung, was ich wirklich machen will heute…

Das Klumpertal bei Pottenstein bot sich noch als restlicher Gedankenfetzen aus dem Gespräch mit meiner Freundin gestern an… Vorher noch Besorgungen erledigen, den Brief zur Post bringen.

Entenstein

Dann tatsächlich: ich stehe auf dem Wanderparkplatz, parke das Auto. Das Wetter ist traumhaft, schöner könnte es gar nicht sein.

Ich nehme die Markierung “Gelbe Raute” geradeaus. Ganz allein stehe ich in dem sonnendurchfluteten Wald und mir wird mulmig. Mein Strudelwürmli fühlt sich gerade überhaupt nicht mehr wohl. Ich marschiere den kleinsten möglichen Rundweg und kurz vor Ende des Wanderweges, schon in Sichtweite des Parkplatzes habe ich dann doch noch meinen erholsamen Moment gefunden.

Distel

Wieder einmal das Fotografieren. Diesmal ist es eine riesige Distel, die meine eigenen Einssiebzig locker überragt. Und im warmen Sonnenschein sind die Blüten voller summender Insekten.

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Gelernt:

  • Ich bin wohl doch kein Naturmensch, der Gefallen an einsamen Wanderungen hat.
  • Fotografieren ist für mich *immer* eine Freude.
  • Es gibt kein *banales* oder *schlechtes* Motiv.
  • Ich brauche keine tollen Ausflüge, um mich zu erholen. Mindestens ganauso viel Spaß – wenn nicht mehr – habe ich beim Zuschneiden der Fotos (Welcher Ausschnitt bringt das Motiv so richtig zum leuchten?), am Zusammenstellen der Fotocollage, und am Schreiben dieses Artikels.
  • Ich bin heute früh ohnehin mit diesem Gefühl aufgewacht, dass es ein richtiger Spaß sein könnte, die Blogkategorien zu sortieren und auszumisten! So ganz falsch liege ich dann mit meinem Hobby, der Bloggerei wohl doch nicht. ;-)
  • Rausgehen ist immer gut. Da gibt es besonders viele Fotomotive. Aber dazu braucht es keine aufwendigen Unternehmungen – nur einen etwas bewegteren und aktiveren Alltag (und eine Kamera in der Handtasche)

Den restlichen Urlaubstag verbringe ich mit Limonade und einem guten Buch auf der sonnigen Dachterrasse. Vielleicht werde ich auch wieder etwas zeichnen, bloß für das Lab 9 fehlen mir meine Kiddos – es wären nämlich “wrong handed portraits” gefragt. Ich kann zwar mit Rechts zeichnen, aber wer allein zu Hause hockt, hat niemanden zum Portraitieren…

Mittelmühle


*urlaubsreif*

sonnige Blume

Heute früh bin ich mit nur sehr mäßiger Stimmung aufgewacht. Ein klassischer Durchhänger nach einer schlecht geschlafenen Nacht. Das Wetter tat mit der grauen Suppe außerhalb der Fenster ein Übriges.

Die Kinder sind eine Woche in Ferien und fehlen mir schon am zweiten Tag. Für diese “freien Tage”, in denen ich nicht mit Schul- und sonstigem Alltagskram belastet bin, hatte ich mir vorgenommen, die ein oder andere Altlast aufzuarbeiten. Oder ersatzweise auch den nie endenden Papiertiger zu zähmen…

Doch meine Stimmung machte mir einen massiven Strich durch die Rechnung. “Da hat man mal ein paar Tage frei und kriegt nichts auf die Reihe” – so lauteten im Groben die Selbstvorwürfe, die mir durch den Kopf waberten.

Zerknirscht, verbissen, hartnäckig… diese Worte beschreiben nicht nur Stimmungslagen, sondern auch körperliche Symptome und das engstirnige Vorhaben, mein Leben im Hau-Ruck-Verfahren in den Griff kriegen zu wollen.

Schließlich predige ich ja hier massig über genau dieses Ziel, das ich selbst noch nicht erreicht habe: Lebe weise. Manchmal kommt mir das selbst vor wie blanker Hohn.

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Zum Glück gibt es unter anderem das Web 2.0 – diesmal hat mich der Kontakt nach “da draußen” sprichwörtlich aus dem grauen Tag gezogen.

Konkrete Begebenheiten:

  • Rausgehen. Gar nicht so einfach. Doch mit Hilfe sanfter Ermahnungen (speziell über Twitter) habe ich mich dann aufgerafft und bin vom Spaziergang tatsächlich erfrischt, belebt, durchgelüftet und mit einer Hand voll Fotos zurück gekommen. So funktionieren Freundschaften, auch über große Entfernungen.
  • Fundsachen im Reader. Jawoll. Jede Menge Blogs habe ich abonniert und der Grat zwischen “Inspiration” und “sich im Internet verirren” ist schmal. Die Stunden vor dem Computer fressen die Zeit im realen Leben. Doch heute habe ich eine sehr tröstliche Stelle gefunden- und jawoll, es ist eine Stelle in der Bibel:

    Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es … (Eph 2,8)

    Gefunden habe ich sie im Skizzenblog von Liz und Borromini – und manchmal ist es eben genau so ein Wort, das mich berührt und tröstet – und den ganzen Perfektionismus und die Gefühle der Unzulänglichkeit in die Tonne tritt. Weil ich auch nur ein Mensch bin und himmelweit davon entfernt, perfekt, ein Übermensch oder eine Übermutter zu sein.

  • Weitere Fundsachen: Einer meiner Lieblingsblogs ist Chez Larsson und Benita schreibt gerade heute über klassische Donald Duck Momente, die einem im Leben widerfahren: z.B. den Fußboden lackieren und das laufende Radio steht danach unerreichbar auf dem Regalbrett – die Nachtruhe war im Eimer…

    Solche Geschichten zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht – nicht etwa aus Schadenfreude, sondern wegen der Menschlichkeit und der Echtheit, die da durchblitzen.
    Chez Larsson zeigt mir auch im heutigen Artikel, dass es manchmal nur die allerkleinsten Dinge und Schritte sind, die einen echten Unterschied machen. Zum Beispiel ein zweiter Nagel in der Wand.

  • Die Begegnung mit einer Freundin im Tedi. Jawoll, im Ramsch-Laden. Ich hab Kräuselband in Gold in der Hand und dann sprechen wir über genau das: die kleinen machbaren Schritte. Totz Durchhänger, trotz Handicaps. Selten hab ich diesen Laden so aufgebaut verlassen :-)
  • Meine Erkenntnis, die bei diesem Gespräch gereift ist: Ich bin urlaubsreif. Ich werde die freien Tage bis zur Rückkehr meiner Kinder nutzen und *nur* etwas machen, was Spaß macht. Ich hab schon ewig nicht mehr gezeichnet. Es gibt eine Unmenge Orte in der näheren Umgebung, die ich noch nicht besucht und gesehen habe.

    Der konkrete Beschluss und die Idee lautet:

    Ich mache Urlaub.

    Der Papiertiger und das Chaos-Büro warten auf mich, da bin ich mir ganz sicher. Jetzt geht es erst mal ganz konkret ums Auftanken. Ums Anhalten der Verpflichtungsmühle und ums Herunterfahren der eigenen Ansprüche.

    Jetzt geht es mal ganz konkret um pure Lebensfreude.

2010-08-03


Wie können wir leben?

Ich sitze immer noch relativ fassungslos vor dem Computer und verfolge mehr oder weniger ausführlich die Berichterstattung zu den tragischen Vorfällen am Wochenende bei der Loveparade in Duisburg. Die Berichte waren erst sensationsgierig, mittlerweile hauptsächlich schuldzuweisend. Warum nur finde ich auch Tage nach dem Unglück nicht mehr zurück in das “business as usual”?

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Als ich mich am Montag über einen geschmacklosen Witz bei Twitter aufgeregt habe und dem Verfasser meine Meinung gesagt habe, wurde ich als Betroffenheits-Spezialistin beschimpft, mit dem Argument, es gäbe ja ohnehin jeden Tag so und soviele Tote durch Unfälle, Krankheiten, Rauchen, Drogen, Alkohol.

Ja, das mag schon sein, aber dennoch haben die Vorfälle in Duisburg einen anderen Charakter. Gerade das Grauenhafte daran erinnert uns in besonderer Weise an unsere eigene Sterblichkeit. Das geschieht oft bei solchen schlimmen Ereignissen.

Vielleicht ist es ein restlicher Funke an Lebendigkeit im Inneren, der für Mitgefühl sorgt, für Bestürzung, für Anteilnahme.

Über die Rolle von Twitter bei der Berichterstattung nach der Katastrophe hat Andrea in ihrem Blog schon hinreichend berichtet und viele kluge Kommentare haben dazu beigetragen, ein Stück mehr zu verstehen, wie die Kommunikation nach solchen Unglücken aussehen kann und wie sie auch entgleisen kann.

Ich kann mich erinnern, dass ich am Samstag Abend sehr traurig auf der Dachterrasse gesessen bin und in das farbige Wolkenschauspiel gestarrt habe. Am Nachmittag haben wir fröhlich und ausgelassen den Kindergeburtstag meines Sohnes gefeiert – und dann das.

Wie können wir leben, angesichts der vielen Toten und Verletzten?

Ich glaube, wir sollten uns nicht als Betroffenheitsspezialisten beschimpfen lassen, sondern dazu stehen, dass Betroffenheit und Mitgefühl in uns (noch) entstehen können.

Ja, und ich glaube, wir sollten jetzt erst recht das Leben feiern, als eine grandiose Ansammlung von lauter wunderbaren Momenten: das Lächeln und die glänzenden Augen meiner Kinder, die spektakulären Sonnenuntergänge, das unvergleichliche Licht am frühen Morgen.

Ich stehe seit den Ereignissen von Duisburg jeden Morgen bewußter auf, bin zutiefst dankbar, noch am Leben zu sein, einen weiteren Tag geschenkt zu bekommen.

Solche tragischen Ereignisse sind schrecklich. Ich glaube, das Mitgefühl mahnt uns, am Leben zu bleiben und die uns geschenkte Zeit wirklich zu nutzen. Nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich zu leben.

So können wir leben, angesichts des Todes rund um uns herum – und es gibt nicht nur die grauenvollen Kathastrophen – da hat der Kritiker schon recht, der mich eine Betroffenheitsspezialistin genannt hat. Der Tod lauert überall und wer weise leben will, nimmt den Tod als Ratgeber auf seine Schulter… so können wir leben angesichts des Todes, denn unsere eigene Sterblichkeit ist gewiss, nur den Tag und die Stunde kennen wir nicht.

Was bleibt ist die tiefe Dankbarkeit über das Geschenk des Lebens.

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