Kein Passwort mehr
Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel über ein Selbstportrait passwortgeschützt veröffentlicht. Was für ein Widerspruch: An der Öffentlichkeit und für keinen zugänglich.
Heute habe ich das Passwort aus diesem Artikel herausgenommen, er ist jetzt öffentlich und für alle sichtbar. Der Witz ist, es ist ja nicht wirklich was Supergeheimes drin, nur dieses Bild:
Warum sollte ich das weiterhin verstecken? Ich habe volles Verständnis, wenn jemand in seinem privaten Blog Familienbilder veröffentlicht und diese Artikel dann schützt, damit die Fotos nur den Stammlesern zugänglich sind und nicht weltweit umherschwirren. Doch mein Blog hat eine andere Ausrichtung – und vielleicht war mir das selber nicht so wirklich klar.
Vier Tage hat das alles im Unterbewußtsein rumort, bis ich heute nacht aufgewacht bin und gemerkt habe, dass das nicht zusammenpasst: Hier einen solchen Blog betreiben und sich dann verstecken wollen.
Ich bin heute an einem Wendepunkt angekommen.
Ich bekenne, dass ich immer wieder Angst habe, mich öffentlich zu zeigen. Ich habe Angst, verletzlich zu sein und ich fühle die Lähmung, die aus dieser Angst entsteht.
Heute ist mir das bewußt geworden. Ich habe diese Angst schon lange und vielleicht habe ich auch in der Vergangenheit hier nicht so geschrieben, wie ich hätte schreiben können. Vielleicht muss ich auch hier mit diesem Blog einiges ändern… ich weiß es noch nicht genau… ich bin noch auf dem Weg zu mehr Klarheit… noch nicht ganz angekommen.
Aber eines ist gewiss: Es gibt letztlich nur einen Weg, der zu einem wahrhaftigen oder authentischen Leben führt: Das Risiko wagen.
Springen.
Was könnte das Gefühl besser vor Augen führen als dieses wunderbare Video mit dem Titel “Dare.” ?
Die Musik ist der erste Satz aus Vivaldis “Sommer” (Die vier Jahreszeiten), hier im Video mit Herbert von Karajan und Anne-Sophie Mutter.
Vielleicht ergeht es Euch ja wie mir – ich hocke davor, schaue es wieder und wieder an und kämpfe jedesmal mit den Tränen. Das geht so ins Mark. Immer noch, auch wenn das Video schon seit Monaten oder gar Jahren öffentlich ist und es wahrscheinlich eh´schon jeder kennt… Das Gefühl bleibt.
Die Angst ist der Wolf. Eine Illusion. Dare.

no risk – no fun!
Hallihallo Uli! Dich gibts also auch noch
Ja, so kurz hätte ich es auch schreiben können, da hast Du recht. Ist trotzdem mit Bauchweh verbunden, das “risk” und der “fun” ist noch offen… fühlt sich wie eine Absturzkante an.
LG, Claudia
bauchweh ist doch auch nicht vielmehr, als ein bauchgefühl, daß sich irgendwie meldet, das kann man auch positiv bewerten!
und: ich denke eher, daß es bei dir umgekehrt ist: das risiko ist nicht ganz klar, daß du mit mehr offenheit eingehst, der spaß ist, daß du endlich was rauslassen kannst und darfst (von dir aus), daß vielleicht längst schon rauswollte, -mit allen positiven auswirkungen, die das bestimmt nachsichzieht
Zu unserem Telefonat von vorhin: Das Video hab ich schon gekannt (das Abspielen hat auch funktioniert)…
Klar, es ist jedem seine Sache, wie er seinen Blog führt. Ich habe für mich entschlossen, Bilder von meinen Kindern, die ich einstelle, etwas zu schützen. Viele Leser haben das Passwort und es funktioniert ganz gut.
Du hast schon recht, wenn man blogt, dann richtig. Aber kann man falsch bloggen? Es ist doch jedem das seine, wie er es mit seinem Blog hält. Eine Leserin von mir schützt jeden ihrer Artikel mit Passwort… (okay, das wäre dann auch etwas übertrieben). Aber sie archiviert so ihre Gedanken… ein Büchlein kann man verlieren… die Speicherkapazität des PCs ist auch irgendwann mal am Ende usw.).
Jeder soll sein “Zeugs” so machen, wie er will, deshalb ist es doch in Ordnung.
LG claud (die immer noch nicht so richtig wach ist) grins
@Uli: Bauchgefühl, Rumoren, ja, da braut sich was zusammen und vielleicht hat es ja nicht einmal etwas mit dem Blog zu tun, vielleicht suche ich das Risiko an der falschen Stelle? Danke für Deine Gedanken!
@claud: Danke für die Frage, ob man falsch bloggen kann… manchmal brauch ich eben einen externen Blick auf die Dinge… cool, dass Du da eine saubere Brille dafür hast, wenn meine wieder mal voller Tappser ist.
Bin sehr stolz auf dich und ich weiß um all das sehr gut…Du bist nicht allein, vielleicht hilft das immer wieder ein wenig weiter.
Alles Liebe,
Alexandra
Den Schritt finde ich gut und richtig. Danke für Deine Offenheit.
Ich fühle mich auch immer etwas vor den Kopf gestossen, wenn ich in einem Blog, das ich regelmäßig lese, auf einen passwort geschützten Artikel stoße. Da denke ich immer: wenn der Artikel nur für bestimmte Personen gedacht ist, kann man den Inhalt auch direkt an diese Personen richten (z.B. per Brief, email etc.) ohne anderen Lesern mitzuteilen: “das hier ist zu privat, als dass Du es lesen dürftest”.
Für das teilen privater Kinderbilder, die man aus guten Gründen vielleicht nicht der Öffentlichkeit preisgeben möchte, gibt es ja auch andere Plattformen. Das würde ich nicht über einen Blog, das ja auch für die Öffentlichkeit gedacht ist, mit Passwortschutz machen.
Natürlich kann jeder bloggen wie er/sie will. Aber man sollte sich eben auch darüber bewusst werden, welche Form auch welche Wirkung haben kann. Ich finde es daher gut (ehrlich, transparent), dass Du den Passwortschutz aufgehoben hast.
Tolles Video übrigens.
Danke!
Alexander
@Alexandra und @Alexander: Danke für Eure mutmachenden Worte
Hallo Claudia,
ich weiß nicht welches Thema dich gerade berührt, wenn es das ist, dich zu zeigen, dann ist dein Bild ein guter Schritt.
Ich sehe eine schöne Person, die abwartend in die Kamera blickt. Ich kenne das von mir selbst. Meistens blicke ich zu ernst in die Kamera. Ein schönes Bild ist es von dir.
( Aber ein Bild von dir war doch auch schon vorher zu sehen?!?, oder?)
Über das Vivaldi Musikstück freue ich mich sehr, da die Vier Jahreszeiten zu meinen Lieblingsliedern gehören. Das ist eine sehr spannende Interpretation.
In den Zeiten von Google, musst du natürlich damit rechnen, dass du jetzt weltweit mit deinem Namen und dem Foto unter Bilder , sichtbar gefunden wirst.
Ich mache mir für mich da so meine Gedanken, ob ich das eigentlich möchte, oder ob ich meine Fotos von mir wieder lösche.
Meine Tendenz ist: Ich lasse sie drin. Sozusagen als Künstlerfotos.
Mit Grüßen
Sven
Hallo Sven, Dein Kommentar hat mich sehr berührt. Danke für Deine Worte.
Ja, ein Bild war auch vorher schon zu sehen, ist es auch immer noch – bei “Kontakt”.
Und du hast es gespürt und erahnt, das Thema geht viel, viel weiter, als nur ein Foto von mir in der Öffentlichkeit zu zeigen – es ist das Thema, mit allen meinen Träumen, Wünschen, Zielen und Sehnsüchten sichtbar zu werden. Und damit verletzbar, angreifbar. Auslachbar, “bar” jeden Schutzes. Doch jeder Schutz kann nur eine Mauer, ein Gefängnis sein.
Das ist auch die eigentliche Bedeutung des Videos für mich. Rückzug, immer wieder zurückweichen – oder der Angst tatsächlich ins Gesicht sehen, es riskieren, vom Wolf verletzt zu werden und trotzdem springen. Die Illusion der Angst auflösen und Lebendigkeit gewinnen.
Es kann wohl nicht perfekter ausgedrückt werden als in diesem Film.
Liebe Grüße!
Claudia