Fluch der Mobilität?

Free Image Hosting at allyoucanupload.comEin weiterer Beitrag, den ich für den Kirchenboten unserer Gemeinde geschrieben habe:

Frierend steht ein Pendler am Bahnsteigrand und wartet im eisigen Wind auf den Zug, der ihn zur Arbeit bringt. Rund ein Dutzend Menschen steht im Halbdunkel, kaum einer spricht ein Wort. Unerbittlich rücken die Zeiger der Uhr weiter.

Froh kann man heutzutage sein, wenn man überhaupt Arbeit hat, dennoch sind manchmal große Opfer zu bringen. Immer weitere Strecken muss man zurücklegen, um zur Arbeit zu gelangen. Viel Zeit verschlingt das Pendeln zur Arbeit, jeden Morgen, jeden Abend. Lebenszeit, die man nicht mit der eigenen Familie verbringen kann. Manche Familienväter sind sogar die ganze Woche weg und kehren erst am Freitagabend zu Frau und Kindern zurück.

Die Industrialisierung hat uns technischen Fortschritt gebracht, zwingt den Arbeiter aber auch, zu seinem Arbeitsort zu fahren. Die Trennung von Wohnen und Arbeit ist endgültig, die erzwungene Mobilität geht als tiefer Riss durch die Familien, verursacht Streß, kostet Zeit und Geld.

Einsam und anonym sitzt man mit Hunderten von anderen Menschen im Zug, eilt zur Arbeit und fragt sich vielleicht irgendwann, wo genau denn das Leben „auf der Strecke“ geblieben ist.

So ist der Bahnhof auch ein Symbol für ein Leben „auf Achse“. Mobilität um jeden Preis fordert die Gesellschaft, die Folge ist ein beschleunigtes Leben, ein Leben voller Hetze und dennoch mit vielen endlosen leeren und einsamen Stunden in der anonymen Masse der Berufspendler.

Ich wünsche Ihnen allen, dass sie trotz aller Zwänge, die der Beruf und die Lebensumstände für Sie bereithalten, dennoch Momente der Ruhe, der Gemeinsamkeit und der Freude finden können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die verbleibende Zeit mit Ihren Lieben voll auskosten können.


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