Städtebau und sozialer Friede
Mir geht das Gespräch mit meiner Tante Hilde nicht mehr aus dem Kopf. Gesellschaftlicher Wandel und das Aussterben der Dörfer. Zusammen mit den aktuellen Unruhen in Frankreich ergibt das für mich ein ganz klares Signal: Auch wenn meine Profs damals etwas anderes behauptet haben, mit städtebaulicher Gestaltung alleine lassen sich soziale Probleme nicht lösen. Das Pulverfass ist nicht mehr nur auf die Plattenbauten beschränkt. Allerorten entstehen Ghettos. Die Zukunft der Arbeitswelt sieht düster aus, die Arbeitslosigkeit wird sich so einfach nicht bekämpfen lassen. Da entsteht Sprengstoff. Ich brauche mir da keine großen Hoffnungen machen, jemals mit Ästhetik einen Blumentopf zu verdienen zu wollen. Ganz schlechtes Produkt. Braucht kein Mensch. Wie habe ich heute in der Zeitung gelesen? “Unser Produkt heißt sozialer Frieden. Wenn es an ihm mangelt, kann man alles andere vergessen” (Barbara Stolterfoht auf der Fachmesse “Consozial” in Nürnberg)
Für meine berufliche Zukunft heisst das konkret: Es sind sowieso keine Gelder mehr für die Städtebauförderung da, da können es sich immer weniger Städte und Gemeinden leisten, eine optisch-ästhetische Sanierung des Ortsbildes durchzuführen. Und so schön ein gelungenes Stadtbild auch ist und so sehr es vielleicht auch ein “weicher Standortfaktor” ist – die Zukunft sieht für die Städtebauer auch düster aus. Ich werde mich wohl anderweitig orientieren müssen, wenn dereinst die Elternzeit endet.