25. Dezember 2009

Stern von Bethlehem

Stern von Bethlehem

Ich wünsche allen meinen Lesern und Leserinnen ein freudvolles, glückliches und besinnliches Weihnachtsfest.

Den folgenden Text möchte ich Ihnen in die Feiertage mitgeben, weil er mich so sehr berührt hat, als ich ihn im Vorwort eines Buches vor einigen Tagen wieder gefunden habe. Für mich hat er ganz viel mit Weihnachten und der Geburt Jesu auf der Erde -als Mensch- zu tun:

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere größte Angst ist grenzenlos mächtig zu sein. Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit ängstigt uns am meisten. Wir fragen uns: Wer bin ich denn, dass ich so brilliant sein soll? Aber wer bist Du, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Es dient der Welt nicht, wenn Du Dich klein machst. Dich klein zu machen, nur damit andere um dich herum sich nicht unwohl fühlen, hat nichts Erleuchtetes.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns. Er ist in jedem Einzelnen. Und wenn wir unser Licht leuchten lassen, geben wir damit unbewusst anderen die Erlaubnis, es auch zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch die anderen.

Nelson Mandela

24. Dezember 2009

Making of … (23)

Maria ist etwas Besonderes. Tagelang hatte ich die Bleistiftskizze vor mir liegen. Das Gesicht schaut bereits jetzt so zart aus, dass ich mich nicht getraut habe, irgendetwas daran zu machen. Schon gar nicht eine Grundierung mit weißem Acryl!

Maria und Jesus - erste Skizze

Also habe ich wieder mal tagelang gebrütet, derweil andere Bilder fertiggestellt und hin und her überlegt, wie ich die Maria mit dem Jesuskind dann noch soweit im Stil anpasssen kann, dass sie wenigstens gedruckt werden kann. Denn das geht ja schliesslich nicht: Alle Bilder sind bunt und nur die Maria ist eine Bleistiftzeichnung???

Maria (1)

Maria ist wirklich etwas Besonderes, sie ist das einzige Bild, das ich wirklich direkt auf den Hintergrund mit Buntstiften gemalt habe. Ich hatte eine gehörige Portion Zweifel, ob die Buntstifte auch ohne die Acryl-Grundierung haften würden. Doch nach dem Trocknen sah alles bereits sehr gut aus.

Maria (2)Maria (3)

Schritt für Schritt sind immer mehr Details dazugekommen: Die Krippe, Stroh, Vordergrund, Boden, alles ist Stück für Stück gewachsen…

Einen letzten Adrenalinstoß gab mir dann noch das Zeichnen der Konturen. Schwarzer Gelstift. Hey, wenn ich *jetzt* abrutsche. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, aber auch hier: es ist alles gut gegangen.

Maria (4)

Was fehlt noch? Richtig. Der Stern von Bethlehem. Hier die Rohfassung: Mir sind die richtigen Worte und Zeilen aus meinem zerfledderten Losungsbüchlein in die Hände gefallen.

Stern von Bethlehem - Rohfassung

Meine Arbeitsskizze vom 17. Juni zeigt diesen Stern noch ganz klassisch und üblich mit den *immer.so* gezeichneten Kometenschweif-Zacken.

Vor-Skizze

Das ist auch *der* Prototyp des Weihnachtssterns überhaupt. Von daher war ich selbst am meisten überrascht, als der Stern so wurde wie er wurde.

Und damit es doch noch ein allerletztes “Türchen” in meiner Making-of-Reihe gibt: Das Bild vom fertigen Weihnachtsstern gibt es dann morgen, am Ersten Weihnachtsfeiertag.

Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus

23. Dezember 2009

Making of … (22)

Beim Joseph war ja klar, dass er im Bogenfenster seinen Platz findet, von daher habe ich ihn von vornherein an den rechten Bildrand gerückt, damit ihn der Bogen nicht berührt. Im Frühstadium kurz nach dem Grundieren des Hintergrundes habe ich als Erstes ein wenig der dunklen Farbe weggewischt, um schon mal einen Platz für den Heiligenschein festzulegen (damit kann man gar nicht früh genug beginnen ;-) )

P1100663

Grob skizziert kann man auch bereits das Gesicht und die Laterne in Bleistiftstrichen erkennen.

Der nächste Schritt war, den Vordergrund mit den Mustern und Stempelungen ein wenig an die 18 Motive in den “kleinen” Fenstern anzugleichen, also gab es Punkte, Blümchenstempel und graue Farbe. Dann die erste Grundierung mit verdünnter Acrylfarbe, wie ich es auch bei den Engeln gemacht habe.

P1100940

Leider gibt es hierzu nur dieses unscharfe Foto, aber es zeigt ben ein wichtiges Zwischenstadium. Links schimmert noch der Tannenbaum von einem Hintergrund-Collage-Papier durch, später leuchtet hier der Lichtschein der Laterne.

P1100995

Joseph bekommt ein Gewand aus Buntstiftfarbe. Die wasserlöslichen Faber-Grip-Stifte ergeben eine kompakte Farbfläche und die verschiedenen Brauntöne verschwimmen schön ineinander.

P1110024

Zuletzt kommen nur noch Konturen, ein paar dunklere Haare (Filzstift: Faber Castell Pitt Artist Pen) und ein Bart hinzu und natürlich der obligatorische Heiligenschein… ein paar Verzierungen und Details, fertig :-)

P1110051

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22. Dezember 2009

Making of … (21)

Meine Tochter spielt dieses Jahr in einem Krippenspiel für den Familiengottesdienst am Heiligen Abend mit, in dem die Tiere darüber streiten, welches von ihnen denn von den Engeln zu Maria und Josef in den Stall gestellt werden wird, um dem Jesuskind ein guter Begleiter zu sein.

OchseEsel

Ich darf hier natürlich nicht verraten, wie die Handlung genau geht, aber es ist einfach eine wunderbare Geschichte, warum dann ausgerechntet ein Ochse und ein Esel im Stall dabei sind.

Es würde es sich bestimmt lohnen, am Heiligen Abend um 15 Uhr in der Pegnitzer St. Bartholomäuskirche mit dabei zu sein. Aus naheliegenden Gründen wird sicherlich jeder bereits andere Pläne haben – von daher bleibt mir nur übrig, einige Details aus der Entstehungszeit der beiden Tierbilder zu zeigen.

Ochse - Mischtechnik

Die Figur ist wie auch bei den Engeln mit Acrylfarbe grundiert. Nach dem Trocknen habe ich die Farbschichten mit wasservermalbaren Buntstiften gemalt. Das fließt wunderschön ineinander und hat auch für mich erstaunliche Effekte erzeugt.

Die Konturen zum Schluss definieren die Darstellung dann noch mehr.

Esel - Mischtechnik

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21. Dezember 2009

Mein brandbook

Ich habe heute Post bekommen! Mein brandbook-Notizbuch-Geschenk aus der facebook-Aktion ist heute angekommen! Super, superlieb!

Das Erste, was mir beim Auspacken entgegengebollert ist, war ein Pilot-Gelschreiber G-1 in 0.5 mm Strichstärke – was für eine nette Zusatzüberraschung :-)
Das Notizbuch ist liebevoll verpackt und eine handgeschriebene Karte mit Weihnachtsgrüßen ist auch dabei. Der Umschlag in edlem Grau hat eine angenehme Haptik und die Gravur “lebe-weise” ist gestochen scharf. Innen ist ganz dezent cremefarbenes Papier mit Punkten, die ein Raster ergeben und dieses Notizbuch hat auch die unentbehrliche obligatorische Froschtasche hinten, die man von Moleskine her kennt.

Ich freue mich total und möchte dem brandbook-Team auf diesem Weg Danke sagen und ebenfalls ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. :-)

Mein brandbook

Making of … (20)

Ich wollte die Engel eigentlich ganz klassisch im Stil der Rauschgoldengel malen. Mit vielen Rüschen, Ornamenten und ordentlichen, gefiederten Flügeln. :-)

Mir ist auch wieder eingefallen, warum ich eine andere Technik gewählt habe, und die Figuren nicht auf bedruckten Buchseiten vorgezeichnet habe: Das Losungsbuch war zu klein, um dort die gesamten Engel vorzuskizzieren und so wie bei den anderen Bildern auszuschneiden und aufzukleben.

Vorzeichnung mit Bleistift

Also habe ich die Figur auf den dunklen Untergrund mit Bleistift vorskizziert, auch um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo dann der Bogen des Fensters entlangläuft.

Mit verdünnter Acrylfarbe in Weiß habe ich danach die Umrisse und die Flächen angelegt, nur so als grobe “Skizze” – und um eine erste Form herzustellen.

P1100785

Flügel - verdünnte Acrylfarbe

Hier sieht man sehr schön, wieviel Wasser und wie wenig Farbe aufgetragen wurden. Das hat natürlich einiges an Trockenzeit zur Folge, so dass es ganz gut ist, dass ein Adventskalender nicht nur aus einem Bild besteht… ;-)

Nebeneinander von verschiedenen Techniken

durchsichtige Hand

So ging es Runde um Runde weiter, später haben die Engel dann mit Buntstift eine Andeutung von Hautfarbe bekommen, silbernes Haar und ein Gesicht…

Engel - Portrait

Auch der Hintergrund erhält eine nicht gezählte Menge von einzelnen Schichten…

Detail Hintergrund

Hier sind die beiden Engel beinahe fertig:

beinahe fertig

Eigentlich wollte ich dann schon noch mit collagierten Elementen weitermachen, das habe ich dann zumindest bei dem Spruchband, das die beiden Engel in der Hand halten, verwirklicht. Hier noch eine Detailansicht:

Detail Spruchband

Was fehlt noch? Richtig, der Heiligenschein, ein paar Konturen, ein paar Verzierungen.

Heiligenschein

Mittlerweile sahen die Engel einfach so sphärisch schön aus, dass ich mich entschlossen habe, auf das ganze Goldgerausche und Glittergesummse zu verzichten und die Engel als das zu belassen, was sie vielleicht auch den Hirten damals auf dem winterlichen Feld in der Wüste waren: Hauchzarte Wesen aus einer anderen Dimension mit einer unglaublichen Botschaft.

Engel - Mischtechnik

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20. Dezember 2009

Making of … (19)

Die Bilder im Bogenfenster sind in einer etwas anderen Technik gemalt, als die 18 hochformatigen Bilder für die Fensterscheiben am Haus.
Ich weiß gar nicht so genau, warum ich hier auf das Ausschneiden und Aufkleben von vorgezeichneten Figuren aus Buchseiten verzichtet habe – es hat sich einfach so ergeben…

Auch der Hintergrund ist anders hergestellt. Ich habe zwar wie bei den anderen Bildern mit Collagepapieren als Grundlage begonnen, doch eines meiner inspirierenden Bücher muss gerade an dem Tag gekommen sein, als ich diese Paneele grundiert habe:

Collage-Workshop
Claudine Hellmuth: Collage Discovery Workshop

Also habe ich gleich eine von Claudine Hellmuths Hintergrund-Techniken ausprobiert: “masking tape” (das wir hierzulande als Malerkrepp kennen) wird in Streifen kreuz und quer über den Hintergrund geklebt, naja zumindest einigermaßen rechtwinklig.

Ich hatte ja schon einige Papierschnipsel als Hintergrund aufgeklebt (zu schade, dass es hiervon keine Fotos gibt), also habe ich die Kreppstreifen mehr am Rand angebracht (*Glucks*…. bis auf die natürlich, die man hier mitten im Bild sehen kann ;-) )

Hintegrund - Reliefschichten
Dieses Foto ist eines der wenigen, auf dem man die plastische Wirkung der übereinandergeschichteten Kreppbänder erahnen kann.

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19. Dezember 2009

Making of … (18)

An dieser Stelle möchte ich einfach mal meiner Haus- und Hof-Druckerei, dem Juristischen Verlag in Pegnitz ein ganz dickes Dankeschön sagen. Immer ein offenes Ohr bei Schwierigkeiten aller Art, technische Probleme werden sofort mit der Druckerei geklärt, und ich bekomme für alle meine vogelwilden und ungewöhnlichen Projektanfragen immer ein schnelles, reales Angebot. Zudem sind Preis und Qualität in absoluter Toplage! *Danke*Danke*Danke*

Druckdateien Adventskalender.bmp

Dies hier ist ein Screenshot meiner Druckdateien in Picasa. Die Falschfarben entstehen dadurch, dass Picasa nur Bilder im Farbmodus RGB (den Fotos üblicherweise haben) in korrekter Weise anzeigt. Für die Druckerei muss ich aber im Farbmodus CMYK arbeiten, da dies die Farben sind, die die Drucker in ihre Maschinen füllen. C = Cyan/Blau, M = Magenta/Pink, Y = Yellow/Gelb und K = Schwarz. Dadurch ergeben sich in der Bildvorschau von Picasa so nette Negativ-Effekte.

Dieses Wissen über die verschiedenen Farbräume habe ich mir über die Jahre mit viel Lehrgeld erkauft, aus den Zeiten, wo die Plakate aus meiner Computergrafik-Werkstatt am Bildschirm brilliant aussahen und das gedruckte Ergebnis in matschigen Farben an den Hauswänden hing. Das hat teilweise sehr geschmerzt. Doch zum Glück weiß ich das ja nun, dass der Farbmodus umgewandelt werden muss – denn meistens lag es bei mir an den Daten und nicht an der Druckerei, wenn das Ergebnis nicht gepasst hat.

Die fertigen Drucke

Von daher kamen die Drucke nun wirklich in Spitzenqualität an und ich konnte mit dem Zuschnitt beginnen. Ich habe genau einen halben Meter per Hand mit der Schere geschnitten, dann hab ich alles wieder zusammengerollt, bin zu meinem ehemaligen Arbeitgeber gefahren und habe die riesigen Papiere auf die A0-Schneidemaschine gewuchtet. Nein, mit der Schere wird das nix. Nur die Schneidemaschine *rockt*…

Glücklicherweise gibt es von überall her Hilfe, Unterstützung und alte Kontakte :-)

Auch hier ein dickes Dankeschön an BaurConsult in Pegnitz!

18. Dezember 2009

Making of … (17)

Manchmal ist es sehr hilfreich, wenn man ein paar Tage Zeitpuffer einplant. So geschehen bei mir am 14. November. Windows hat sich einfach komplett verabschiedet. Alle neun bis dahin bereits fertigen Druckdateien für die Fenster 1 bis 18 liegen unerreichbar auf der Festplatte, leider keine einzige auf dem DVD-Rohling für die Druckerei.

Computerabsturz

#Mist. Drei Tage brauche ich, um Windows samt Treibern neu zu installieren und alle Anwendersoftware wieder aufzubauen.

Zeitgleich ist das Probenwochenende für unser Vivaldi-Konzert, das letzten Sonntag stattgefunden hat. Zudem war das Konzertplakat noch nicht in der Druckerei. Das war mit Abstand das stressigste Wochenende im ganzen Projekt…

Besonders lästig sind die fiesen Details, die dann wieder so richtig Aufwand bedeuten:

Wer mehr als eine E-Mail-Adresse hat, weiß, wie lästig es ist, die Konten in Outlook wieder zum funktionieren zu bringen. Zudem fehlen vier Monate Mails. Die wenigen, die ich vermisst habe, habe ich von wohlmeinenden Menschen wiederbekommen. Daran sehe ich, wie wenige Mails ich tatsächlich aufheben *muss* – Richtig elementar wichtig war nur eine einzige Mail:

Die Mail mit den Fenstermaßen ist mit abgestürzt… Glücklicherweise lagert die alte Mail noch auf der Senderseite im PC, so dass ich die technischen Daten leicht wieder bekomme. Gerade jetzt, wo ich in der Hochphase der Digitalisierung meiner “analogen” Bilder bin, brauche ich dringend die Geometrie des Bogenfensters, damit die Bilder dann auch reinpassen.

Herb trifft mich der Verlust von etwa vier Monaten Notizen in Evernote. Meine gesammelte Inspiration. Schade. Aber nicht zu ändern.
Just gestern habe ich aber eine besonders schöne Seite aus diesen Tagen wiedergefunden: Anahata Katkin.

Glück habe ich mit einer alten Kopie der Banking-Software, die genau an dem Tag erstellt wurde, bis zu dem meine von der Bank gespeicherten Kontoauszüge zurückreichen. Hier ist jedenfalls keine einzige Nachbuchung erforderlich.

Seitdem erstelle ich wieder etwas häufiger meine Backups…

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17. Dezember 2009

Making of … (16)

Das Projektbuch

In einem amerikanischen Blog habe ich mitten im Projekt eine schöne Idee gefunden, die ich noch umgesetzt habe: Ein Projekt-Journal. Es dokumentiert ein Projekt von A bis Z, vor allem auch auf dem holprigen Weg in der Mitte.

Projektjournal

Man kann es am Besten mit einem Logbuch auf einer langen Schiffsreise vergleichen:
Tägliche Aufzeichnungen über Wetter, Kurs, Begegnungen, Notizen über die Crew, benötigte/erworbene/verbrauchte Artikel, Getier und Fauna, Untiefen, Sandbänke und vieles mehr findet den Weg in ein Logbuch. Und so wird es ein wertvoller Begleiter gerade auch für zukünftige Reisen.

Nun, ein Projekt ist ähnlich wie eine mehr oder weniger lange Reise. Es ist ja nicht unbedingt der Anfang schwierig: wie schnell ist doch eine Idee geboren, wie häufig wird man doch von der Muse geküsst, wie leicht entflammt einen der Funke der Begeisterung. Auch das Ziel ist meistens einigermaßen klar. Was ein Projekt grundsätzlich so schwierig macht, ist das unbekannte Territorium in der Mitte. Gerade wenn ein hochgestecktes Ziel (wie beispielsweise die meisten Neujahrsvorsätze) dann über mehrere Monate dauern soll, kommt man leicht vom Weg ab. Das Beginnen fällt meistens sehr leicht, aber das Durchhalten in der Mitte ist das, was ein Projekt erfolgreich macht oder scheitern lässt.

Ein kleiner Eindruck der Reise durch mein diesjähriges großes kreatives Projekt ist ja in dieser Artikelserie bereits sichtbar geworden. Es war auch bei mir vor allem das Navigieren in unbekanntem Gewässer, das Stochern im Nebel, was den Streß und die Anstrengung bei einem so großen Projekt ausgemacht hat. Von daher ist mir die Idee mit dem Projekt-Journal gerade noch rechtzeitig untergekommen, um sie noch nutzen zu können.

Für welche Projekte eignet sich ein Projekt-Journal?

Nun, nicht jeder wird ein so umfangreiches Illustrations-Projekt abwickeln wollen… es kann glücklicherweise grundsätzlich für alles Mögliche angewendet werden, z.B. für:

  • Reisevorbereitungen
  • ein Buch schreiben
  • Aus- und Weiterbildung
  • Kurse und Workshops
  • Sprachen lernen
  • Umzug
  • Budget- und Finanzplan
  • Zielsetzung
  • Sport und Training
  • Ernährung

Warum also ein Projekt-Journal?

Nun, A ist klar: das ist die Initialzündung, die erste Idee, die Begeisterung. Z ist auch klar. Meistens lässt es sich relativ leicht beschreiben, was “hinten” dabei herauskommen soll.
In meinem Fall waren es “Vierundzwanzig Zeichnungen, die an vorhandene Fensterformate angepasst sind und zur Illustrierung der Weihnachtsgeschichte dienen” – Ein Adventskalender eben.

Doch auf dem Weg zum Ziel kommen eben die Ablenkungen, der Fokusverlust, die Tiefschläge, die Rätsel und die Schwierigkeiten. Es gibt technische Probleme, Krankheitstage, Verzögerungen und andere mögliche Entgleisungen.
*Das* sind die berühmten weißen Flecken auf der Landkarte. Ich erhoffe mir von meinem Projektjournal, dass ich durch die Selbstbeobachtung für weitere Aufgaben und Projekte sehr wertvolle Informationen zur Hand habe.

Wie geht das mit dem Journal?

Zutaten:

  • Notizbuch der Wahl – Ich habe ein einfaches Schulheft für 35 Cent verwendet, ein A5-Format mit der Lineatur der 1. Klasse war gerade noch übrig.
  • Post-it
  • Tesafilm
  • Klebestift
  • Textmarker
  • … Büroklammern, Briefumschlag, Aufkleber…etc.
  • Benutze, was Du hast – sagt eine sehr weise Sparsamkeitsregel ;-)

Anleitung – das “how to”:

Man nehme ein Notizbuch seiner Wahl und…
… erstelle drei Sektionen (siehe unten), indem man mit Post-its Tabs an den Rand klebt.
Die Tabs werden mit Tesafilm verstärkt, um sie haltbarer zu machen.
In die drei Kapitel oder Sektionen kommen die Infos, die das Projekt betreffen.
Man entscheidet, wie oft man den Projektfortschritt aufzeichnen will…
… macht weiter, bis das Projekt zu Ende ist.
Am Ende erstellt man einen Schluss-Eintrag mit den Schlüsselerkenntnissen fürs nächste Mal.
Spaß haben und die Reise genießen!

Und nun zu den drei erforderlichen Sektionen:

1. Projekt-Notizen

Alle Ideen, Brainstorming, Mindmaps. Ich habe in dieser Sektion eine Sammlung von allgemeinen Informationen angelegt. Beispielsweise meine Skizze von der Fensteranordnung, Ausdrucke meiner Skizzen aus den Notizbüchern und gefundene inspirierende Fotos aus dem Orient, Palmen, Bauwerke, Landschaft und so weiter. Für ein Schreibprojekt könnten es z.B auch Kapitel-Ideen, Struktur, Charaktere, Themen sein.

2. Ziele

Je besser man sein Projekt mess- und zählbar macht, desto leichter ist ein Fortschritt festzustellen. In meiner Sektion hat beispielsweise die Skizze mit den 24 Themen für die einzelnen Fenster ihren Platz gefunden. Ausserdem habe ich meinen Zeitplan eingetragen, der sich durch die Rückwärtsplanung ergeben hat.

Dieser Abschnitt ist also gut für solche Dinge wie:

  • Zeitleite, Zeitrahmen
  • Meilensteine
  • Termine
  • Tages- oder Wochenpensum, das zu erledigen ist
  • Checklisten
  • Tabellen (können ja auch eingeklebt werden)

3. Prozess-Notizen

Hier geht es um die Mitte des Projekts. Quasi von B bis Y. Die Journaleinträge umfassen Gedanken, Gefühle, Aktionen, Geschehnisse während der Arbeit. Es ist ein Tagebuch, nur eben ein projektspezifisches. Ich habe beispielsweise unter anderem notiert, welche Wachskreiden ich in welchem Bereich der Landschaften verwendet habe.

Besonders wertvoll könnten aber auch so banale Einträge wie “Ich fühl mich hundeelend” oder “Ich will jetzt aber nicht hier weitermachen. Keine Ahnung, warum…” sein. Sie beleuchten die Rahmenbedingungen, in denen das Projekt seinen Schwung verliert oder man kann durch solche Bemerkungen vielleicht in einem größeren Zusammenhang erkennen, warum man immer an einem bestimmten Punkt das Handtuch werfen will und was genau an dieser Situation jetzt eigentlich schwierig war.

Die generelle Empfehlung lautet, einen Eintrag am Tag oder einen in der Woche zu machen. Abhängig von der Art des Projekts kann es auch Sinn machen, jede Stunde eine kurze Notiz zu machen. Wichtig ist ein einigermaßen regelmäßiges Raster.

Ehrlicherweise muss ich jedoch gestehen, dass ich mein Journal genau an dem Punkt unterbrochen und nicht wieder aufgenommen habe, als mein Computer abgestürzt ist und ich tagelang nur mit der Schadensbegrenzung zu tun hatte… davon ein andermal vielleicht noch mehr….

Die Landkarte des Mysteriösen

Ein Projektjournal erstelle ich vor allem aus einem Grund: Ich will meinen eigenen Kreativprozess kennenlernen und verstehen. Wenn wieder etwas Herausforderndes auf mich zukommt, dann kann ich die Schritte nachvollziehen, die mir beim letzten Mal geholfen haben, das Ding durchzuziehen.
Vielleicht ist es erst mal nur zusätzliche Arbeit und vielleicht ist es auch nicht immer komplett oder es bleibt zwischendurch liegen. Vielleicht bringt es ja auch gar nicht viel… aber ich werde es weiter ausprobieren. Denn das Unbekannte in der Mitte des Projektes ist die eigentliche Schwierigkeit.
Da dies mein erstes Projektjournal war, kann ich noch nicht vom Wiederholungsnutzen berichten, aber allein die Idee an sich gefällt mir gut. Für zwei Ziele, die ich mir für nächstes Jahr vorgenommen habe, liegen bereits die beschrifteten Hefte mit ersten Eintragungen und Ideen bereit.

Bitte besucht Andrea Juchems Adventskalender bei Bachmichels Haus

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